SAAB Cabriolet Verdeckpflege

Nachdem unser Saab Cabrio jetzt ins fünfte Jahr geht, war Verdeckpflege angesagt. Da der Wagen eigentlich immer in der Tiefgarage steht, gab es keine größeren Verschmutzungen wie Vogelkot oder Moos. Allerdings gab es einige hellere Flecken oder Streifen. Da das Verdeck nie im nassen Zustand geöffnet wurde (also keine Stockflecken) gehe ich davon aus, dass das Verdeck im Verdeckkasten eben aneinanderreibt und etwas Farbe an den Reibestellen verloren hat. Zusätzlich gab es drei minimale Stellen, an denen wohl durch die Reibung schon eine glänze Oberfläche entstanden war.

Insofern war es Zeit, was zu tun. Da ich mit dem Fahrzeug recht pingelig bin, war ich immer skeptisch, es in die Hände eines Aufbereiters zu geben. Aus meiner Sicht besteht immer die Gefahr, dass die weniger sorgsam arbeiten als ich. Auf der anderen Seite würde ich das zum ersten Mal machen, also mit der Gefahr, kapitale Böcke zu schießen und dann teuer nacharbeiten zu lassen. Schlussendlich habe ich mich aber getraut, es selber zu machen.

Normalerweise bin ich Swizöl- und Meguiars-Nutzer, daher hatte ich mir schon vor einigen Monaten das relativ neue und recht teure Swizöl Lotus Protection gekauft (ca. 80 Euro). Auch hatte ich noch eine Flasche Meguiars Cabrioverdeckreiniger (ca. 17 Euro) für die Stoffreinigung. Erst danach bin ich bei Petzolds auf Renovo gestoßen, da ich aufgrund der obigen Problembeschreibung auch übers Nachfärben nachgedacht habe. Also auch noch eine große Flasche Renovo Soft Top Reviver schwarz (ca. 49 Euro) gekauft.

Die erste Irritation entstand, also ich das Petzolds-Paket ausgepackt hatte. Da stand doch auf der Rechnung, dass man unbedingt nach der Renovo-Färbung das Verdeck noch mit der Renovo-Imprägnierung behandeln sollte. Bedeutet dies nun, dass Renovo nicht mit anderen Imprägnierungen kompatibel ist? Hm, zumindest hätte Petzolds mal vor der Bestellung darauf hinweisen können und nicht erst auf der Rechnung! Tja, was nun? Schlussendlich habe ich mich entschieden, mit den vorhanden Produkten weiterzumachen, da ich auch Erfahrungsberichte gelesen hatte, wo man Produkte verschiedener Hersteller problemlos gemischt genutzt hatte (z.B. Scotch Imprägnierung mit Renovo).

Nachdem das Wetter passte, bin ich morgens sehr früh in die Handwaschanlage gefahren, damit ich mich in Ruhe um das Dach kümmern konnte. Vorher noch trocken das Verdeck mit einer weichen Bürste ausgebürstet und dann mit meinem Akkusauger abgesaugt. Der sollte noch wichtig werden, da das Fahrzeug in einer Tiefgarage steht, in der ab und zu der Wind durchbläst und daher leicht Staub auf das Verdeck kommt. Der Akkusauger ist übrigens ein Dyson, geniales Teil, nicht zu vergleichen mit den normalen Akku-Tischsaugern und inzwischen für mich unverzichtbar bei der Autopflege.

Danach also in die Waschanlage. Zunächst das (feuchte) Verdeck mit Meguiars eingesprüht. Wichtig in einer solchen Waschanalge ist, dass man nicht mit Hochdruck (kann man in meiner am Griff einstellen) auf das Verdeck geht und nur das Programm ohne Waschmittel benutzt (also Spülen oder Osmotisch). Danach mit der mitgebrachten Bürste eingearbeitet und dann wieder mit viel klarem Wasser abgespült. Jetzt kam Swizöl zum Einsatz. Das Swizöl-Set besteht aus zwei Komponenten, der Neutralizer und die eigentliche Imprägnierung. Der Neutralizer dient dazu, alle restlichen Tenside von Verdeck zu entfernen. Mit der Sprühflasche kann man es recht leicht auftragen und dann mit der Bürste einarbeiten. Danach wieder mit viel Wasser abspülen. Damit war der erste Schritt getan. Jetzt nur noch per Handwäsche den Rest des Fahrzeugs gewaschen. Gut, dass es morgens noch nicht so warm war, sonst wäre ich schon jetzt zerflossen.

Danach wieder nach Hause in die Tiefgarage. Hier das Fahrzeug abgetrocknet (ich weiss, nicht ganz ideal, aber geht halt nicht anders) und die normale Pflege (Plastik, Lack, Felgen) durchgeführt. Währenddessen konnte das Verdeck abtrocknen. Nach ein paar weiteren Stunden kam dann nachmittags Renovo zum Einsatz. Wichtig ist, dass das Verdeck absolut trocken ist. Auch muss Renovo absolut unverdünnt mit einem Pinsel aufgetragen werden.

