Schwedischer Staat verstaatlicht Saab Parts

Eigentlich ist es keine Neuigkeit. Denn seit dem Verkauf von Saab an NEVS Mitte Juni 2012 stand fest, dass Saab Parts – vorsichtig ausgedrückt – keinen den Insolvenzverwaltern passenden Käufer gefunden hatte und der schwedische Staat daher Saab Parts selbst übernehmen würde. In einer Pressemitteilung der Reichsschuldenverwaltung wurde heute offiziell mitgeteilt, dass man Saab Parts verstaatlichen werde.

Saab Parts war als Sicherheit für das EIB-Darlehen an den bürgenden schwedischen Staat abgetreten worden. Nach der Saab-Insolvenz und der Zahlung des EIB-Darlehens durch den schwedischen Staat wird Saab Parts nun endgültig nicht im Rahmen der Saab-Insolvenz verkauft werden. Neuer Eigentümer wird in wenigen Wochen der schwedische Staat.

Geführt wird Saab Parts dann von der Reichsschuldenverwaltung. Zunächst ist noch Insolvenzverwalter Hans Bergqvist Vorsitzender von Saab Parts. Aber bereits die Hälfte der Vorstandsmitglieder stammt von der Reichsschuldenverwaltung.

Etwas seltsam ist die ganze Geschichte schon. Die EIB arbeitet aktiv gegen Saab, hat aufgrund der Staatsbürgschaft aber kein Risiko. Der schwedische Staat zwingt Saab, diese Bürgschaft übermäßig durch Saab Parts und Teile von Saab Tools abzusichern, denn alleine Saab Parts wurde 2010 von KPMG mit einem Wert von 500 Mio. Euro taxiert. So kommen die beiden Institutionen, die aktiv gegen Saab gearbeitet haben, ohne Verlust aus der Saab-Insolvenz, während andere Gläubiger keinen Cent (keine Öre) aus der Saab-Insolvenz zurückerhalten.

Ganz ohne Risiko ist die Verstaatlichung von Saab Parts nicht. Zwar ist das Ersatzteilgeschäft sehr lukrativ, was die laufenden Gewinne im zweistelligen Millionenbereich von Saab Parts zeigen. Aber ohne Neuwagengeschäft ist der zukünftige Umsatz von Saab Parts limitiert und wird tendenziell eher zurückgehen. Saab Parts muss also zukünftig in neue Geschäftsfelder investieren. Ob dies gelingen wird ist aufgrund der starken Konkurrenz im Ersatzteilgeschäft nicht sicher. Auch die ehemaligen Saab-Händler haben jetzt mehr Auswahlmöglichkeiten bei den Saab-Ersatzteilen als früher und können dadurch auch preislich günstigere Alternativen zu Saab Parts suchen.

Uns Saab-Fahrern kann das jedoch zunächst egal sein. Kurz- und mittelfristig ist die Ersatzteilversorgung ganz überwiegend gesichert und die Übernahme von Saab Parts durch die Reichsschuldenverwaltung sorgt hoffentlich für Stabilität bei Saab Parts. Trotz bleibt da ein fader Beigeschmack. Denn früher hatte die schwedische Regierung jede noch so kleine Hilfe für Saab mit der Begründung abgelehnt, man wolle nicht als Unternehmer auftreten. Aber nach dem Ende von Saab scheint dies plötzlich alles möglich zu sein. Faktisch hat die schwedische Regierung Saab Parts für 230 Mio. Euro (Bürgschaftszahlung an die EIB) gekauft.

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3 Antworten zu Schwedischer Staat verstaatlicht Saab Parts

  1. Noldi Hess schreibt:

    Vielleicht kommen wir Saab Fahrer (9-3) doch noch zu einem Update für das Navigationssystem. Alles andere läuft ja eigentlich immer noch super. Es ist und bleibt ein tolles Auto.

  2. Joachim schreibt:

    Man soll ja eigentlich nicht gehässig sein – aber großen Erfolg wünsche ich nach diesem Miesen Verhalten des schwedischen Staates in Sachen SAAB der Ersatzteilsparte keinesfalls.

    Für mich gibt es in Schweden genau wie bei GM zu viele Versager in Spitzenpositionen – und sollte NEVS wirklich weiterhin nur heiße Luft produzieren, werden diese „Spitzenleute“ in ein paar Jahren für ihr Verhalten endgültig die entsprechende Lektion bekommen (der Hinweis auf den tendenziellen Rückgang bei SAAB-Parts ohne Neuwagengeschäft wurde ja richtigerweise gegeben).

  3. polar schreibt:

    SAAB-Parts wird über kurz oder lang die gleiche Abschiedstour unternehmen. Ohne Neuwagengeschäft auf Dauer keine Chance. Selbst in Schweden gestaltet sich deutlich das neue Straßenbild ohne SAAB. Es wäre schön,wenn man nun endlich mal seine jetzt seit 2008 alte NAVI-CD in einem teuren SYSTEM wechseln könnte,ohne Mondpreise zu hinterlegen ! Hier besteht eventuell noch Hoffnung ?

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