Neue Interessenten für Teile von Saab

Es gibt weitere Interesenten für Teile von Saab. Teilweise handelt es sich schon um bekannte Bieter, aber das neue daran ist, dass diese sich mit weiteren Interessenten jetzt zu einem schwedisch-japanisches Konsortium zusammengeschlossen haben, das bestimmte Teile von Saab übernehmen will.

Hinter der sogennanten Elektroautogruppe stecken laut Presse das Innovatum Science Center, die Ingenieursfirma Semcon, Volvo Cars und verschiedene schwedische und japanische Geldgeber.

Die Gruppe will in Trollhättan Elektroautos entwickeln und herstellen. Dazu benötigt man nur die Saab-Entwicklingszbteilung und minimale Produktionseinrichtungen. An anderen Teilen – insbesondere an der Marke Saab – ist man nicht interessiert.

Angeblich wird das Konsortium von einigen Kreisen aus der Wirtschaft unterstützt. Auch scheint dieses Konsortium die Unterstützung der schwedischen Regierung zu haben. Diese will sogar hohe Fördergelder zur Verfügung stellen.

Die Zuliefererindustrie sieht diesen Vorstoß jedoch kritisch. Man sieht die Möglichkeiten einer solchen Entwicklung nicht als erfolgsversprechend an. Insbesondere hält man den Verkauf von Saab im ganzen zielführender für die vertretenen Zulieferfirmen, aber auch für die schwedische Wirtschaft und für den Erhalt von möglichst vielen Arbeitsplätzen insgesamt.

Ich möchte mich dieser Kritik anschließen. Mein Interesse als Saab-Freund und Saab-Kunde ist der Fortbestand von Saab als ganzes. Auch scheint mir das Geschäftsmodell nicht sonderlich erfolgversprechend zu sein. Damit könnten nur sehr wenige Arbeitsplätze und auch nur mit hohen Fördergeldern der Steuerzahler gerettet werden. Der Markt für Elektroautos ist nicht so groß. Es wird Jahre bis Jahrzehnte dauern, bis in Trollhättan daraus ein erhebliches Entwicklungszentrum mit vielen Angestellten erwachsen würde. Schlussendlich werden wohl von dieser Gruppe höchstens ein paar hundert Ingenieure weiterbeschäftigt werden, die Elektroautos kann man auch in einer nicht ausgelasteten Fabrik von Volvo bauen. Insgesamt sollte es da doch wirklich bessere Optionen für Saab und die betroffenen Menschen in Trollhättan geben.

Unverschämt finde ich das Verhalten der schwedischen Regierung. Wir erinnern uns, Saab hat bereits einen bahnbrechenden Hybridantrieb entwickelt, der im 9-3III erscheinen sollte. Fördergelder der Regierung gab es natürlich nicht dafür. Auch hieß es ja von Regierungsseite immer, man wolle sich aus der Wirtschaft und insbesondere aus dem Automobilbau heraushalten. Daher bekam Saab noch nicht einmal eine ideelle Unterstützung der Regierung. Und die gleiche Regierung investiert jetzt Millionen in ein Wirtschaftsprojekt, dessen Aussichten nicht einmal besonders erfolgsversprechend erscheinen und dessen Anteilseigner eigentlich über ausreichende Mittel verfügen. Diese Gelder hätte man früher besser anlegen können!

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Eine Antwort zu Neue Interessenten für Teile von Saab

  1. blueperformance schreibt:

    Ich finde es noch interessant wenn Innovatum (Stiftung?) mit einem solchen Konsortium antritt. Das ganze hat wohl eher einen Projektchaakter. D.h. keine Steuereinnahmen für den schwedischen Staat, keine Schaffung/ Erhalt von Arbeitsplätzen, kein Geschäft für bestehende Lieferanten. Gesamtwirtschaftlich sehr schwierig schön zu rechnen. Volvo hat aber wohl sehr gut Lobbyisten.
    Wenn ich mich recht entsinne, dann hat auch Saab in der Vergangenheit aus einem Fördertopf für Elektroautos profitieren können. War es ein Pilot?

    Die Bildung von einem Konsortium sollte den aktuellen Bietern und ihrer Strategie zu denken geben. Es könnte auch die Lösung für die Rettung von Saab im Ganzen sein. Ab und an muss man auch über seinen Schatten springen können.

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