Und absolut wichtig: Das Verdeck mit Plastikfolie großräumig (minimum 1 Meter zu jeder möglichen Seite) abkleben. Beim Swizöl-Set ist sogar eine Abdeckfolie dabei. Wir hatten noch einiges vom letzten Umzug übrig, so dass dieses erstmal aufgebraucht wurde. Das Abkleben hat ca. 45 Minuten gedauert. Das lag nicht an meiner Ungeschicklichkeit, sondern eher an meiner Pingeligkeit, sollte sich aber später sehr (!) auszahlen. Mein Ziel war es, alle Gummidichtungen, Lackstellen und Glasscheiben so exakt abzukleben, dass wirklich nur noch das Stoffverddeck frei liegt und nichts auf andere Materialien kommen kann. Wichtig ist nämlich bei Renovo und bei der Swizöl-Imprägnierung, dass nichts auf andere Materialien kommt und im Fall der Fälle sofort abgewischt wird. Da sofortiges Abwischen oft nicht möglich ist oder das Zeugs unentdeckt in verdeckte Stellen läuft, wollte ich diesen Problemfall von Anfang an ausschalten. An vielen Stellen habe ich sogar doppelt abgeklebt, da gerade die runden Stellen im ersten Versuch nicht leicht mit geradem Band abzukleben sind.

So, jetzt als ran an das Verdeck. Man trägt Renovo mit dem Pinsel auf, also wie beim Streichen der Wohnung. Nach Anleitung reicht die große Packung für ein großes Viersitzerverdeck. Da der Wagen schon einige Stunde in der TG stand, habe ich das Verdeck nochmals abgesaugt, um zwischenzeitlich aufgewehten Staub zu entfernen.

Wichtig ist, dass man in Bahnen gleichmäßig arbeitet und zwar so schnell, das das Anfangsstück nicht schon trocken ist. Leider ist die Arbeit nicht sehr rückenschonend, da man zum besseren arbeiten eine Trittleiter benützen und sich stark über das Verdeck beugen muss. Auch sollte man aufpassen, dass man den Plastikbehälter, in das man das Renovo umgeschüttet hat (aus der Plastikflasche), und den man zwangsläufig auf dem Verdeck abstellen muss, nicht umstößt. Der Pinsel sollte 60 mm breit sein und keine Borsten verlieren, da man die sonst aus der benetzten Fläche rausfinger muss. Mein Anwendungsfehler: Keine Latexhandschuhe übergezogen und daher beim Borstenentfernen mir schwarze Fingerkuppen zugezogen.

Nach ca. 45 Minuten hatte ich das Verdeck fertig angemalt: Ging eigentlich sehr einfach, sofern man einige Dinge beachtet. Trotz der Wäsche des Verdecks perlen Flüssigkeiten immer noch sehr gut ab. Beim ersten Pinselstrich am Übergang zur Windschutzscheibe ist es mir daher gleich passiert, dass das Verdeck die Flüssigkeit nicht aufgenommen hat, sondern aufgrund meines zu starken Pinseldrucks im Rinsal abgelaufen ist. Gut, dass ich überlappend abgeklebt hatte (also Verdeck auf Klebefolie im Spriegel oder an der Innenfensterseite). Daher lief die Brühe (eigentlich ja nur ein paar Tropfen) nur auf die Folie.

Danach war ich etwas gefühlvoller. Es dauert aber recht lange und man muss die einzelne Bahn des Pinsels auf dem Verdeck mehrmals überstreichen, da das Verdeck sehr viel einsaugt. Daher dauerte es auch so lange. Insgesamt läßt sich Renovo aber mit etwas Sorgfalt recht einfach und gut auftragen. Man muss nur aufpassen, dass wirklich alles gleichmäßig benetzt ist. Lustig finde ich die Fotos auf der Homepage von Renovo. Da wird das Zeug ohne Abdeckung aufgetragen. Das hätte ich nicht hinbekommen, da man ja gerade an den Kanten mal schnell leicht abrutscht und die Folie mit anmalt (sieht man auch auf dem Foto).

Verbraucht habe nur ca. 1/3 der Flasche, müsste also noch für zwei Anwendungen reichen. Renovo empfiehlt, bei stark verwitterten Verdeck nach zwei Stunden nochmals das Verdeck zu streichen. Darauf habe ich verzichtet, da es ja nicht so schlimm aussah. Interessant auch die Angabe zur Trockenzeit. Auf der Renovoflasche war die englische Anleitung mit einer deutschen überklebt worden. Man konnte nur noch den letzten Ansatz der englischen lesen. Reichte aber! Die deutsche sagte nur, man solle zwei Stunden warten, bis man die Farbe ggf. nochmals aufträgt. Punkt. Die englische empfiehlt aber zusätzlich, ca. 24 Stunden bis zum Auftragen der Imprägnierung zu warten, damit alles durchgetrocknet ist.

