Neues zu Saab – 06.12.2012

Am heutigen Nikolaustag gibt es von mir weder Geschenke noch Ruten. Dafür kann ich über zwei Nachrichten aus der „alten“ Saab-Welt berichten. Die eine betrifft die Zusammenarbeit von Spyker und Youngman. Bei der anderen geht es um die 3 Mrd. US-Dollar-Klage von Spyker gegen den früheren Saab-Eigentümer GM.

Die Spyker Cars NV hatte am 6. August General Motors (GM) beim Bezirksgericht in Michigan auf 3 Mrd. US-Dollar Schadensersatz verklagt. Spyker hat die Klage damals in eigenem Namen und mit Zustimmung der Insolvenzverwalter im Namen der Noch-Tochter Saab Automobile AB eingereicht. Spyker strebt eine Wiedergutmachung für GMs rechtswidriges Verhalten beim versuchten Einstieg der chinesischen Investoren Youngman und Pang Da an. Am 28. September erwiderte GM die Klage und wies alle Ansprüche von Spyker zurück.

Danach war es eher ruhig um diese Klage geworden. Das Bezirksgericht hat heute einen Termin für die mündliche Verhandlung festgelegt. Am 19. Februar 2013 werden sich die Beteiligten vor dem Bezirksgericht treffen. Man kann gespannt sein, ob es dann oder bis dahin etwas neues gibt. Die schwedische Presse titelt bereits „Victor Muller trifft GM“ also so etwa wie David trifft Goliath. Leider tritt der biblische Erfolg in der heutigen Zeit sehr selten ein. Aber warten wir es ab…

Daneben habe ich bereits schon hier über die geplante Zusammenarbeit von Spyker mit Youngman berichtet. Am 27. August 2012 hatten die beiden Firmen eine weitreichende Absichtserklärung für eine Zusammenarbeit und einen Einstieg von Youngman bei Spyker abgeschlossen. Spyker hat jetzt bekannt gegeben, dass der Vertrag mit Youngman heute unterschrieben wurde.

Youngman übernimmt 29,9% der Anteile an Spyker. Dafür wird Youngman insgesamt ca. 10 Mio. Euro investieren. Daneben soll es ein Joint-venture unter dem Namen Spyker P2P B.V geben, um den Luxus-SUV Spyker D8 zu entwickeln. Youngman wird 75% der Anteile, Spyker 25% halten. Während Spyker Technologie für diesen Geländewagen einbringt, wird Youngman 25 Mio. Euro investieren. Der Spyker D8 soll Ende 2014 erscheinen, weitere Fahrzeuge sollen entwickelt werden.

Zusätzlich gibt es aber noch ein zweites Joint-venture unter dem Namen Spyker Phoenix B.V. Und hier ist der Saab-Fans bekannte Name Programm! Youngman will in dieses Joint-venture die 2011 von Saab erhaltenen (Teil-)Rechte an der Phoenix-Plattform einbringen. Youngman wird 80% der Anteile, Spyker 20% der Anteile halten. Spyker und Youngman wollen alle bei ihnen vorhandene Technologie in dieses Joint-venture einbringen und die Finanzierung des Projekts sicherstellen (ohne Summen zu nennen). Entwickelt werden sollen hochwertige Fahrzeuge auf der Phoenix-Plattform, die in Europa und China gebaut werden sollen. Die Fahrzeuge sollen dabei höher positioniert werden, als die ursprünglich auf der Phoenix-Plattform geplanten Saab-Fahrzeuge.

Victor Muller erklärte, dass Spyker nahezu schuldenfrei sei. Mit neuen Finanzierungsmöglichkeiten und neuen Produkten beginne ein neues Kapitel in der Spyker-Geschichte.

