Rover P5 (1958 bis 1973)

Der Rover P5-Geschichte begann in den frühen 50er Jahren. Zu dieser Zeit hatte Rover ein Modell, den P4, im Angebot. Der neue Rover P5 sollte zunächst etwas kleiner als der P4 werden. Man wollte den P5 mit einer geringen Gewinnmarge, aber dafür mit einem hohen Volumen verkaufen. Dazu musste die Rover-Fabrik in Solihull bei Birmingham aber erweitert werden. Doch die britische Verwaltung machte Rover einen Strich durch die Rechnung.

Denn die Behörden verweigerten Rover die Genehmigung zur Erweiterung der Fabrik. Doch Rover gab nicht aus. Jetzt sollte der Rover P5 ein Oberklassemodell werden. Die Gewinnmarge und damit der Verkaufspreis wurde höher angesetzt auf Kosten des Volumens. So konnte man eine Erweiterung der Fabrik vermeiden. Man verlängerte den Radstand und verbreiterte den Wagen. Der P5 wurde größer und schwerer. Trotzdem wollte man das Gewicht gering halten. Daher wurden Türen, Motorhaube und Kofferraumdeckel aus Aluminium gefertigt.

Zunächst versuchte man bei Rover, eine neue Generation von V6-Motoren mit 2,6 und 3 Liter Hubraum zu konstruieren. Doch Probleme mit der Laufruhe ließen die Ingenieure wieder auf altbewährte Rover-Konstruktionsgrundsätze zurückgreifen. Dazu überarbeitete man den alten R6-Motor aus dem Rover P4 grundlegend. DerP5 wurde schlussendlich von einem Motor mit 2995 cm³ Hubraum und 105 PS angetrieben wurde. Der 6-Zylinder-Reihenmotor hatte obenliegende Einlassventile und seitliche Auslassventile („oise“ = overhead inlet / side exhaust), eine typische Rover-Anordnung der Ventile. Auf Wunsch konnten ein Automatikgetriebe und eine Servolenkung geordert werden. Der P5 ershielt die Modellbezeichnung „3-litre“. Im Gegensatz zu heute hielt man sich bei der Bezeichnung noch an den tatsächlichen Hubraum des Motors.

Die Rover P5 Limousine wurde 1958 auf der Earls Court Motor Show vorgestellt und erhielt im Allgemeinen gute Kritiken. Zwar waren die Fahrleistung des 3-litre zunächst wenig beeindruckend – zuviel Mühe hatten die 105 PS mit dem schweren Wagen. Trotzdem verkaufte sich der Rover P5 sehr gut. Der Innenraum war einer der größten Pluspunkte des P5. Es kombinierte moderne Ergonomie mit traditionellem Mahagoniholz und Leder. Der P5 war hochwertig ausgestattet, sehr zuverlässig und sehr gut verarbeitet.

Nachdem die Entwicklung der Limousine abgeschlossen war, wurde bei Rover auch eine Coupé-Version des P5 entwickelt, die 1962 vorgestellt wurde. Das Ungewöhnliche an diesem Coupe war, dass es sich um ein Viertürer handelte, der eine deutlich flachere Linie als die Limousine hatte. Rover war also der Erfinder der jetzt von Mercedes, Audi und VW gebauten 4-türigen Coupes.

In den folgenden Jahren wurde der 3 Liter Motor überarbeitet und dadurch das Leistungsproblem behoben. 1962 wurde der Motor zunächst auf 128 PS gebracht, 1965 auf 134 PS. Die Fahrleistungen waren jetzt angemessen, aber nicht mehr.

Damit war der 3 Liter Motor an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit gestoßen. Die Rover-Ingenieure wollten aber mehr. Zunächst überlegte man, den 3 Liter Reihensechszylinder-Motor durch neu entwickelte Reihen 6- und Reihen 5-Zylinder-Motoren zu ersetzten. Rover hatte für den neuen Rover P6 schon neue 4-Zylinder-Motoren entwickelt. Diesen neuen Motor wollte man zu einer Motorenfamilie mit 4, 5 und 6 Zylinden ausbauen und im P5 und im P6 einsetzen.

