Was passiert am Montag bei Saab?

Morgen läuft die 10-tägige Frist der schwedischen Vollstreckungsbehörde Kronofogden für die ersten an Saab zugestellten Forderungen ab. Insgesamt haben 101 von ca. 800 Zulieferfirmen Forderungen von etwas über 5 Mio. Euro bei der Kronofogden zur Vollstreckung angemeldet. Sollte Saab diese Forderungen nicht bestritten haben oder nicht bezahlt haben, dann ist ab Montag eine Vollstreckung durch die Kronofogden möglich. Insgesamt soll Saab Schulden in Höhe von ca. 66 Mio. Euro bei den Zulieferfirmen haben.

Dies ist aus meiner Sicht keine unübliche Größe in der Branche, da alle Automobilhersteller ihre Zulieferer nur mit einem Zahlungsziel bezahlen und damit ständig Schulden bei den Zulieferfirmen haben. Das Problem von Saab ist, dass Ende März das Zahlungsziel nicht mehr eingehalten werden konnte und nach dem Stillstand der Produktion keine Barmittel mehr eingenommen werden konnten, um den normalen Kreislauf aufrecht zu erhalten.

Die Summen zeigen aber, dass nur wenige Zulieferfirmen eine Vollstreckung über die Kronofogden beantragt haben und auch nur eine relativ geringe Summe eingefordert wird. Trotzdem steht jetzt seit vielen Wochen eine Vollstreckung im Raum und wird natürlich gerne von der Presse für negative Schlagzeilen über Saab aufgegriffen.

Viele werden sich jetzt fragen, warum Saab diese relativ geringen Forderungen dann nicht einfach begleicht. Immerhin hat Saab in den letzten Wochen hohe zweistelligen Millionensummen erhalten und könnte diese Forderungen also ohne Probleme bezahlen. Meine Vermutung ist, dass Saab Probleme hat, mit allen Zulieferfirmen zu einer Einigung zu kommen. Saab hatte vor einigen Wochen angeboten 10% der offenen Forderungen sofort, den Rest im Herbst und neue Lieferungen vorab zu bezahlen. Damit müsste Saab also erst einmal ca. 6,6 Mio. Euro bezahlen, um die Produktion wieder aufzunehmen.

Die meisten Zulieferfirmen wollen Saab unterstützen und haben das Saab-Angebot angenommen. Gerade die wichtigsten Zulieferfirmen unterstützen Saab und haben gegenüber der Presse bestätigt, dass man zum jetzigen Zeitpunkt keine Maßnahmen gegen Saab beabsichtige. Einige haben aber – was auch nachvollziehbar ist – das Vertrauen in das Saab-Management verloren und wollen sich nicht auf eine Abschlagszahlung einlassen. Einige sehen eine Vollstreckung – oder wie Swepart einen Insolvenzantrag – auch als einfaches Druckmittel. Dies stellt Saab vor ein Dilemma. Saab kann aus verhandlungstaktischen Gründen nicht einige Forderungen zu 100% begleichen und andere nur zu 10%. Warum sollte eine Zulieferfirma sich mit 10% der offenen Forderung zufrieden geben, wenn Saab andere, die nicht so „kooperativ“ waren, dafür noch mit 100% belohnt? Natürlich kann man auch behaupten, Saab könne eben nicht bezahlen, aber nach den jetzt bekannten Informationen scheint es wahrscheinlicher, dass bei Saab grundsätzlich Geld vorhanden ist, aber die Verhandlungen mit den Zulieferfirmen sich sehr schwierig gestalten. Dies scheint mir auch der Hauptgrund zu sein, warum der Produktionsstart jetzt auf den 29. August verlegt wurde.

Über den gegenwärtigen Stand und den Inhalt der Verhandlungen mit den Zulieferern ist nichts konkretes bekannt geworden. Vielleicht versucht Saab, über eine Erhöhung des Prozentsatzes der sofortigen Zahlung alle Zulieferfirmen ins Boot zu holen. Bei der relativ geringen Summe würden zum Beispiel 20% Anzahlung 13,2 Mio. Euro für Saab bedeuten. Allerdings muss Saab auch berücksichtigen, dass man auch weitere Reserven benötigt, um die Produktion erst einmal am Laufen zu halten.

Warten wir ab, was am Montag passiert. Das Beispiel Sweparts am Freitag zeigt, dass es Saab nicht auf eine Vollstreckung oder einen Insolvenzantrag ankommen lassen will. Saab hat am Freitag schnell reagiert und eine Einigung innerhalb von wenigen Stunden getroffen, die einen kurzfristigen Zahlungsplan vorsieht. Sweparts will bei Einhaltung des Zahlungsplans den jetzt ruhenden Insolvenzantrag am Montag zurücknehmen. Morgen werden wir also sehen, was mit der Vollstreckung durch die Kronofogden und mit dem bisher ruhenden Inslovenzantrag gegenüber Saab Tools passiert.

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