Fraglich ist weiterhin für mich der 3. Baustein der Vereinbarung. Können Spyker und Youngman tatsächlich die Phoenix-Plattform nutzen? Youngman hatte im Herbst 2011 die nicht-exklusiven Rechte an der Phoenix-Plattform von Saab erworben. Als Kaufpreis waren ca. 70 Mio. Euro vereinbart. Zum damaligen Zeitpunkt waren ca. 65% der Plattform fertiggestellt. Die Phoenix-Plattform wurde für die Lizensierung an Youngman in insgesamt zwölf Module aufgeteilt. Da Youngman nicht den gesamte Kaufpreis, sondern nur ca. 6,5 Mio. Euro zahlte, erhielt Youngman lediglich die Rechte an zwei Modulen dieser Plattform.

Daher ist im neuen Joint-venture noch eine Menge an Entwicklungsarbeit zu leisten, sofern die Nutzung der Phoenix-Module rechtlich überhaupt möglich ist. Einige hundert Ingenieure werden ca. noch zwei Jahre benötigen. Victor Muller selbst rechnet nicht vor 2015 mit neuen Modellen. Trotz aller Zuversicht gibt es also noch einige offene Fragen.

Von NEVS gibt es dagegen nichts neues. Nach der Ankündigung, dass man eine Wiederaufnahme der Produktion des Saab 9-3II prüfen wolle, hat sich vor den Kulissen nichts mehr getan. Entweder wird (hoffentlich) hinter den Kulissen weiter gearbeitet oder NEVS befindet sich – wie scheinbar bereits die meiste Zeit – im schwedischen Winterschlaf.

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6 Antworten zu Neues zu Saab – 06.12.2012

  1. Walter Putze schreibt:

    Ach, eine winterliche kaum zu glaubende Geschichte. Einfach nur traurig!

  2. elchsson schreibt:

    die wahrscheinlichkeit in zukunft einen spyker-youngman zu fahren scheint geradezu größer als jene einen SAAB, der den namen verdient, fahren zu können. bemerkenswert ….

    • Joachim schreibt:

      Sehe ich ebenso – auf den Namen SAAB könnte ich dann sogar verzichten, wenn sonst die „Richtung“ stimmt!

      Hervorragend wäre, wenn diese Fahrzeuge dann noch aus Trollhättan kämen. Vielleicht möchte NEVS ja wenigstens mit der Vermietung von Produktionshallen etwas Geld einnehmen – da anderweitig anscheinend kein Mumm dort vorhanden ist. Zumindest zeichnet sich bisher nichts ab.

  3. Herbert Hürsch schreibt:

    Dafür …

    „Einige hundert Ingenieure werden ca. noch zwei Jahre benötigen. “

    … scheint mir die Finanzierung (mal wieder) nicht gesichert. Vermutlich spekuliert VM auf einen Vergleich mit GM?

    • Detlef Rudolf schreibt:

      Das Hauptproblem dürfte der Markenname sein – mit Spyker oder einem völlig neuen Namen könnten Autokäufer doch zunächst nicht viel anfangen.

      Bei der Finanzierung der Entwicklungskosten gehe ich mal davon aus, dass Youngman es locker mit NEVS aufnehmen kann. Nach meinem Kenntnisstand gibt es bei Youngman eine prall gefüllte Kriegskasse – VM weiß schon, an wen er sich wenden muß. Bergqvist + Co. zeigten mit der Auswahl von NEVS als SAAB-Käufer vermutlich weniger Geschick!

      Aber die allerwo auftauchende Devise lautet wohl richtigerweise: Bitte abwarten.

