Saab 93 „Monster“ (1959)

Ende der 50er Jahre war Saab nicht nur als Autohersteller in Skandinavien etabliert. Man war auch im Motorsport bei internationalen Rallyes sehr erfolgreich. Doch dem bis dahin verwendeten Zweitaktmotor fehlte es an der im Rennsport notwendigen Leistung. Daher überlegte man, einen Saab 93 mit einem ungewöhnlichen Motor zu mehr Leistung zu verhelfen.

Der Dreizylinder-Zweitakt-Motor des Saab 93 leistete 33 PS und in der Sonderversion GT750 45 PS. Viel mehr war mit dem zwischenzeitlich unmodern gewordenen Zweitaktkonzept bei diesem Motor nicht möglich. Doch die Saab-Ingenieure waren findig und fanden eine Lösung auf Basis der bisherigen Motorisierung. Für den neuen Prototyp setzen die Saab-Ingenieure einfach zwei dieser Zweitakt-Motoren unter die Haube eines Saab 93.

Nach einigen Modifikationen und dem Einbau einer verstärkten Kupplung und eines verstärkten Getriebes leistete dieser Prototyp 138 PS und schaffte eine Höchstgeschwindigkeit von 196 km/h. Schnell hatte er den Spitznamen „Monster“, was auch dem sehr problemtischen Fahrverhalten geschuldet war. Die enorme Leistung überforderte das Fahrwerk des 93 und den Frontantrieb. Zusätzlich lastete zuviel Gewicht auf der Vorderachse. Die theoretisch gute Idee der Saab-Ingenieure erwies sich nicht als praxistauglich und war auch für den Rennsport nicht geeignet. Deshalb wurde die Entwicklung des „Monsters“ eingestellt, der Wagen kann heute im Saab-Museum besichtigt werden.

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7 Antworten zu Saab 93 „Monster“ (1959)

  1. Auf dem Dach schreibt:

    Der 750er Sportmotor war erst der Anfang der Entwicklung, er war keineswegs am Ende seiner Entwicklung angelangt, wie hier geschrieben wird, sondern es war der Beginn einer großen Erfolgsgeschichte.

    Die großen Siege im Rallysport, die den Mythos Saab begründeten, wurden mit diesem dreizylindrigen Motor hereingefahren. Die Ära der Zweitakter endete bei Saab erst 1968, das bessere Konzept musste sich der Macht der Großkonzerne beugen.
    Für einen eigenen Weg war Saab zu klein und der Ruf des Zweitakters war in Europa geprägt, auch geschädigt, von den mit vielen Problemen behafteten DKW-Motoren. Auch die Tatsache, dass die Fahrzeuge der DDR alle mit Zweitaktern ausgerüstet waren, prägte in Westeuropa den Ruf des Zweitakters als primitive Motorentechnik.

    Das Monster genannte Einzelstück war nur dazu gedacht, Rekorde hereinzufahren, was leider mißlang. Damit sollte der Ruf des Zweitakters verbessert werden und natürlich die Bekanntheit von Saab erhöht werden. Daher war das Fahrzeug nur bedingt geeignet, Kurven zu fahren. Das Fahrwerk war gar nicht großarig auf das neue Gewicht und die hohe Leistung abgestimmt. Ein Prototyp im Sinne einer zukünftigen Serie, war er nie. Er war als billig zu erstellendes Einzelstück gedacht, mehr nicht.

    Das Fahrwerk des Saab 93, war baugleich mit dem des Saab 96. Auch der Saab V4 hatte das gleiche Fahrwerk und ließ sich noch mit 175 PS problemlos beherrschen. Wer es nicht glauben mag, kann es an den Ersatzteilnummern erkennen.

    Im historischen Renn- und Rallysport sind heute Saab Zweitakter unterwegs, deren Motoren weit über 100 PS leisten und deren Fahverhalten sehr gut ist. Klar, man muss die Fahrtechnik eines Fronttrieblers beherrschen.

    In der gesamten kurzen Historie von Saab gab es nur ein Modell mit einem sehr schlechten Fahrwerk, den Saab 900/2.

    • Herbert Hürsch schreibt:

      „(…) das bessere Konzept musste sich der Macht der Großkonzerne beugen.“

      Vielen Dank für eine weitere Verschwörungstheorie. Jetzt weiß ich endlich, warum ich diesen Duft nicht mehr atmen darf. Sogar im Rasenmäher sind inzwischen diese vermaledeiten 4-Takter angekommen …

      Großkonzerne machen aber auch vor wirklich gar nichts halt. So ein tolles Konzept. Wirklich zu schade!

      • Auf dem Dach schreibt:

        Keine Verschwörungstheorie, sondern das Ergebnis von Werbung, ein Großkonzern hat da durch seine Marktmacht mehr „Überzeugungskraft“.
        Ein Zweitakter muß nicht „duften“, ich erinner mich, das der 5er BMW meines Chefs, fast doppelt so viel Ölverbraucht hat wie mein Zweitakter. Der BMW war ein topgeflegter Firmenwagen und der Ölverbrauch laut BMW völlig normal.
        Informier dich mal über moderne Zweitaktmotoren, die erfüllen alle Umweltgesetze, sind sparsam, kompakt und leicht. Es ist denkbar, das moderne Hybrid-Pkw zukünftig damit ausgerüstet werden, dann können wir weiter diskutieren.
        Zum Rasenmäher fällt mir ein, hatte letztes Jahr das Vergnügen ein solches „innovatives“ Triebwerk mit „modernster“ Technik von Briggs & Stratton zu zerlegen. Seitliche Ventile einfach genial diese Viertakttechnik.

