Saab Parts – das Problem der Reichsschuldenverwaltung

Die schwedische Presse beschäftigt sich heute früh mit Saab Parts. Die Reichsschuldenverwaltung, die Pfandgläubiger der nicht insolventen Saab-Tochter Saab Parts ist, hat am Montag wohl für die Verzögerung des Verkaufs gesorgt. Hintergrund ist, dass NEVS nicht bereit ist, Saab Parts zu kaufen.


Die Reichsschuldenverwaltung ist zwar eine Behörde und damit nicht direkt politisch, aber natürlich ist die Angelegenheit hoch politisch. Finanzminister Anders Borg und die ehemalige Wirtschaftsministerin Maud Olofsson hatten gebetsmühlenartig ständig wiederholt, dass man Saab nicht helfen werde und keine Steuergelder benutzt werden sollen.

Dies hat sich jetzt als äußerst kurzsichtig erwiesen. Nicht nur, dass man jetzt erhebliche Steuerausfälle und zusätzliche Lohnersatzleistungen verkraften muss. Auch gibt es natürlich die Bürgschaft für das EIB-Darlehen, für die die Reichsschuldenverwaltung 230 Mio. Euro nach Luxemburg an die EIB überwiesen hat. Jetzt ist natürlich die Reichsschuldenverwaltung und ihr Chef Bo Lundgren auch politisch gefordert, dieses Geld über den Verkauf von Saab Parts zurück zu erhalten.

Im Jahr 2010 wurde Saab Parts von KPMG noch auf ca. 500 Mio. Euro Wert taxiert. Saab Parts macht gute Umsätze und auch der Gewinn mit ca. 30 bis 40 Mio. Euro ist nicht schlecht. Aber im Rahmen der Saab Insolvenz ist natürlich der auch der Wert von Saab Parts deutlich gesunken. Lars Holmqvist, der pensionierte Chef der Zulieferervereinigung CLEPA, hat sich kürzlich dazu geäußert und die Meinung vertreten, dass für Saab Parts wohl niemand 230 Mio. Euro bieten würde. Das ist natürlich jetzt ein Problem für Bo Lundgren, die Reichsschuldenverwaltung und die schwedische Regierung.

Welche Optionen gibt es jetzt? Zunächst könnte ein Käufer von Saab natürlich auch Saab Parts übernehmen. Dies macht aus meiner Sicht für einen Käufer Sinn. Man generiert Gewinne durch das Ersatzteilgeschäft und kann Händler und alte Kunden an Saab binden. Mahindra vielleicht und auf jeden Fall Youngman wollen Saab Parts übernehmen. Allerdings werden beide Firmen in ihrem Gebot wohl nicht 230 Mio. Euro für Saab Parts bezahlen.

Als zweite Möglichkeit könnte Saab Parts getrennt verkauft werden. Hier gibt es den Interessenten Mekonomen. Allerdings wird auch Mekonomen nicht die von der Reichsschuldenverwaltung gewünschten 230 Mio. Euro bezahlen. Und wenn Saab verkauft ist, wird es bei dieser Option natürlich weniger Interessenten für Saab Parts geben, so dass dies den Preis nochmals drücken würde.

Die dritte Möglichkeit hat Bo Lundgren selbst angedeutet. Die Reichsschuldenverwaltung könnte Saab Parts selbst übernehmen und in eigener Regie weiterbetreiben. Laut Lundgren sei dies für den Staat ein gutes Geschäft. Dies birgt aber einige Risiken. Zunächst ist eine staatliche Führung meistens schlechter als eine privatwirtschaftliche. Daneben tauchen am Himmel über Saab Parts aber einige dunkle Wolken auf. Bisher laufen die Geschäfte von Saab Parts recht gut. Man hat die Versorgung der Saab Händler sichergestellt und produziert wieder Karosseriebleche selbst für die seltenen neuen Modelle.

