Saab Parts in rauer See

Alle warten wir auf den Frühling. Während zumindest in Süddeutschland die ersten Knospen sich regen, schein für Saab Parts der Frühling erst einmal auszufallen. Saab Parts bläst zur Zeit ein rauer Winterwind ins Gesicht. Die schwedische Presse hat ein neues Thema entdeckt: Die Milliarden-Verluste, die Saab Parts dem schwedischen Staat angeblich einbringen könnte. Alles fing letzte Woche mit der Wertberichtigung von Saab Parts durch die schwedische Reichsschuldenverwaltung (vgl. Blogartikel hier) an. Die Reichsschuldenverwaltung musste zugeben, dass das Geschäft von Saab Parts doch risikobehafteter ist als bisher angenommen.

Seit kurzem ist die schwedische Presse wieder an Bord und kann mal wieder negativ über Saab (Saab Parts) berichten. Was ist passiert? Seit gestern gibt es zusätzliche Informationen, die natürlich bereitwillig von der Presse aufgenommen wurden. Saab Parts hat 2012 nur noch einen Gewinn von ca. 14. Mio. Euro machen können. Im letzten „Normaljahr“ 2009 hatte Saab Parts noch ca. 42 Mio. Euro Gewinn erwirtschaftet. Man kann aus diesen Einzelzahlen also einen einen heftigen Gewinneinbruch erkennen. Allerdings natürlich ohne Betrachtung der Rahmenbedingungen. Dazu kommt noch die Information, dass der Verkauf von Original Saab Ersatzteilen sich 2012 um 50% verringert hat. Der Gewinneinbruch wurde vordergründig also von einem Umsatzeinbruch hervorgerufen.

Dies alles wird nicht nur in der Printpresse in Schweden gemeldet. Zusätzlich gab es gestern auch noch einem Bericht im schwedischen Fernsehsender SVT4. Hier kommt auch noch ein Manager von Svenska Bil, Gunnar Lesaque, zu Wort. Dieser sagt voraus, dass das Geschäft mit Original Saab Ersatzteilen innerhalb von drei bis vier Jahren vollständig zum Erliegen kommen wird. Laut der Schlussfolgerung der schwedischen Presse ist also Saab Parts so gut wie dem Untergang geweiht und demzufolge wird der schwedische Staat eine hohe Summe verlieren. Laut unabhängigen Analysten des Senders SVT4 hat zumindest der schwedische Staat kaum eine Aussicht, die eingesetzte Summe für Saab Parts wieder zurückzuerhalten.

Wie man dann aber vom Höchstverlustrisiko von ca. 220 Mio Euro – so hoch war die Bürgschaftszahlung des schwedischen Staats an die EIB – auf mögliche Milliardenverluste kommt, bleibt ein Geheimnis der Presse. Aber ein „Experte“ hat das sicher ausgerechnet. Man kann also fast sagen: Business as usual für die schwedische Presse.

Steht es wirklich so schlimm um Saab Parts? Ich glaube dies eher nicht. Natürlich wird das Geschäft von Saab Parts schwieriger. Es gibt keinen Neuwagennachschub mehr und Saab Parts muss jetzt Kosten alleine schultern, die man bisher in der Saab Automobile AB gemeinsam getragen hatte (so auch das Statement von Saab Parts). Zusätzlich musste Saab Parts Geld in die Hand nehmen, um die Ersatzteilversorgung, Lieferantenverbindungen und Händlerkontakte wieder neu aufzubauen. Das kostet erst einmal Geld und da fällt natürlich der Gewinn kleiner aus. Trotzdem ist die Vorhersage lächerlich, dass Saab Parts in vier Jahren keine Saab Ersatzteile mehr verkaufen kann. Denn im Jahr 2012 war die Ersatzteilversorgung schwierig. Und wenn man zunächst nichts liefern kann, dann verkauft man nichts. Man kann daher das Jahr 2012 nicht als Maßstab nehmen. Allerdings ist klar, dass das Geschäft für Saab Parts aufgrund der fehlenden Neuwagen schwieriger werden wird. Zwar ist das Ersatzteilgeschäft weiter lukrativ, Saab Parts wird sich aber weiterentwickeln müssen. Und natürlich wird es eher nicht die erhofften hohen Gewinne für den schwedischen Staat geben.

Ob NEVS die vereinbarte Kaufoption für Saab Parts ausüben wird, ist in meinen Augen fraglich. Sollte Saab Parts tatsächlich wirtschaftliche Probleme bekommen, wird man bei NEVS sicher sich diese nicht ans Bein binden wollen. Zwar benötigt man für die eigenen NEVS-Saabs eine Logistikorganisation und Saab Parts verfügt über gutes Saab-Wissen. Aber für die von der Regierung geforderten 220 Mio. Euro kann NEVS auch viel eigenes aufbauen. Insbesondere falls man bei NEVS wenig Interesse für die alte „Saab-Welt“ hat. Ob NEVS tatsächlich Interesse an den alten Saabs und den alten Saab-Kunden hat? Ich bin mir nicht sicher und dies wird sich erst in der Zukunft zeigen. Sinnvoll ist die Übernahme einer bestehenden Organisation immer. Denn man kann sofort ohne Unterbrechung weitermachen. Wie schwierig ein Neuaufbau ist, zeigt sich aktuell bei NEVS mit dem Beginn einer Produktion in Trollhättan.

Trotzdem tut mir der schwedische Staat überhaupt nicht leid. Man hätte sich diese Probleme und die hohen Kosten ersparen können, wenn man in den Jahren 2009 bis 2011 Saab auch nur ein wenig unterstützt hätte. Das wäre für alle besser gewesen. Für Saab, für die Saab-Mitarbeiter, für den Technologiestandort Schweden, für die Saab-Fahrer, für die Saab-Händler und zu guter Letzt für den schwedischen Steuerzahler.

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3 Antworten zu Saab Parts in rauer See

  1. Ralf schreibt:

    Wäre es nicht von vorn herein besser gewesen man hätte den neuen Investor, in diesem fall nevs, gezwungen neue Saab`s mit herkömmlichen Motoren zu bauen wenn er nicht auch Saab-Parts mit übernimmt???
    So hätte man planerisch, vor allem wegen der Risikoverteilung, auf einen winwin Situation hinarbeiten können.

  2. Sarg 9-5 II schreibt:

    >> Wie man dann aber vom Höchstverlustrisiko von ca. 220 Mio Euro – so hoch war die Bürgschaftszahlung des schwedischen Staats an die EIB – auf mögliche Milliardenverluste kommt, bleibt ein Geheimnis der Presse. <<

    Ooch, das kann unter Umständen sehr, sehr schnell gehen. Daran ist so gar nichts Geheimes.

  3. URS schreibt:

    Wenn der Staat in die Wirtschaft eingreift, dann ist die Chance gross dass etwas schief läuft. Schweden hat ja das sehr gut mit SAAB demonstriert. Hätte der Schwedische Staat rechtzeitig eingegriffen und wäre die Presse auch positiver SAAB gegenübergestanden, würde es diese Presseartikel gar nicht geben.
    Dabei gibt es ja wirklich Positives zu vermelden, denn SAAB Parts hat diese Krise überstanden und versorgt den Markt mit den benötigten Ersatzteilen. Wenn diese sich weiterhin gut entwickeln, dann kann die Firma bestehen bleiben und findet dann schlussendlich einen Eigentümer. Es muss ja nicht immer alles schief laufen oder?

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