Youngman steigt bei Spyker ein

Es tut sich wieder etwas im Umkreis der Saab-Welt und wir sehen einen neuen Coup von Spyker-Chef Victor Muller. Spyker und Youngman haben sich auf eine Zusammenarbeit geeinigt. Gerade seitens Youngman war es nach der Ablehnung des Gebots für Saab recht ruhig in den letzten Wochen geworden. Doch jetzt kommt überraschendes: Youngman wird bei Spyker einsteigen! Youngman will einen Minderheitsanteil am Sportwagenhersteller übernehmen. Gleichzeitig soll es zwei interessante Joint-Venture geben. Hier mal der zusammengefasste Inhalt der Pressemitteilung von Spyker:

Youngman wird 29,9% der Anteile an Spyker übernehmen. Dafür wird Youngman insgesamt 10 Mio. Euro investieren. 6,7 Mio. Euro werden für die Anteil bezahlt, 3,3 Mio. Euro will Youngman an Spyker für eine Wandelanleihe überlassen. Youngman hat erklärt, dass man kein Interesse hat, weitere Anteile an Spyker zu übernehmen. Youngman wird innerhalb von 7 Tagen 2,3 Mio. Euro an Spyker überweisen, der Restbetrag soll innerhalb von 45 Tagen fließen.

Daneben soll es ein Joint-venture unter dem Namen Spyker P2P B.V geben, um den Luxus-SUV Spyker D8 zu entwickeln. Youngman wird 75% der Anteile, Spyker 25% halten. Während Spyker Technologie für diesen Geländewagen einbringt, wird Youngman 25 Mio. Euro investieren. Der Spyker D8 soll Ende 2014 erscheinen, weitere Fahrzeuge sollen entwickelt werden.

Daneben gibt es aber noch ein zweites spannenderes Joint-venture unter dem Namen Spyker Phoenix B.V. Und hier ist der Saab-Fans bekannte Name Programm! Youngman wird in dieses Joint-venture die 2011 von Saab erhaltenen Rechte an der Phoenix-Plattform einbringen. Youngman wird 80% der Anteile, Spyker 20% der Anteile halten. Spyker und Youngman wollen alle bei ihnen vorhandene Technologie in dieses Joint-venture einbringen und die Finanzierung des Projekts sicherstellen (ohne Summen zu nennen). Entwickelt werden sollen hochwertige Fahrzeuge auf der Phoenix-Plattform, die in Europa und China gebaut werden sollen. Die Fahrzeuge sollen dabei höher positioniert werden, als die ursprünglich auf der Phoenix-Plattform geplanten Saab-Fahrzeuge.

Ein interessante und spannende Entwicklung! Ob diese Ereignisse Auswirkungen auf Saab und das immer noch schwebende Insolvenzverfahren haben, muss abgewartet werden. Interesant dürfte auch sein, ob die Aussagen von Spyker zur Inhaberschaft an der Phoenix-Plattform von Youngman so korrekt sind. Saab hat im Herbst 2011 Youngman nicht-exklusive Rechte an der Phoenix-Plattform gewährt. Allerdings sind die versprochenen Zahlungen von Youngman größtenteils ausgeblieben. Daher ist es bisher fraglich, ob und welche Rechte Youngman an der Phoenix-Plattform besitzt und wie Youngman diese nutzen kann. Scheinbar will man jetzt das ursprüngliche Kooperationsprogramm mit Saab (mit den Modellen 9-6 und 9-7) jetzt mit Spyker fertigstellen. Ob dies tragfähig ist bleibt abzuwarten. Die Technologie von Saab ist bei den vielen Ausgründungen erhalten geblieben, so dass technisch alles machbar erscheint.

Trotzdem sollten wir mit Spekulationen vorsichtig sein. Gerade der zeitliche Zusammenhang mit der Spyker-Klage gegen GM und die unsichere Position von NEVS lässt natürlich Raum für allerlei Mutmaßungen. Für eine heimliche Rückübernahme von Saab durch Spyker und Youngman über einige Umwege liegen jedoch noch keine harten Fakten vor. Ich persönlich hätte aufgrund der aktuellen Situation bei Saab und NEVS nichts dagegen, aber das sind höchstens minimale Hoffnungen und keine Fakten. Warten wir ab, was sich ergibt, aber die Sommerpause in Schweden scheint jedenfalls vorbei zu sein!

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14 Antworten zu Youngman steigt bei Spyker ein

  1. Pommerscher Südschwede schreibt:

    Der Spätsommer ist sowieso immer am Schönsten;-)
    schauen wir mal

  2. Marcus schreibt:

    das könnte wirklich noch interessant werden – zumal ja die schwedische presse heute meldet, dass die verzögerungen bei nevs aufgrund „finanzierungsproblemen“ aufgetreten wären.
    wenn die damit schon probleme haben, wie wollen sie dann eine komplett neue, weltmarktführende marke bei den elektroautos werden?

