Gastartikel: Die Erwartungen an das Insolvenzverfahren

Heute schreibt Oliver über die Erwartungen an den Fortschritt des Insolvenzverfahrens bei Saab:

Das Vorgehen der Insolvenzverwalter stößt teilweise auf Kritik oder Unverständnis. Gestern wurde von vielen schon eine Entscheidung der Insolvenzverwalter erwartet. Dies ist so gut wie unmöglich gewesen. Eine Insolvenz kann man sicherlich ganz gut mit einer öffentlichen Ausschreibung vergleichen und soll an Hand dieser hier beschrieben werden.


Speziell im Behördenumfeld der öffentlichen Hand ist es notwendig bestimmte Vorhaben (je nach Vergabesumme) im richtigen Auswahlverfahren auszuschreiben, zu bewerten und dann den Auftrag an den besten Bieter zu vergeben. Wie läuft so etwas in der Regel ab? Die folgende Darstellung ist nicht an ein definiertes Ausschreibe- oder Vergabeverfahren ausgerichtet, sondern frei und mit einfachen Worten beschrieben – es geht um die ungefähre Methodik:

Zuerst muss ein Pflichtenheft erstellt werden:
– Zu Grunde liegendes Vergabeverfahren,
– welche Leistung wird ausgeschrieben,
– in welcher Form wird eine Antwort erwartet (kann durch das Verfahren vorgegeben sein),
– was sind Ausscheidekriterien (Kreditgarantien, Unternehmensgrösse, Referenzen,..),
– unter welchem ungefähren Augenmerk wird das Angebot bewertet,
– gibt es nach der Vergabe ein Einsichtsrecht (anonymisiert),
– je nach Ausschreibung werden noch Kriterien wie geografische Nähe/ Lage, Grösse der Firma, ähnliche Referenzen und weitere Dinge gefordert.

In einer ersten Runde werden dann auf Basis der Ausschreibebedingungen die Angebote bewertet. D.h. man hat vorher einen Kriterienkatalog erstellt und bewertet nach diesem die Angebote. Mit den Ausscheidekriterien stellt man sicher, dass nur seriöse Anbieter die nächste Runde erreichen. In der zweiten Runde müssen dann die Angebote weiter ausgearbeitet werden. Wie wird diese Leistung genau erbracht? Es werden wieder die Unterlagen gegen Kriterien bewertet. Letztendlich endet man in der meist letzten Runde mit 2-3 Finalisten.

Jetzt folgen Detaildiskussionen zu den Angeboten und letzte Preisnachverhandlungen. Nach letzter Bewertung erfolgt der Vertragsabschluss und es erfolgen die Absagen an die anderen Mitbewerber. Wegen Formfehler in der Ausschreibung kann das Verfahren wieder aufgerollt werden. Aus diesem Grund muss die Vergabe und die Bewertung sehr genau dokumentiert werden, sie muss nachvollziehbar sein.

Was bedeutet dieser Vergleich für die Insolvenzverwalter der Saab Automobile AB? Es mussten zuvor die Vermögensgegenstände erfasst werden, damit beschrieben werden kann was verkauft wird und welchen Wert es darstellt. Marken und IP Rechte mussten auch betrachtet werden um Risiken zu identifizieren und auf unklare Situationen hinweisen. Da es in Schweden wohl keinen vergleichbaren Fall gibt und keine Erfahrungswerte vorliegen, gehen die Insolvenzverwalter besonders vorsichtig vor. Kommunizieren sie bei den wöchentlichen Pressekonferenzen gar nichts oder doch etwas dann ist es nicht gut. Die Öffentlichkeit wird jetzt und im Nachgang von den Insolvenzverwaltern außer dem Zuschlag nicht viel erwarten können. Die Insolvenzverwalter müssen sich zudem an die Vorgaben der schwedischen Rechtsprechung halten.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter SAAB abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s