  4. xr2fiesta schreibt:

    Verfolge diesen Blog nun schon seit dem Namenswechsel (auf Saab-Rover-Blog), wenn auch stillschweigend. Trotz der Konkurrenz zu einem anderen bekannten Saab-Blog. Leider lässt dieser in den letzten Monaten mehr und mehr an Objektivität missen. Ist doch hier irgendwie alles etwas nüchterner betrachtet (Das Lob musste ich doch noch mal loswerden).
    Viel zu sagen gibt es in diesem ganzen Trollstadl ja nicht wirklich, zumal einem auch der echte Blick hinter die Kulissen verwehrt bleibt. Sicher bin ich nicht der einzige, der hier mehr und mehr in Grübeln kommt. Drum würde ich gerne mal die Gelegenheit nutzen etwas davon in den Raum zu stellen…
    1) Wie kommt VM eigentlich auf die wahnwitzige Idee 3 Mrd. USD von GM einzuklagen. Auf welcher Grundlage? Um diesen Schritt zu gehen muss er ja irgendwelche Chancen auf Erfolg sehen? Auch wenn wir alle wissen wie GM sich verhalten und gehandelt hat – gilt es dieses ja auch zu beweisen – vor Gericht. Und – tada – er zieht auch noch einen Investor für dieses Vorhaben an Land, was für mich danach aussieht als ob zumindest eine weitere Person mit dicken Taschen dieses Vorhaben für realistisch hält. Nun gut…. Wird sich zeigen was da kommen möge. Interessant ist dieses auf jeden Fall.
    2) Saab ist soweit in NEVS aufgegangen. Besser ausgedrückt „übergegangen“! Denn aufgehen tut hier ja nun derzeit noch wirklich nichts. Im Grunde sind Firmenübernahmen aus der Insolvenz nicht ungewöhnliches – egal welche Branche. Aber was mich sehr nachdenklich macht ist, dass es sichtlich nicht nach vorne geht – aber auch nichts zurück. Hier und da mal ein kleines Tröpfchen… die ein oder andere wenig aussagekräftige Ankündigung… das war es auch schon. Bin grundsätzlich kein Pessimist, aber diese störrische Ruhe ist schon beinahe unheimlich. Entweder die gekaufte Insolvenzmasse wird ausgeweidet oder schon mal die Trommeln rausgeholt, um den „Marken-Namen“ öffentlichkeitswirksam nicht kalt werden zu lassen. Aber in diesem Fall? Sieht so aus, als ob die Herren NEVS auf irgendetwas warten – aber auf was? Die „schon vorhandene Technologie“ aus Japan…. Akkumulatoren aus China…. Göttliche Eingebung? Am Standort Trollhättan scheint jedenfalls außer dem Putzen der Aktenschränke derzeit rein gar nichts zu passieren.
    3) Mein Freund Victor, der alte Windhund. Nicht das er es zur Saab-Übernahme geschafft hat, aus „nichts“ finanzielle Mittel zu organisieren, dass dann auch noch unter Dach und Fach gebracht hat, sondern auf seinen Asientouren immer neue Geldgeber herangeholt hat. Ist schon erstaunlich aus welchen Quellen man noch ein paar Milliönchen bekommen hat. Und scheinbar sind einige Beziehungen da auch nicht von kurzer Dauer, wenn ich mir die „angebliche“ Weiterentwicklung der Phoenix-Plattform ansehe – mit Youngman und Co. Ja, die Rechtefrage… die habe ich mir auch gestellt. Komme ich gleich noch mal drauf…. ;). Wie er die Jungs aus China da wieder über den Tisch gezogen hat… geschickt! Bin schon fast geneigt zu behaupten, dass unser holländischer Nachbar ein ganz aalglatter Windhund ist, was dann aber etwas zu weit ginge.