    • Detlef Rudolf schreibt:

      Und genau aus diesen Gründen können Bergqvist & Co. die Sache nicht eingleisig mit NEVS weiterlaufen lassen.

      Man muß sich etwas einfallen lassen (ist vielleicht ja auch schon passiert), um Geld hereinzubekommen und damit die lang ersehnte Produktion endlich zum Laufen zu bringen – denn nur mit den von NEVS geplanten Fahrzeugen dürfte der Durchbruch auf breiter Front bekanntlich nicht zu schaffen sein!

  3. Karl schreibt:

    Herrlich!!!
    Nun gehts also nach China, mit der Technologie.
    Ob Youngman die BMW-Motoren schon vermessen und in Zeichnungen umgesetzt hat, wahrscheinlich arbeiten sie schon an den Werkzeugen.
    Demnächst gibts dann einen Youngman Mini. Mit der Hilfe der Ing-Trolle aus Trollhättan dürfte es ein gutes Auto werden.
    Als Dank sind die Chinesen in seine Marode Klitsche Spyker eingestiegen.
    Tja, Kai Johan Jiang scheint aus dem Rennen, kein Geld und eine Fabrik an der Backe, die keiner haben will und braucht.
    Aber vielleicht kommen ja noch eine, oder zwei Wendungen, wie es für ein gutes Theaterstück gehört.
    Auch wenn der Dahingeschiedene verarmt war, es gibt noch genug um das die Erben streiten können.
    Eins aber ist für mich jetzt schon sicher, der nächste neue „Saab“ kommt aus China und ein Drache als Logo sieht fast wie ein Greif aus.

    • URS schreibt:

      …so hat man auch mal vor 30 Jahren über die Japaner und vor nicht allzu langer Zeit über die Koreaner gesprochen.
      ……und heute gehören sie zu unserem Alltag….!
      Übrigens wie können wir denn noch unseren Alltag bewältigen, ohne die vielen Sachen aus China, die Kleider, die vielen Elektronikgadgets, etc….

      • Karl schreibt:

        Ja, vor vierzig Jahren, da hat der Deutsche Michel gelacht über die Blechkisten aus Fernost und stieg selbstzufrieden in seinen Opel.
        Jetzt geht Opel in seine Abschiedsrunde, denn der Michel sitzt schon lange in seinem Korea-Opel.
        Gerade Opel hat viel Wissen nach Asien geliefert, ob in Zukunft etwas Produktion in Deutschland bleibt?
        Die Chance in Trollhättan dürfte jetzt gegen Null gehen, dass etwas Produktion erhalten bleibt, nur die Ingenieursdienstleister haben ein Zukunft.

        Ohne den Plunder aus China würde es bei uns zugehen wie im Paradies, wir dürften nackt durch die Auen streifen und kein Smartphone würde uns am abendlichen Lagerfeuer stören.

  4. polar schreibt:

    Da werden Nägel mit Köpfen gemacht. Diese Entwicklung stellt ja eine höheren Quantensprung dar,als das was hier bei NEVS passiert. Ein Trauerspiel um dieses hochmoderne SAAB-Werk in Trollhättan. Aber ich glaube nicht,daß wir hier etwas Licht für SAAB abbekommen werden. Es wäre eine Überraschung.

  5. Emely schreibt:

    Es wäre VM und YM zu wünschen das deren neues
    JV Erfolg haben wird.

  6. Joachim schreibt:

    Warum hier gleich wieder die Negativ-Keulen rausgeholt werden, bleibt das Geheimnis der ewigen Schwarzseher – denn eigentlich wurde (nicht nur hier im Blog) darüber informiert, dass Fahrzeuge auf der Phönix-Plattform sowohl in Europa als auch in China gebaut werden sollen.

    Ich finde es ist nicht sehr weit hergeholt, wenn man die Fabrikationsanlagen in Trollhättan für die europäische Kundschaft ins Kalkül zieht.

    Meines Wissens bauen einige japanische Hersteller ihre Fahrzeuge für den europäischen Markt in England. Dieses Vorgehen funktioniert sogar – warum sollte es mit dem modernen SAAB-Werk in Trollhättan nicht in ähnlicher Konstellation mit einem chinesischen Eigner funktionieren, der hier seine Fahrzeuge für den europäischen Markt herstellt? Das Renommee dieses Standorts wäre ausgezeichnet.

    Bitte die Negativ-Keulen erstmal wegpacken und einfach mal in Ruhe die Ereignisse abwarten – auch wenn es schwer fällt.

    • Karl schreibt:

      Schau dir die Fakten mal genau an, dann lehn dich zurück und beruhige dich. Hier gibt es keinen Grund aufgeregt zu sein.

      Die Fabrik in Trollhättan ist im Augenblick nur für den Konkursverwalter und Kai Johan Jiang ein Thema, möglicherweise ein schwer verdauliches.

