Rover P4 (1949 bis 1964)

Der Rover P4 war das erste neukonstruierte Rover-Modell nach dem zweiten Weltkrieg. Der P4 wurde von 1949 bis 1964 hergestellt und war zu seiner Zeit eine recht aktuelle Konstruktion mit modernem Design. Bekannt wurde der P4 gegen Ende der Bauzeit trotzdem unter dem Spitznamen „Auntie-Rover“ (Tantchen-Rover) wegen des Anfang der 60er Jahre zwischenzeitlich bieder erscheinenden Aussehens. Die Bezeichnung P4 war ein Entwicklungscode, die Fahrzeuge der P4-Reihe wurden – nicht immer ganz zielgenau – nach der PS-Leistung benannt. Mit Ausnahme der letzten Modelle 95 und 110 hatte alle P4 hatten Karosseriebleche aus Aluminium.

Erster P4 war 1949 der Rover 75. Als Antrieb diente ein 6-Zylinder-Reihenmotor mit 2103 cm³ Hubraum und 76 PS mit oise-Ventilsteuerung (overhead inlet/side exhaust). Dieser Motor wurde vom Rover P3 übernommen und verfügte über obenliegende Einlassventile und stehende Auslassventile- eine für Rover damals typische Motorsteuerung. Interessant war am ersten P4-Modell der zusätzliche einzelne Scheinwerfer im Kühlergrill. Es wurde als „Cyclops Eye“ (Zyklopenauge – Bild oben) bekannt und bis 1952 eingebaut. Danach verwendete man einen konventionellen Kühlergrill.

1954 wurde der überarbeitete Rover 75 Mark II vorgestellt (Bilder unten – ohne Cyclops Eye). Er hatte ein 3-teiliges Panoramaheckfenster. Der Motor mit 2103 cm³ Hubraum wurde weiterverwendet. Dieses Modell wurde 1955 nochmals überarbeitet und erhielt eine Hubraumvergrößerung auf 2230 cm³ Hubraum. Mit der Einführung des Rover 100 wurde 1959 die Produktion eingestellt.

Ein Jahr vorher – 1953 – wurde das nächste Rover P4 Modell eingeführt, der Rover 60. Konzipiert war der Wagen als Einstiegsmodell der P4-Reihe. Man verwendete dabei als Motorisierung einen 4-Zylinder-Reihenmotor mit 1997 cm³ Hubraum. Dieser Motor leistete 61 PS und stammte aus dem Land Rover. Die unsanft laufende Maschine passte nicht recht zum luxuriösen P4 und war eher für Nutzfahrzeuge geeignet. Der Rover 60 wurde 1959 durch den Rover 80 ersetzt.

Zur gleichen Zeit wie der Rover 60 wurde das Spitzenmodell Rover 90 vorgestellt. Der Rover 90 wurde von einem 6-Zylinder-Reihenmotor mit 2639 cm³ Hubraum angetrieben. Dieser Motor leistete 90 PS, was 1953 sehr respektabel war. Der Rover 90 erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 144 km/h. 1959 wurde er durch den Rover 100 ersetzt.

Der 90 war aber nicht lange Zeit das Spitzenmodell der P4-Baureihe. 1956 wurden der Rover 105 R und der Rover 105 S vorgestellt. Rover hatte für diese Modelle nochmals den auch im Rover 90 eingesetzten Motors mit 2639 cm³ Hubraum überarbeitet. Die jetzt eingesetzten Doppelvergaser sorgten für 108 PS Leistung. Beide 105-Modelle verfügten über eine überarbeitete Karosserie und eine luxuriösere Inneneinrichtung.

Der 105 R war zusätzlich mit einer „Roverdrive“-Getriebeautomatik ausgestattet. Dabei handelte es sich um eine 2-Gang-Automatik mit Overdrive, woraus sich insgesamt 4 Vorwärtsgänge ergaben. Der Wagen erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 146 km/h. Der 105 S bekam ein normales manuelles Getriebe mit Overdrive und erreichte deshalb im Gegensatz zum 105 R standesgemäß eine Höchstgeschwindigkeit von 162 km/h . Die Produktion des 105 R wurde 1958, des 105 S 1959, eingestellt.

Ende der 50er Jahre kam es zu einem weiteren Umbruch in der Rover P4-Reihe. Der Rover 60 mit dem Vierzylinder-Motor aus dem Land Rover wurde 1959 durch den Rover 80 ersetzt. Er war mit einem überarbeiteten Land Rover 4-Zylinder-Reihenmotor ausgestattet, hatte aber mit 2286 cm³ Hubraum. Mit seinen 80 PS konnte der Rover 80 137 km/h erreichen. Daneben gab es weitere Verbesserungen: Neu waren Scheibenbremsen vorne , breitere Reifen und ein modifiziertes Styling. Der Rover 80 wurde bis 1962 gebaut.

Der Rover 90 wurde 1960 durch den stärkeren Rover 100 ersetzt. Sein Motor war wie die vorher vorgestellten Modelle Rover 90 und 105 ein Reihen-Sechszylinder mit 2625 cm³ Hubraum. Jedoch handelte es sich tatsächlich um einen neuen Motor; es handelte sich bei diesem Motor um eine Version des 3 Liter Sechszylinders aus dem 1959 neu vorgestellten Modell Rover P5 mit kürzerem Hub. Der Rover 90 erreichte dadurch 160 km/h (100 mph). Die Inneneinrichtung war luxuriös mit Holz- und Lederapplikationen an den traditionellen englischen Bedienelementen, wie dem geschwungenen „Shepherd’s Crook“, dem sog. (Schäferstock)-Handbremshebel. Der Rover 100 wurde 1962 den Rover 110 ersetzt wurde.

1962 wurde die Rover P4-Reihe gestrafft. Es gab nur noch einen Sechszylindermotor in zwei Leistungsvarianten, den Rover 110 und den Rover 95. Alle anderen P4-Modelle entfielen. Zwischenzeitlich war dem Rover P4 durch den Rover 3-litre (Modell P5) starke Konkurrenz im eigenen Hause entstanden. Beide neuen Modelle 110 und 95 besaßen den aus dem Rover 100 bekannten Motor mit 2625 cm³ Hubraum. Die Leistung belief sich auf 123 PS beim Typ 110 aufgrund des Weslake-Zylinderkopfs und 102 PS beim Typ 95. Beide Modelle wurden nach 1964 durch den wesentlich moderneren Rover P6 ersetzt.

Die Modellbezeichnungen der Rover P4-Reihe standen Pate für die neuen Rover-Bezeichnungen ab 1999. Erstes neues und eigenständiges Rover-Modell mit einer solchen Modellbezeichnung wurde 1999 der Rover 75, der nicht nur vom Namen, sondern auch aufgrund der luxuriösen Ausstattung und des sehr hohen Fahrkomforts an den Vorgänger aus dem Jahr 1949 erinnerte.

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