        • Herbert Hürsch schreibt:

          Wir reden hier von den 60er Jahren und davor. Die nationalen Konkurrenten des 2-getakteten 93 hießen Buckel und Amzone, waren 4-getaktet und schon damals deutet ein Ölverbrauch von einem Liter auf 1.000 Kilometer auf Mängel und/oder Verschleiß am (4-Takt-) Motor hin. Heute fülle ich bei meinem 9-5 (MJ 2008) bislang keinen einzigen Tropfen zwischen den Ölwechselintervallen (mache ich alle 10.000) nach …

          Es kann ja wohl nicht bestritten werden, dass die damals übliche Gemischschmierung von 2-Taktern in aller Regel zu einem erheblich höheren Ölverbrauch und ganz erheblichen Gestank geführt hat. Zudem riskierte man im Schubbetrieb Kolbenfresser und Lagerschäden.

          Wie viel Werbung mussten die bösen Großkonzerne da wohl machen, damit SAAB von den tollen DKW-Motoren abließ und 4-Takter von Ford verbaute? Das ist doch wohl wirklich albern.

          Und welche Motivation hatten die bösen Großen damals, nicht selber auf „das bessere Konzept“ zu setzen? Aus purer Lust an der Macht?

          Dass ein moderner 2-Takter künftig wieder eine Alternative sein könnte, ist das einzig vernünftige, was Sie in ihren zwei Kommentaren gesagt haben.

  2. Gallix schreibt:

    Es gab mal eine Zeit, da hätten sich zwei SAAB-Fahrer um so was garantiert nicht gestritten.
    Was sich alles ändert !

    • Auf dem Dach schreibt:

      Ein Volvo PV 444 ist ein in Schweden hergestelltes Auto, genau wie ein Saab 93. Aber es waren keine Konkurrenten. 1956 kostete ein Saab 93 mit 33 PS 7500,- Kronen ein Volvo 444 mit 51 PS 9500,- Kronen. Ein VW kostete 7000,- Kronen, ein IFA P70 4950,- Kronen. Die Konkurrenten von Saab hießen VW, Renault Dauphine, Wartburg, Skoda 440, Goliath, Fiat 1100 und DKW. Volvo mit dem 444 war eine höhere Klasse, ein Amazon mit 60 PS war nochmals höher angesiedelt.

      Ich habe viele Tausend Kilometer mit Fahrzeugen von Auto Union (1000s), DKW (Junior) und Saab (96) zurückgelegt. Die DKW und Auto Union hatten alle Getrenntschmierung und der Ölverbrauch lag bei etwa 1,2 Liter auf 1000 km. Obwohl ich jung und wild wahr, liefen die Motoren ohne Kolbenfresser und Lagerschaden, statt Schubbetrieb fuhr man beim Zweitakter im Freilauf, aber auch Paßstraßen mit gesperrten Freilauf im Schubbetrieb führten nie zu Problemen. Der Saab hatte keine Getrenntschmierung und deshalb lag der Ölverbrauch etwas höher aber noch unterhalb von 1,5 Liter auf 1000 km.

      Lagerschäden lernte ich erst kennen nach dem ich auf diverse Saab V4 umgestiegen war. Auch beim 99er hatte ich einmal einen Lagerschaden.

      Bei Mercedes-Benz und BMW waren in den 80er Jahren 1,5 Liter Ölverbrauch laut Werkskundendienst normal, bei BMW wurden sogar 1,8 Liter als Normal bezeichnet, ich habe die entsprechenden Aussagen selbst gelesen, da mein Chef nichts unversucht gelassen hat um diese Krücken vom Hof zu kriegen. Aus persönlicher Erfahrung, kann ich auch noch mit Fiat (300000km Laufleistung) dienen, dessen Ölverbrauch lag auf Saab 2-T Niveau.

      Ein richtig betankter Zweitakter zieht keine Ölfahne hinter sich her, doch oft sind die Fahrer der Meinung viel hilft viel. Ich habe meine Erfahrungen auf vielen Tausend Kilometern gemacht. Zu allen Fahrzeugen habe ich immer penibel Buch geführt.
      Dein Weltbild kann ich leider nicht bestätigen, meine Erfahrungen sind anders. Aber, hast du jemals einen Zweitakter gefahren und zwar über mehrere zehtausend Kilometer?
      Ach noch zum Schluß, DKW-Motoren stecken in DKW’s, im Saab sind Motoren von Saab eingebaut, beim 96er mit Zweitaktmotor war das so, nur so als kleiner Hinweis.
      Aber wenn man sich für Saab interessiert sollte so etwas bekannt sein.

      • Gallix schreibt:

        Kann man alles wunderbar unterhaltend nachlesen.
        In dem ( nur noch antiquarisch zu erhaltenden ) Buch von Rolf Bleeker – “ The Spirit Of SAAB “ mehr als ein Auto.

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