Erste Antwort der Regierung im Saab-Skandal

Wie ich hier bereits am 10. November berichtet habe, gab es Anfang November eine Anfrage der Oppositionsabgeordneten Jörgen Hellman und Peter Johnsson von den Sozialdemokraten zum Saab-Skandal. Beide Abgeordneten hatten nach dem Bericht der TV-Sendung „Uppdrag Granskning“ am 31. Oktober im schwedischen Reichstag eine schriftliche Anfrage zur Rolle der schwedischen Regierung bei der Saab-Insolvenz eingereicht.

Jörgen Hellman und Peter Johnsson schrieben in der Anfrage, dass die Regierung eine viel stärkere Rolle in Herbst 2011 bei Saab gespielt habe, als bisher bekannt gewesen sei. Insbesondere wollten sie wissen, welche Rolle Finanzminister Anders Borg und Staatssekretär Hans Lindbald beim Treffen mit Geely am 7. Oktober 2011 gespielt haben und wie die Regierung sich beim 1 Mio. US-Dollar Angebot an die Volvo-Mutter Geely verhalten hat.

Jetzt gibt es eine erste Reaktion der schwedischen Regierung. Allerdings nicht von Finanzminister Anders Borg, der wohl noch an einer „ehrlichen“ Antwort feilen muss. Vielmehr hat sich jetzt Wirtschaftsministerin Annie Lööf kurz geäußert. Annie Lööf bestätigt, dass dieses Treffen stattgefunden hat. Allerdings berichtet sie, dass Saab-Administrator Guy Lofalk entgegen den Presseberichten nicht anwesend gewesen sei. Die Bedeutung des Treffens wird allerdings heruntergespielt. Die Regierung sei immer bereit sich mit Eigentümern von wichtigen schwedischen Unternehmen wie Volvo Cars zu treffen. Dies sei ganz natürlich und nichts außergewöhnliches.

Wie erwartet kommt jetzt also eine nichtssagende Antwort von der Regierung. Diese hält sich weiter bedeckt und versucht wohl, die Anfrage auszusitzen. Allerdings sind die Aussagen von Annie Lööf kaum glaubwürdig. Ohne Grund wird es das Treffen von Geely mit der Regierung zum versuchten Verkauf von Saab an Geely für lächerliche 1 Mio. US-Dollar nicht gegeben haben. Auch die Aussage, dass man den Eigentümern von wichtigen Unternehmen immer einen Termin geben würde, stimmt nicht. Denn Saab-Eigentümer Spyker hat trotz mehrfacher Bitten ab April 2011 keinerlei Antworten oder „ganz natürliche“ Termine bei der schwedischen Regierung erhalten.

Oder Saab zählte schon immer für die schwedische Regierung nicht zu den wichtigen schwedischen Unternehmen (wir erinnern uns an Maud Olofsson und die Windmühlenproduktion in Trollhättan). Allerdings würde so eine Aussage in Deutschland bedeuten, dass die Bundesregierung BMW oder Mercedes nicht als wichtiges Unternehmen ansieht. Nun ja, es wäre nicht das erste Mal, dass die Wirtschaftsministerin Annie Lööf durch Inkompetenz und Unwissen auffällt.

Für die Abgeordneten Hellman und Johnsson ist die Antwort von Annie Lööf nicht ausreichend, sie wollen weiter am Saab-Skandal dranbleiben. Insbesondere die Frage ob, Guy Lofalk beim Treffen anwesend war oder nicht, wollen die beiden Abgeordneten weiter aufklären. Nun ja, eine ehrenwerte Aufgabe, aber ich befürchte, dass nicht viel dabei herauskommen wird. Auch bringt es für Saab Automobile nichts mehr.

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8 Antworten zu Erste Antwort der Regierung im Saab-Skandal

  1. Detlef Rudolf schreibt:

    Selbst wenn Hellman und Johnsson dranbleiben sollten, wird auch künftig unklar bleiben, was hinter den Kulissen passierte,

    Für mich wird immer ein Rätsel bleiben, warum es die schwedischen Regierenden dem US-Versager-Konzern GM so leicht gemacht haben, einen vermeintlichen Konkurrenten zu entsorgen und sich damit letztendlich ins eigene Fleisch geschnitten haben – vom Gegenteil sind wir bekanntlich meilenweit entfernt!

    Ich werde vermutlich nicht allein sein, wenn ich in der nächsten Zeit bei Autoherstellern außerhalbs Schwedens nach einem Nachfolger für das uns bekannte schwedische Produkt Ausschau halte – mir reicht es nämlich ganz und gar nicht, in den nächsten Jahren für einen in die Jahre gekommenen SAAB mit SAAB-Parts vertröstet zu werden oder auf imaginäre Produkte von NEVS zu hoffen!

  2. Joachim schreibt:

    Anders Borg kam in meinen Augen schon immer irgendwie unsympathisch rüber – ebenso Fredrik Reinfeldt (der schwedische MP mit Dienst-BMW).

    Leider habe ich bei den meisten aktuellen schwedischen Politikern den Eindruck, dass die nicht nur in Sachen SAAB völlig überfordert sind – wer außerdem derart bei den Amerikanern duckmäusert, wird eine eigenständige und erfolgreiche Plolitik wohl sowieso kaum hinbekommen!

