Fremde Federn!

Heute beschäftige ich mich mal mit Mercedes. Oje, was ist denn jetzt los werdet ihr euch fragen. Keine Angst, mit Mercedes habe ich weiterhin nichts am Hut. Grund für den Artikel ist die aktuelle Fernsehwerbung von Mercedes für den CLS Shooting Brake unter dem Motto „Zeit für einen neue Form“. Ansich gefällt mir der Mercedes CLS recht gut und auch der Shooting Brake ist ein nettes Konzept. Aber der Preis für die exklusiv gestaltete E-Klasse ist schon ziemlich heftig. Aber um den Preis geht es mir nicht.

Mir geht es um die Aussagen in der aktuellen Fernsehwerbung. Zunächst behauptet Mercedes bzw die Daimler AG, wie sich die Jungs aus Untertürkheim versucht weltmännisch jetzt nennen, dass Mercedes mit dem ersten CLS das viertürige Coupe erfunden hätten. Hm, ein gewisser Herr Benz aus Mannheim, den Daimler ja aus dem Firmennamen getilgt hat, mag zwar das erste fahrbahre Automobil erfunden haben, aber seine Nachfolger haben ganz sicher nicht das erste viertürige Coupe erfunden.

Ich will jetzt nicht behaupten, dass ich den Erfinder des viertürigen Coupes kennen würde, aber zumindest kenne ich ein wunderschönes viertüriges Coupe, das schon vor ca. 45 Jahren auf den Markt kam: Den Rover 3500 P5B Coupe!

Erste Aussage von Daimler widerlegt. Aber auch die zweite Aussage, man würde sinngemäß mit dem CLS Shooting Brake wieder ein neues Fahrzeugsegment erfinden, stimmt mich nachdenklich. Da war doch noch so ein Autohersteller aus dem hohen Norden, der fast immer seiner Zeit voraus war und auch bei den Karosseriekonzepten immer neue Wege ging. Stichwort Saab Kombicoupe. Zuerst als Dreitürer mit dem Saab 99 Kombi Coupe ab 1974 und dann als Fünftürer mit dem Saab 900 Kombi Coupe ab 1978.

Na, klingelts in Untertürkheim? Aber nicht ärgern, zumindest habt ihr mit 40 Jahren Verspätung Platz 2 erreicht. Glückwunsch zu so neuen Ideen!

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15 Antworten zu Fremde Federn!

  1. Walter Putze schreibt:

    Ja, wie sagte mein Opa schon „Alter Wein in neuen Schläuchen“!

  2. Marcus schreibt:

    als badener kann ich dazu nur bemerken: so sind sie halt, die schwaben…

    der 900 ist für mich nicht der typische vertreter eines „shooting brake“.
    eindeutiger ist es beim volvo p1800 es, beim jensen interceptor, aston martin usw..
    was den mercedes davon unterscheidet, sind seine vier türen – diese machen aber keinen „shooting brake“ aus.

    • Peter schreibt:

      tja Marcus so sind sie halt die Schwaben . Listig ( auf schwäbisch “ gnitz “ ) sind sie . Ich wohne im direkten Umfeld des Daimlerwerkes Untertürkheim , und da läuft man doch des öffteren einem Mitarbeiter der Daimler AG über den Weg . So zum Beispiel auch vor einiger Zeit auf dem Parkplatz eines Baumarktes . Als ich mit meinen Einkäufen zu meinem Auto zurück kam ,kam ich mit einem Mitarbeiter der Daimler AG ins Gespäch , der gerade meinen 9-3 2,8T Aero SC bewunderte . Dieser Mann , der wohl etwas mit dem Europaweiten Vertrieb von Mercedes Benz tun hat , erzählte mir folgende Geschichte:
      Geschäftsfreunde , Kunden und sonstige Gäste der Mercedes Benz Landesvertretung Schweden werden in der Einladung immer mit dem Satz angeschrieben :
      „Sie werden von unserem Chauffeur mit einer schwarzen Limousine abgeholt “
      Jeder der diesen Satz in einem Schreiben der Daimler AG liest erwartet dabei sicherlich das es sich bei dieser schwarzen Limousine sicherlich um eine S-Klasse oder vielleicht sogar um einen Maybach handelt , aber in Wirklichkeit werden die Gäste von Daimler Sweden mit einem von Daimler vor einigen Jahren gekauften und Top restauriten Saab 92 abgeholt. Diese besondere Art seine Gäste auf schwedisch zu empfangen und dieser kleine Spass den sich die Daimler AG dabei erlaubt macht mir diese Firma auch als Saabfahrer dann durchaus sympatisch.
      Grüße nach Baden von einem württembergischen Saabfahrer

      • Marcus schreibt:

        hallo peter,

        zuerst mal grüsse zurück!
        das mit dem saab hätte ich daimler nicht zugetraut – beweist aber grösse.
        vermutlich sind es in schweden aber keine schwaben…(achtung! humor.)
        mercedes ist schon nicht schlecht – aber nix für meiner mutters sohn…
        du weisst ja: schwabe schaffe, badner denge!