Aber die Zukunft könnte für Saab Parts problematisch sein. Denn das Geschäft von Saab Parts hängt auch am Nachschub an Neuwagen. Ohne weitere Saab Neuwagen nimmt die potentielle Kundschaft und damit der Umsatz kontinuierlich ab. Und wenn Saab Parts nicht mehr zu Saab gehört ist fraglich, ob Saab Parts auch die möglichen neuen Saab-Modelle weiter versorgen darf. Der neue Eigentümer von Saab wird eher eine neue Ersatzteilorganisation für die neuen Modelle gründen. Zwischenzeitlich haben sich auch einige Saab-Händler von Saab Parts gelöst und beziehen einen Teil der Ersatzteile von anderen Zulieferern. Wieder weniger Umsatz für Saab Parts. Daneben hat Saab Parts auch noch zusammen mit den Saab-Händlern Garantieleistungen von Saab übernommen. Auch hier könnten sich noch einige finanzielle Risiken ergeben.

Die Reichsschuldenverwaltung ist also in einer nicht sehr komfortablen Lage. Entweder verzichtet man auf einen Teil der „Rückzahlung“ der EIB-Bürgschaft oder man übernimmt Saab Parts mit dem entsprechenden wirtschaftlichen Risiko. Das wäre eigentlich eine Ironie der Geschichte. Die Politik lehnt jede Hilfe und Staatsgelder für Saab ab, um dann später Saab Parts als Staatsbetrieb zu führen.

So oder so scheint der schwedische Staat finanziell ein schlechtes Geschäft zu machen. Ich persönlich bin jetzt nicht sonderlich traurig, dass die Regierung Geld verliert. Man hatte die Möglichkeit, dies zu verhindern, hat diese Möglichkeit aber nicht genutzt. Jetzt bekommt man eben die Rechnung. Dumm ist nur, dass diese Rechnung nicht die handelnden Politiker zahlen müssen, sondern natürlich der schwedische Steuerzahler. Dem wäre besser gedient gewesen, wenn man Saab mit einer begrenzten Hilfe am Leben erhalten hätte und man dann in ruhigerem Fahrwasser Saab an einen Investor verkauft hätte.

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Eine Antwort zu Saab Parts – das Problem der Reichsschuldenverwaltung

  1. URS schreibt:

    Sachlich betrachtet, wer dieser drei Bieter kann Interesse an Saab Parts haben?
    Mahindra kann auch gut ohne Saab Parts funktionieren, haben sie doch über die bestehenden Marken dazu eine Infrastruktur und ein Vertriebsnetz. Darum ist hier die Kaufofferte sicher nicht so hoch, weil Mahindra etwas kaufen würde, das sie ja schon haben. Für Mahindra ist der Markenname SAAB und das Schwedische Image wichtig.
    NEVS hat aus meiner Sicht nicht sehr konkrete Pläne, welche auch erst vor kurzem entstanden sind und noch nicht gut fundiert sind. Der Hauptwert sieht NEVS im Markennamen und damit ein Schwedisches Produkt verkaufen zu können, als auch in der vorhandenen Produktions-Infrastruktur. Da der Schwerpunkt bei NEVS bei Elektro- und Hybridfahrzeugen liegen wird und daher das Interesse an den konventionellen Autos der Vergangenheit nicht in deren Fokus liegt, hat Saab Parts auch nicht einen hohen Stellenwert für NEVS.
    Youngman hat weder eine grossartige Vertriebsstruktur noch eine Ersatzzteilorganisation ausserhalb ihrer Märkte in Fernost. Youngman hat auch wie die beiden anderen Konkurenten grosses Interesse am Markennamen und dem soliden Image der Schweden. Darüber hinaus benötigen Sie aus meiner Sicht unbedingt die Inovations- und Ingenieurskraft und ebeso die Infrastruktur für Vertrieb, Produktion sowie die Ersatzteilversorgung. Daher kann Youngman auch mehr bezahlen, weil sie alle diese Firmenteile voll nutzen können.
    Bildlich gesprochen heisst dass, wer schon zwei Fernseher hat oder kein Interesse hat fernzusehen, der bezahlt einfach weniger für ein solches Ding. Aber wer einen Fernseher will und das Geld dazu hat, der bezahlt auch einen guten Preis dafür.

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