Schweden übernimmt Saab Parts

Die Hinweise verdichten sich weiter, dass NEVS der Käufer von Saab sein wird. Um 13 Uhr wird eine Pressekonferenz der Reichsschudenverwaltung stattfinden. Der Chef der Reichsschuldenverwaltung, Bo Lundgren, hat vorab schon mitgeteilt, dass man Saab Parts möglicherweise selbst übernehmen wird. Hintergrund für diese Übernahme von Saab Parts ist, dass der schwedische Staat über die Reichsschuldenverwaltung ein besonderes Pfandrecht an Saab Parts hat und deshalb als erster darauf zugreifen kann. (Update 15.30 Uhr)

Jetzt geschieht vermutlich genau das, was die schwedischen Politiker Anders Borg und Maud Olofsson immer wieder abgelehnt haben. Der Staat soll nicht als Unternehmer auftreten. Aber hier geht es um die Bürgschaft für das EIB-Darlehen, für die die Reichsschuldenverwaltung 230 Mio. Euro nach Luxemburg an die EIB überwiesen hat. Daher war natürlich die Reichsschuldenverwaltung und ihr Chef Bo Lundgren auch politisch gefordert, dieses Geld über den Verkauf von Saab Parts zurück zu erhalten. Und die Gewinne von Saab Parts sind natürlich zusätzlich verlockend.

Lundgren muss heute Mittag auf der Pressekonferenz wohl eingestehen, dass keiner der Bieter die gewünschte Summe von 230 Mio. Euro alleine für Saab Parts geboten hat. Daher habe sich laut Lundgren die Reichsschuldenverwaltung entschlossen, in einem solchen sehr wahrscheinlichen Scenario Saab Parts selbst zu übernehmen. Damit könne man mehr Geld hereinholen als mit einem kurzfristigen Verkauf der Teilesparte unter Wert. Die Reichsschuldenverwaltung glaubt, dass man mit Saab Parts erhebliche Gewinne erzielen kann und will das operative Geschäft noch ausweiten. Neben Saab-Teilen sollen auch Ersatzteile für andere Hersteller ins Programm aufgenommen werden.

Wie ich bereits in diesem Artikel vor einigen Tagen geschrieben habe, bin ich bei so einer Übernahme durch den Staat eher skeptisch. Ich glaube nicht, dass eine staatliche Führung ein privatwirtschaftliches Unternehmen auf Dauer erfolgreich führen kann. Auch sehe ich die Zukunft von Saab Parts nicht ganz so positiv, wie sie Lundgren darstellt. Es gibt auch erhebliche Risiken am Horizont von Saab Parts.

Zumindest scheint jetzt aber ziemlich klar zu sein, dass das Youngman-Angebot keine Beachtung findet. Dieses Gebot beinhaltete auch den Kauf von Saab Parts. Die Gründe für die offensichtliche Nichtbeachtung des Youngman-Gebots bleiben dagegen weiter unklar. Sie können von einem zu geringen Teilgebot für Saab Parts bis zu zerstörtem Vertrauen bei Gläubigern und Insolvenzverwaltern reichen.

Klar ist auch, dass wir die neue Gesellschaft Saab nur ohne das alte Ersatzteilgeschäft erhalten. Inwieweit von den neuen Saab-Eigentümern die Beziehungen zu den Besitzern von „alten“ Saabs bis Baujahr 2011 gekappt werden, bleiben abzuwarten. Ich würde da keine voreiligen Schlüsse ziehen, denn die Frage der „Herkunft“ hängt nicht alleine an Saab Parts. Trotzdem ist nach dem Saab-Museum jetzt ein zweiter wichtiger Baustein der Saab-Tradition nicht vom zukünftigen Saab-Käufer nicht übernommen worden.

Fraglich ist auch, inweiweit die neue Firma Saab jetzt noch auf das Händlernetz und die weltweiten Vertriebsgesellschaften von Saab vor der Insolvenz  zurückgreifen kann. Denn das Knowhow und das Personal des Vertriebs sind von Saab Parts übernommen und konserviert worden. Hätte ein Käufer Saab Parts ebenfalls übernommen, dann könnte man problemlos dieses Potential nutzen und relativ schnell wieder ein weltweites Händlernetz für Saab Automobile aufbauen können. Ob dies jetzt noch möglich ist bleibt abzuwarten.