        • Peter schreibt:

          Hallo Marcus,
          Da siehst du mal Saab fahren bringt sogar Badener und Schwaben unter einen Hut .Wie du geschrieben hast : Mercedes ist schon nicht schlecht aber auch ich fahr , obwohl es in meiner Nachbarschaft nur so von Daimlers wimmelt , lieber Saab . Nur deinen letzten Satz kann ich so nicht stehen lassen . Schwaben sind multitaskingfähig , Schwaben denken beim schaffen.

  3. Herbert Hürsch schreibt:

    „Den Rover 3500 P5B Coupe“ … hätte ich gerne als 3. Wagen und Liebhaberei. Ein schönes Auto.

    Auch Jaguar hatte schon sehr früh „Limousinen“ mit betont coupehafter Anmutung (MK II, MK 10 wären ebenfalls nette 3. Wagen für Familienausflüge an Sonntagen).

    Letztlich sind die Werbebotschaften ALLER Automobilhersteller wohl nicht viel wert – auch nicht der Rede. Statt diesen Mercedes könnten wir auch den A7 hier diskutieren, den Audi „Sportback“ nennt, obwohl diese Bezeichnung mal für einen A3 mit in der Tat vergrößertem Kofferraum eingeführt wurde.

    Irgendwie „revolutionieren“ sie alle permanent mit „Innovationen“ den Automobilbau und z. Zt. beanspruchen sie alle eigene und neue Fahrzeugklassen zu definieren – auf händeringender Suche nach Alleinstellungsmerkmalen und Verkaufsargumenten.

    Wenn ich es mir recht überlege, dann ist es doch der Rede wert, denn was die Hersteller und ihr Marketing da seit einiger Zeit kübelweise ausschütten ist hochgradig amüsant …
    Beispielsweise den klobigen 5er GT – eines der hässlichsten Autos überhaupt – als elegantes Coupe verkaufen zu wollen. Da muss ich schon schmunzeln. Dagegen ist der 5er Touring ein richtig elegantes Fahrzeug. Apropos Touring, dass Audi dem A7 Kombiqualitäten andichtet ist schon auch erheiternd.

    Traurig ist hingegen, dass der schöne 9-5 II nicht mehr in Produktion ist und als SC nie in selbige ging. In der Tat Fahrzeuge, die trotz Überangebot irgendwie doch am Markt fehlen. Saab war eben schon etwas Besonderes.

  4. Herbert Hürsch schreibt:

    Na ja, ich sehe darin auch schon eine sehr, sehr subtil verpackte „gnitz“. Sympathisch wäre es, wenn die Daimlerleute es den schwedischen Besuchern ermöglichen würden, würdig vor dem Daimlerportal auszusteigen.

    Beispielsweise aus einem Volvo PV36 oder dem alten Volvo Taxi (PV 800 Serie). Oder wenn sie gar aus einem luxuriös ausgebauten Volvo TP 21 (Radiobil) zu den Daimlerleuten herabsteigen dürften (übrigens alles 6-Zylinder mit 3 oder 3,6 l Hubraum) …

    Dass sie stattdessen mit eingezogenem Kopf von der Rückbank eines kleinen Zweitürers aus aussteigen müssen (womöglich vor grinsenden Gastgebern, zu denen sie sich erstmal hochfalten müssen), hat schon auch ein psychologisches und höchstwahrscheinlich kalkuliertes Moment. Dieses derart subtil und stilvoll als Gefallen zu verpacken, mag hochgradig professionell sein, aber das allein macht es mir nicht sympathisch.

    • Karl schreibt:

      Wahrscheinlich ist es gelebte Geschichte. Ursprünglich war die Philipson Bil AB Importeur für Mercedes-Benz in Schweden. Ohne jene Philipson Bil AB hätte es möglicherweise niemals Autos von Saab gegeben, denn Philipson finanzierte ja die Produktion des Saab 92. Bis 1960 war Philipson Generalvertreter von Saab in Schweden.
      Erst durch die Übernahme von ANA erhielt Saab seinen eigenen Vertrieb. Neben Saab war die Philipson Bil AB auch Importeur von DKW in Schweden, ein direkter Konkurrent von Saab.
      Der Rover 3500 P5B Coupe, ist für mich das erste viertürige Coupe, der Jaguar E dürfte eines der ersten Fahrzeuge gewesen sein, die man als Shooting Brake bezeichnen könnte.
      Auch wenn ich damit hier vielleicht nicht auf Gegenliebe stoße, weder Turbo noch Combi Coupe sind von Saab erfunden worden. Beides gab es schon lange vorher, nur Saab hat im richtigen Augenblick aus der Not eine Tugend gemacht und damit einen Trend gesetzt. In Deutschland war der Glas 1304 CL bereits 1966/67 nach genau dem gleichen Prinzip entstanden, wie das Saab 99 Combi Coupe.