      Victor Muller hat ein Interview gegeben, in dem weißt er daraufhin, dass er mit 2 Jahren rechnet, bis aus Phönix ein reproduzierbares Auto geworden ist. Solange besteht kein Bedarf für eine Fabrik. Er hat auf die Frage, ob das Auto in China produziert werden soll, nicht konkret geantwortet, sondern nur darauf hingewiesen, das er sich die Niederlande als Produktionsort gut vorstellen könnte und nachgeschoben, dass auch Schweden denkbar wäre.
      Damit ist alles offen und es werden zwei oder drei Jahre vergehen, bis hier Handlungsbedarf besteht.
      Youngman und Spyker sind jetzt in der bequemen Lage, erst einmal die Entwicklung abwarten zu können. Sie müssen keine leere Fabrik finanzieren und können dann dort produzieren wo später die meisten Zuschüsse fließen.
      Für Trollhättan ist die Situation natürlich deshalb positiv, da die neuen Ingenieursdienstleister jetzt vorerst gesicherte Arbeit haben.
      Aus dem Nachlass von Saab entstehen jetzt wohl einige neue Produkte, unter welchem Namen die auf den Markt kommen werden, das ist noch Ungewiß. Im Augenblick ist eher nicht davon auszugehen, dass da irgendwo Saab drangepappt wird.
      Aber, vielleicht verdealt Victor ja zwischenzeitlich ein paar Gripen und bekommt dafür die Markenrechte von Saab.

      Man muss den Victor Muller ja nicht mögen, aber er erinnert mich irgendwie an James Bond. Wenn alle denken, jetzt ist er am Ende, zieht er eine neue Geheimwaffe…

  7. blueperformance schreibt:

    Schlau eingefädelt von VM.
    Ein mögliches Szenario:
    Jetzt hat die Klage gegen GM noch mehr Gewicht. So ganz einfach kann man jetzt Spyker nicht aushungern. Man könnte jetzt natürlich Risiken abwenden und Spyker Lizenzen gewähren mit ein wenig Startkapital.
    Das Saabwerk könnte als Auftragsproduzent agieren und wesentlich weniger Steuern zählen als vorher Saab. Dann wäre der schwedische Staat richtig vorgeführt.
    Der altbekannte Designer JC soll das Phoenx Image hochhalten, seriösen Touch verleihen.

    Warum würde Saab light Sinn machen:
    VM kennt jetzt die Entwicklungsfirmen, hat Kontakte und kann Phoenix oder eine Abwandlung daraus herstellen. Spyker hat gegenüber Saab nicht die Komplexität und den Kostenapparat.
    Youngman stellt über Verkäufe von Spyker Sportcars in China deren Grundfinanzierung sicher. Man kann in Ruhe eine Plattform fertigstellen in mit zugekauften Modulen diese marktreif machen.
    Produktion entweder bei Saab, in leerstehenden Opel Werken oder bei Youngman in China (würde nicht zum hochpreisigen Image passen).

  8. Herbert Hürsch schreibt:

    Spannend. Falls SAAB Automobile jemals wieder auferstehen und diese Plattform und VM dabei eine zentrale Rolle spielen sollten, dann käme ja wohl nur noch ein Logo in Frage …

    Natürlich der Phoenix als Wappentier!

    Allerdings halte ich den Hokuspokus nicht für besonders vielversprechend. 10 Millionen? Wow! Was wir da sehen scheint mir ein verschleierter Technologietransfer. Ich fürchte, dass Karl den Nagel auf den Kopf trifft. Mit SAAB hat das alles wohl nichts mehr zu tun.

    • Detlef Rudolf schreibt:

      Hallo Herbert,

      hinsichtlich der Phoenix-Technologie und der gemeinsamen Vorhaben (Youngman und Spyker) sind Summen laut Blog-Info noch nicht genannt worden – die 10 Millionenen Euro sind lediglich der Preis für Anteile an Spyker (= 29,9 % der Anteile an Spyker).

      Die Fertigstellung der Fahrzeuge auf der Phoenix-Plattform wird natürlich wesentlich mehr Kosten verursachen – hier kommt dann wieder Youngman-Lotus ins Spiel.

      Bitte etwas genauer lesen.

      • Herbert Hürsch schreibt:

        „Bitte etwas genauer lesen.“

        Ach ja? Und wo liest du, dass ich die 10 Millionen auf die „Fertigstellung der Fahrzeuge auf der Phoenix-Plattform“ beziehe?

        Ich sehe darin zunächst eine kleine Finanzspritze für die klamme Firma Spyker. Nicht mehr und nicht weniger. Fahrzeuge auf Phoenix-Plattform halte ich noch längst nicht für eine ausgemachte Sache – schon gar nicht unter dem Namen SAAB.

        Aber ich bin ja auch bloß ein schwarzseherischer Analphabet. Hellsichtige Leser können ja sogar zwischen den Zeilen lesen. Und da scheint schon seit Jahren jeden Tag aufs Neue zu stehen, dass SAAB noch nie so gute Perspektiven hatte, wie am jeweils jüngsten Tage. Morgen, am 29. August, wird es nochmals rosiger aussehen.

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