  3. Karl schreibt:

    Erst einmal danke, für die sehr umfangreiche Info hier im Blog, es ist schön, dass es auch Saab-Fans gibt, die kritisch hinterfragen.
    Vielleicht kommt ja doch einmal etwas Licht ins Dunkel. In dieser Affäre ging es um viel Geld, da gibt es auch Interessen, die Informationen lancieren.
    Aus deutscher Sicht ist Schweden schwer verständlich, denn die Demokratie ist besser ausgebildet wie bei uns, aber wir Deutschen sind viel kritischer mit unseren Regierungen, während die Schweden ihrer Regierung viel mehr vertrauen, das Misstrauen liegt wahrscheinlich an unserer Geschichte. Andrerseits gibt es einen gewaltigen Filz, der große Macht hat und sehr gut vertuschen kann. Als Stichwort schreibe ich nur Estonia und Palme.
    Der ganze Niedergang von Saab ist eine lange Geschichte, neben den Fehlern bei Saab spielt nach meinen Infos immer auch die schwedische Politik eine große Rolle. Nach meiner Ansicht begann das Desaster um 1986, aber dies ist eine andere und sehr lange Geschichte.
    Vielleicht gibt es ja hier ein paar Mitleser, die abseits des „religiösen“ Saab-Kultes, so etwas diskutieren wollen. In diesem Blog scheint mir am ehesten ein gewisser Abstand zu herrschen, der nötig ist, die Firmengeschichte auch kritisch zu hinterfragen, ohne gleich einen Beißreflex zu provozieren.
    Würde gern mal ein paar Meinungen dazu hören — Ändert natürlich nichts an der augenblicklichen Situation.

    • Navium schreibt:

      Hmm…was war denn 1986 so ausschlaggebend fuer den Beginn des Niedergang von SAAB?

    • Marcus schreibt:

      omh….
      recht hast du – gottseidank sind wir nach dem erlebten kritischer.
      bei den schweden nimmt die obrigkeitshörigkeit für mich fast schon paranoide züge an.

      das aktuelle verhalten der schwedischen politik ist global gleich und erinnert mich ein wenig an unseren ex-bundespräsidenten: abstreiten, von sich weisen und negieren.
      ich hoffe nur, dass die schwedischen pressevertrter einmal einen a…. in den hose haben und nicht aufgeben – schlussendlich kam bei ähnlichen skandalen zumindest bei uns doch fast alles ans licht.
      die schwedische verhaltensweise ist mir gänzlch wesensfremd und obwohl ich seit fast 30 jahren nach schweden in urlaub fahre, brauche ich immer einige tage, um mich an deren mentalität zu gewöhnen und meine „rumpelstilzchen-mentalität“ für die urlaubszeit zu reduzieren…
      sicher wird es uns saab nicht mehr so zurückbringen, wie wir es uns wünschen, aber genausoweniog kann es angehen, das man zu solchen vorgängen schweigt.

    • Herbert Hürsch schreibt:

      Trotzdem ich unter Saab- und Volvofahrern (meine Eltern und deren Freunde) aufgewachsen bin und von Geburt an viele Urlaube in Skandinavien (überwiegend Schweden) verbracht habe, kann ich da nicht mitreden …

      Der intime Eiblick in das vermeintliche Wesen der Schweden fehlt mir und Insiderwissen über Skandale und Politik erst recht.

      In dem einen oder anderen Punkt mag mir hier so mancher in Tat weit voraus sein, ich bezweifele dennoch, dass es reicht, um das Thema einigermaßen objektiv und vor allem erhellend zu diskutieren.

      Ich bin gespannt ob da etwas und ggf. was da durch die schwedische Presse zutage gefördert wird. Hoffentlich Fakten. Spekuliert wurde und wird im Bezug auf Saab ja weiß Gott genug.

  4. Detlef Rudolf schreibt:

    Bei der Art und Weise, die GM an den Tag gelegt hat – angefangen beim Hinhalten von möglichen Investoren (besonders aufgefallen bei Brightwell), über Einwände bei Youngmann-Lotus als Teilhaber unter Spyker, bis letztendlich zur Verweigerung von Lizenzen bei allen interessierten Investoren – ist es ein weiteres Armutszeugnis für die Politiker, dass von dort kaum Widerspruch kam.

    Besser wäre gewesen, wenn man sich von politischer Seite mit Hilfe von versierten Anwälten diesem Treiben entschieden entgegengestellt hätte. Andere Regierungen dagegen unterstützen ihre eigene Automobilindustrie mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln – zum Teil sehr massiv. Allen voran sogar die amerikanische Administration in Sachen GM. Ausgerechnet dies haben sich Reinfeldt + Co. dann allerdings nicht als Beispiel genommen. Andererseits betreibt man SAAB-Parts mehr oder weniger als Staatsbetrieb – diese Leute erscheinen mir mittlerweile irgendwie schizophren und auch ohne langfristige Planung in Bezug auf das Wohlergehen der einfachen Leute. Die weltweite SAAB-community kommt bei denen schon gar nicht vor.

    Davor hatte man eigentlich einen anderen schwedischen Staat vor Augen – aber so ändern sich eben auch bei unserem nördlichen Nachbarn nach und nach die Verhältnisse in Richtung armseliger politischer Einheitsbrei – die haben es so ziemlich alle nicht mehr drauf!

  5. Geoffrey schreibt:

    Die Existenz und aktive Weiterentwicklung dieses Blogs zeigt übrigens sehr schön, wie sehr sich die Medienwelt im Wandel befindet. Die Informationen, die es hier gibt (und gottseidank sehr seriös recherchiert und belegt) findet man in keiner Zeitung, in keinem Wirtschaftsblatt so kenntnisreich und auch so ausführlich. Die Menschen wollen aber nicht nur Häppchenjournalismus bzw. das Gleiche überall lesen, sondern Sparteninfos – wie hier zu Saab. Es ist überaus interessant, wie sich das in Schweden zugetragen hat mit dem Niedergang des Hauses Saab. Danke und weiter so!

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