      • Herbert Hürsch schreibt:

        Hallo Karl,

        vielen Dank für diese Infos. Im Lichte dieses Wissens (Philipson Bil AB) erscheint die Abholung schwedischer Gäste mit einem Saab 92 dann doch auch mir als sympathische Aktion und ebenso nette wie humorvolle Geste.

  5. tremonia schreibt:

    Weniger Auto für mehr Geld scheint bei vielen Autoherstellern ein neuer Trend zu sein. Der CLS ist ein beispiel dafür. Genauso macht es auch BMW mit seinem SUV-Coupè X6 oder Audi mit dem A7.

    Dass die Schwaben sich in ihrer neuen CLS-Werbung selbst als erfinder des viertüriegen Coupès feiern, zeugt von enormem Selbstbewusstsein. Am Ende ist es nichts anderes als reines Marketinggeschwafel, das mit der Realität wenig zu tun hat. Viertürige Coupès gab es auch schon lange vor dem CLS. Der Rover 3500 P5B war einer der ersten. Und der CLS Shooting Brake ist auch keine Mercedes-Erfindung. Neben dem Saab 900 gab es bereits vor jahrzehnten den Rover SD1 oder die Fliessheckversion des Rover 800.

  6. Blackpool Rocket schreibt:

    Die Rover P5 ist wahrhaftig ein Kunstwerk von einem Auto! Betreffend Shooting Brake wird aber leider viel zu oft auf den wahren Urvater dieser Fahrzeuggattung vergessen. Ein damals wirklich revolutionäres Auto, eines heute zu unrecht in Vergessenheit geratenen Herstellers: Der Reliant Scimitar GTE.

  7. blueperformance schreibt:

    Der neue Mercedes ist Lifestyle in Reinkultur. Kann der als Kombi auch praktisch genutzt werden? Bin ich der einzige Autofahrer, der auch praktische Anforderungen beim Autokauf hat?

  8. RG schreibt:

    Sorry liebe Saabfreunde, aber das hier abgebidete „Saab 900 Kombi Coupe“ ist nun wirklich kein Coupe – es ist eine 5-türige Schräghecklimousine, und so etwas hatten auch andere Hersteller in den 70igern im Programm (VW Passat, Audi 100 Avant, Talbot… ). Seltsamerweise ist die Schräghecklimousine ausgerechnet bei Saab nach der Jahrtausendwende ausgestorben. Wie so etwas heute aussehen könnte zeigt Audi – A5, A7 – Saab hat den Trend verpennt, aber jetzt ist sowieso das Licht aus…

    • Karl schreibt:

      Schon richtig, aber…
      Die großen deutschen Hersteller liefen, wie immer, dem Trend hinterher.
      Der angesprochene Passat hatte wie sein Vorgänger der 1600TL eine Schrägheck, aber nur eine kleine Kofferaumklappe. Erst ab der zweiten Hälfte der 70er gab es Schrägheck und Heckklappe bei VW Passat (75) und Audi Avant (1977).
      Schrägheck mit Heckklappe gab es bereits in den Sechzigern, in großer Zahl bei unseren Nachbarn. Wie Renault 4, 6 und 16 oder Simca 1100 und die Citroën Dyane kamen aus Frankreich. Mit dem Peugeot 204 Coupe gab es auch ein Coupe mit Heckklappe, was sonst eher von der Insel kam, wie z.B. der MGB GT. Autobianchi lieferte den Primula aus Italien. Einzigstes deutsches Produkt war die Glas Combilimousine von 1966 bis 1968 gebaut.
      Saab hat den Trend nicht verpennt, sondern GM hielt das Schrägheck für nicht mehr zeitgemäß und hat entsprechende Aktivitäten unterbunden. Deshalb wurde die erste Generation des 9-3 für den nordischen Markt ein Jahr länger produziert, weil man bei Saab das Schrägheck eigentlich für unverzichtbar hielt.

  9. NoName schreibt:

    am rande bemerkt:
    der übergang hintere tür – c-säule des wunderschönen rover erinnert mich an die amazone.
    das problem der pseudo-coupes und möchtegern-shooting-brakes ist schlicht die nutzbarkeit: als lademeister mache ich mit nem 9er volvo die aktuelle e-klasse (und die grauen zweireiher von audi) vermutlich mehr als naß, was aber tradition hat. im grunde gibt es keine autos mehr, die auch für transportzwecke taugen, da wird dann statt nutzloswr lifestyle-kombis auf transporter/minivans verwiesen. fazit: vorbei die zeiten, als autos noch multifunktionale nutzobjekte waren. mittlerweile dimoniert der protzfaktor – vielleicht entspricht das ja dem neuen nachfrageverhalten absturzbedrohter mittelschichten, die ihren status umso verzweifelter zeigen müssen, je dünner die luft wird (bourdieu läßt herzlich grüßen). wenn also der letzte klassische schwede durch ist, bleibt nur noch das maßgeschneiderte norwid trollhättan.

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