So gegen 15 Uhr war ich dann fertig, die Folie blieb natürlich wegen der Imprägnierung noch dran. Die Spannung stieg, wie sieht das Verdeck nach der Behandlung aus? Etwa schlechter, mit vielen Streifen? Genaues konnte ich ja erst nach dem Trocknen sehen. Nach ca. 45 Minuten ging ich wieder in die Tiefgarage. Toll sah es nicht aus. Man konnte deutlich Streifen sehen. Ich dachte nur: Hoffentlich geht das weg, wenn es richtig getrocknet ist! Während des Malens kam noch eine Nachbarin vorbei, die meinte, dass ihr Mann auch mal die Stoßstange ihres Corsa wieder mit Plastikfarbe auffrischen wollte. Das hätte dann ganz fürchterlich ausgesehen. Hoffentlich sieht so nicht nachher das Verdeck aus. Ich tröstete mich damit, dass das Verdeck ja noch nicht trocken ist…

Nach zwei Stunden nochmal in die TG: Juhu, die Streifen sind raus, waren also nur Trocknungsstreifen. Nach zwei Stunden war das Verdeck absolut trocken und sah spitze aus. Einziger Mangel (das wusste ich aber schon vorher aus den Erfahrungsberichten), die minimalen blanken (dadurch glänzenden) Stellen wurden zwar gleichmäßig schwarz, aber glänzten immer noch etwas. Fällt aber nur aus ca. 50 cm Entfernung auf.

Danach eine Abdeckplane drüber zum Schutz, die Imprägnierung sollte am nächsten Tag erfolgen. Mittags die Plane runter. Verdeck sieht immer noch super aus. Zuerst wieder sicherheitshalber abgesaugt, dann kam Swizöl zum Einsatz. Die Imprägnierung besteht aus einer leeren Sprühflasche, in die aus der eigentlichen Flasche umgefüllt wird. Nach der Anwendung kann man den Rest wieder zurückschütten und muss dann die Sprühflasche sofort mit Wasser ausspülen (Sprühkopf nicht vergessen). Die Anwendung ist super einfach, man kann ganz bequem das Verdeck einsprühen. Der besondere Sprühkopf verteilt sehr fein die Imprägnierung, d.h. man kann alles sehr einfach, sehr schnell, sehr fein und gleichmäßig auf dem Verdeck verteilen. Auch hier ist eine großräumige Abdeckung des Fahrzeugs notwendig, da der feine Srühnebel sich mit dem kleinsten Windzug verteilt und man ja mit einer Sprühflasche nicht so exakt zielen kann. Also: Sicherheitshalber mindestens 1 Meter Folie!

Nach zwei weiteren Stunden kam dann die Folie runter. Alles super, Verdeck und Restauto. Ausnahme: mein Fehler vom Anfang beim Einstreichen. Ein paar Tropfen hatten eine Lücke in der Folie gefunden und waren die Seitensscheibe heruntergelaufen. Nicht schlimm, da nur ein paar Tropfen. Aber das Entfernen war doch schwer, da das Zeug ja kaum wasserlöslich ist. Schlussendlich habe ich es dann mit dem Fingernagel abgekratzt. Geht aber nur auf der Scheiben. Glück gehabt!

Insgesamt habe ich mit Waschen, Saugen, Abdecken, Färben und Imprägnieren ohne die weiteren „normalen“ Pflegearbeiten ca. 6 Stunden (mit Unterbrechungen) für die Verdeckpflege gebraucht. Zusätzlich hat man noch Rückenschmerzen, da man beim Streichen ein Trittleiter braucht und sich weit vorbeugen muss, um an alle Stellen zu kommen. Trotz der unterschiedlichen Produkte gabs aber keine Probleme mit der Kompatibilität. Man kann also den Petzolds-Hinweis eher dahingehend auffassen, dass man auf jeden Fall imprägnieren soll nach der Anwendung von Renovo.

Gesamtfazit: Auch wenn es finanziell sich zunächst nicht gelohnt hat (es gibt ja noch Restbestände, daher habe ich für die konkrete Anwendung „nur“ ca. 50 Euro für die Mittel ausgegeben), bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Die Produkte der verschiedenen Hersteller haben auch in der Kombination gut gewirkt. Natürlich ist es beim Aufbereiter bequemer, aber da ich nicht die Arbeitsweise der Aufbereiter in der Umgebung kenne, ärgere ich mich lieber über meine Fehler (die Gott sei Dank nur unwesentlich passiert sind) als mich nachher mit dem Aufbereiter zu streiten. Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass alle Aufbereiter so sorgfältig abkleben. Und ohne das geht es nach meiner Meinung nicht!

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3 Antworten zu SAAB Cabriolet Verdeckpflege

  1. Hauff3 schreibt:

    Sehr informativer Beitrag, vielen Dank.
    Hat jemand Erfahrung mit Blau färben ?

  2. Axel schreibt:

    Ein sehr detaillierter und kompetenter Erfahrungsbericht, der vielen helfen wird. Schön, dass es noch Mitbürger gibt, die sich so viel Mühe machen.

  3. Coopereins schreibt:

    Sehr guter Beitrag, vielen DanK!

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