Update 15.30 Uhr:

In der Pressekonferenz um 13 Uhr hat Bo Lundgren seine Aussagen wieder etwas relativiert. Zunächst wollte er sich nicht zum laufenden Verkaufsprozess äußern. Für Saab Parts sieht er zwei Optionen. Sollte der Käufer für alle Saab-Teile (also mit Saab Parts) mehr als 230 Mio. Euro auf den Tisch legen, dann würde die Reichsschuldenverwaltung als bevorzugter Gläubiger die gezahlte Bürgschaft zurückbezahlt bekommen. In diesem Fall würde die Reichsschuldenverwaltung dem Verkauf von Saab Parts zustimmen. Sollte der Erlös geringer sein oder sollte Saab nur in Teilen verkauft werden, dann wird die Reichsschuldenverwaltung Saab Parts selbst übernehmen. In diesem Fall geht Lundgren davon aus, dass nach 8 Jahren ohne Saab-Neuwagen auch das Ersatzteilgeschäft von Saab Parts einbrechen wird. Für diese zukünftige Entwicklung müssten dann alternative Geschäftsfelder erschlossen werden.

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6 Antworten zu Schweden übernimmt Saab Parts

  1. Mario Messi schreibt:

    Mist! Jeder, der mit Saab weiter Automobile produzieren will, muss ein starkes Interesse haben, Saab Parts mitzukaufen. Absatzmärkte Indien oder China für Saab-Automobile hätten doch auch eine ganz ordentliche neue Perspektive geboten. Wenn „Saab“ künftig stattdessen nur noch auf ein paar Batterien für E-Mobile stehen sollte und „Saab Spirit“ in einiges Tanks tropft – was für eine traurige Verschwendung (ohne hier einen Vorwurf gegen die Reichsschuldenverwaltung zu erheben – der würde ohnehin nur an GM gehen)!

  2. elchsson schreibt:

    Wer soll das alles noch verstehen??? Bleibt zu hoffen, dass New SAAB etwas mit Old SAAB zu tun haben will und wird …….

  3. blueperformance schreibt:

    Saab Automobile Parts AB kann sich dann aber in Saab Classic Parts AB umbenennen 😉 Der hier stattfindende Schnitt (sollte es NEVS wirklich sein) ist sehr gross. Welche Markenrechte hat Saab Automobile Parts AB eigentlich?
    Das fehlende Interesse NEVS an Saab Parts könnte daran liegen, dass man nur produziert und zuliefert oder aber schon ein Vertriebsnetz hat. Über die Strategie von NEVS und möglichen Partnern (mit Vertrtiebsnetz) ist wohl zur Zeit zu wenig bekannt. Die nächsten Tage bleiben spannend.
    Aber vielleicht wäre es eine win win Situation gewesen, wenn der schwedische Staat Kordel gelassen hätte und eine Gewinnbeteiligung/ fixe Abgab in dne nächsten jahren erhalten hätte. Hier ist man aber wohl zu wenig Kaufmann.

  4. Sarg 9-5 II schreibt:

    „Welche Markenrechte hat Saab Automobile Parts AB eigentlich?“

    Dem Namen nach zu urteilen (und sie haben die alte Internetpräsenz) immerhin genug Rechte, um ORIGINALersatzteile zu liefern. Die spannendere Frage ist für mich zur Zeit, ob NEVS, wenn sie wirklich der Käufer sind, überhaupt Markenrechte erworben haben und wofür die in Zukunft verwendet werden? Sieht gar nicht gut aus.

  5. Detlef Rudolf schreibt:

    Kommt da noch was oder haben Bergqvist & Co. nur für dieses Ergebnis 6 Monate benötigt?

    Hier müßte jetzt schnellstmöglich mal eine nachvollziehbares Statement mit vor allen Dingen guten Gründen kommen, die zur Auswahl von NEVS geführt haben (falls dies überhaupt zutrifft).

    Das Gebot von Youngman-Lotus wäre doch insgesamt auch interessant – schon vom Betrag her voll ausreichend (sogar einschließlich SAAB-Parts).

    Die sichtbare Arbeitsweise der Administartoren ist tatsächlich höchst merkwürdig – das ganze Vorgehen bedürfte doch wirklich mal einer umfassenden Erklärung durch diese Personen!

  6. Karl schreibt:

    Wie ich schon einmal geschrieben habe, ich vermute hier wird mit allen Mitteln versucht den Preis hochzutreiben.
    Daher die gezielten Statements von der Reichsschuldenverwaltung, der Staat will sein Geld zurück, darum geht es wohl.
    Es würde mich nicht wundern, dass NEVS nichts anderes ist als ein Fake. Mahindra scheint ja schon länger ausgestiegen zu sein, daher brauchte es einen „Bieter“ der aus Youngman das Maximum herauskitzelt.

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