    4) Insolvenzverwalter hin oder her… das sind auch keine Wohltäter. Die wissen schon, dass mit einer solchen Tätigkeit richtig Geld zu verdienen ist. Leider scheint der aktuell schwedische Vertreter ausschließlich an seine Altersvorsorge zu denken. Sei es drum. Worauf ich hinaus möchte -> der eigentliche Verkauf. Käufer? „plopp“ Da isser! Kennt man nicht, weiß auch nicht was er vor hat, aber er bezahlt. Witzig, weil er ja rein gar nichts produziert… die nächsten zwei Jahre wohl wenigstens. Was dann aber in Investmentkreisen der Super Gau wäre. Da in zwei Jahren der Anschluss an den E-Fahrzeugmarkt sicher noch schwieriger ist. Was also ist der wirkliche Hintergedanke?
    Aus diesem ganzen Gedankenwirrwarr stricke ich jetzt mal eine ganz wilde Theorie 😉
    Besonders nachdem klar ist, dass GM der „Zulieferer“ war, der ursprünglich die Insolvenz mit seinem Lieferstopp (und mal im Ernst, was sind 25 Mil. an Außenständen für GM – Peanuts!) eingeleitet hat. Unter diesem Aspekt sehe ich sogar für Muller´s Gerichtsgang einen (wenn auch kleinen) Grund. Interessant auch, da Muller diesen im Namen von Spyker und Saab beschreitet, wobei davon NEVS aber nichts hat. Bis es wohl dort zu einem irgendwie gearteten Urteil (wenn überhaupt) kommen wird, übernimmt Spyker im Joint-Venture mit Youngman die weitere Entwicklungsarbeit an der Phoenix-Plattform – welche bei NEVS nicht geleistet wird (dazu fehlen ja bekanntlich noch die Mitarbeiter). NEVS scheint derweilen noch um Strukturen und Unternehmensaufbau bemüht. Irrwitzig – das jetzt mal alles im Zusammenhang zu sehen. NEVS baut das neue Unternehmen auf, konzentriert sich auf „ein“ mögliches Kernprodukt (E-Fahrzeug), bereitet Anlagen und Maschinenpark entsprechend kommender möglicher Produktionen vor, holt ggf. noch einige alte Mitarbeiter wieder zurück (wünschen würde ich das jedem). Spyker/Youngman wollen scheinbar mit E-Mobilen nichts am Hut haben (was ich wirklich witzig finde) und werkeln am Phoenix (und anhängigen Projekten – ohne Konkurrenz zu mögl. Saab Modellen!) weiter (was sowohl für Youngman als auch Spyker definitiv eine Hausnummer zu groß ist), während Muller zwischen Holland und den USA hin und her pendelt, um künftige Finanzmittel zu „erstreiten“.
    Während alle auf ein Wunder von NEVS warten, kommt Kollege Muller wieder auf den Plan, sackt in den USA eine beträchtliche Schadensersatzsumme ein – und genau an dem Punkt würde ich fast schon wetten wollen – werden wir Muller zusammen mit NEVS vor irgendeinem Mikrofon stehen sehen und etwas von Spyker-NEVS-Youngman-Saab brabbeln hören. Aktien und Beteiligungen hier… durch den Rest steigt eh keiner durch. Einige finanzstarke Partner sind bereit Unsummen beizutragen – allen voran Victor himself. Die Phoenix-Plattform beinahe fertig, NEVS steuert Produktionsanlagen, Unternehmensstruktur und die E-Sparte bei, diverse namentlich nicht genannten Partner aus Asien Übriges. Fahrzeuge auf Phoenix-Plattform basierend mit Verbrennungsmotor und als E-Variante sollen fast fertig sein und in einem gemeinsamen Unternehmen braucht man sich auch nicht mehr um die Rechte einzelnen Plattformteile streiten. Firmiert das Ganze nach außen hin doch jetzt alles unter „SAAB“ – im Innenverhältnis „Spyker-Youngman-Lotus-NEVS-GrandCayman-Panasonic-Köttbullar N.v.Co.Inc.“. Elie Saab schneidert unterdessen einen weißen Anzug für Victor in der „Gründungs-Edition“.
    Man möge mir die dezente Ironie verzeihen, aber bin ich jetzt wirklich der einzige der hier nur „Puzzlestücke“ vermutet? Oder einfach nur alles Zufall?
    In diesem Sinne…

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