Doch dann kam alles anders. Der Legende nach entdeckte der Rover-Geschäftsführer William Martin-Hurst 1963 auf einer Werft in den USA einen ausrangierten V8-Motor mit 3528 ccm Hubraum. Es handelte sich um einen Buick-Oldsmobile-V8, der von GM für neue Kleinwagen (!) 1960 entwickelt worden war. Er war mit einem Turbolader ausgestattet und leistete 200 PS. Allerdings hatte GM die Probleme des Motors mit der Zuverlässigkeit nicht lösen können. Daher wurde der Motor bereits 1963 wieder aus dem Programm genommen.

1964 kaufte Rover die Werkzeuge und die Rechte an diesem Motor von GM. Der Motor wurde von Rover dann stark überarbeitet. Man verzichtete auf den Turbolader, verbesserte die Gusstechnik und die Kühlung und erhielt schließlich einen äußerst zuverlässigen und sehr leichten V8-Motor mit hohem Leistungspotential. Der V8 war 100 kg leichter als der alte Sechszylinder-Rover-Motor im P5 und nur 12 kg schwerer als der neue 4-Zylinder-Motor im Rover P6.

Der P5 war der erste Rover der den neuen V8 verwenden sollte. Der P5 hatte einen großen und geräumigen Motorraum. So war der Einbau des neuen Motors kein größeres Problem. Der V8 leistete im Rover P5 zunächst 160 PS, dann auch 184 PS. In Verbindung mit dem jetzt geringeren Gewicht erzielte der Wagen fantastische Fahrleistungen bei gleichem Kraftstoffverbrauch wie der alte Sechszylinder. Der Rover P5B wurde unter der Bezeichnung „3,5-litre“ im Herbst 1967 eingeführt. Das B stand dabei für Buick als Herkunft des Motors. Die Produktion des Rover P5 3-litre wurde gleichzeitig eingestellt.

Mit einem leichteren Motor verbesserte sich das Handling des P5B massiv. Rover besaß jetzt eine hervorragende sportliche Limousine, die eine direkte Konkurrenz für Jaguar und Mercedes-Benz war. Rover hatte eine Produktion von 85 Autos pro Woche vorgesehen. Die Produktion musste aber bald verdoppelt werden, um alle Aufträge zu erfüllen. Der P5B wurde bald das bevorzugte Fahrzeug der Regierungsvertreter. Jeder britische Premierminister von Harold Wilson bis Margaret Thatcher verwendet einen Rover P5B. Unvergessen ist der Dienstantritt von Margret Thatcher 1979 in einem Rover P5B in der Downing Street No. 10.

1968 wurde Rover Teil von British Leyland (BLMC). Dies war für Rover zunächst kein Problem. Man hoffte, dass man auf Synergien im Konzern zurückgreifen könnte. Da Rover immer Gewinne gemacht hatte, glaubte man sich in einer starken Position. Doch hier verschätzte sich das Rover-Management. Der Rover P5 Nachfolger P7 durfte nicht weiterentwickelt werden und auch der Rover P8 durfte nicht produziert werden, obwohl bereits teuer die Produktionsanlagen in Solihull installiert worden war. Das BLMC-Management hatte – wohl berechtigt – Sorgen, dass Rover mit den sehr guten neuen Modellen Jaguar viele Kunden wegschnappen könnte. Deshalb musste Rover auf das Segment in der Oberklasse verzichten. Ein schwerer Fehler des BLMC-Managements!

Der letzte Rover P5 von insgesamt 70.492 wurde am 22. Juni 1973 gebaut. Bis zur Einführung des Rover SD1 im Jahr 1976 musste sich Rover aus der Oberklasse verabschieden. Auch gelang Rover mit dem Leyland-Produkt SD1 kein echter Wiedereinstieg in diese Klasse. Mit den Fahrzeugen Rover P5B bis Rover P8 hatte Rover eine einmalige Chance, sich als Hersteller sportlicher und zuverlässiger Fahrzeuge dauerhaft zu etablieren. Diese Chance machte das BLMC-Management zunichte.

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2 Antworten zu Rover P5 (1958 bis 1973)

  1. Herbert Hürsch schreibt:

    What a beauty. Reminds me a little of the Volvo 164. Actually it rather looks like a mixture of an Amazone and 164. I recall how I once strolled around a P5 as a teenage boy. It was the very first time I saw one. Looked at it from every possible angle and really, really liked it. I am going to have another cup of tea, now.

  2. tremonia schreibt:

    Die Entscheidung, dass Rover den P7 nicht weiterentwickeln und den P8 nicht produzieren durfte, war eine von vielen krassen Fehlentscheidungen des BLMC-Managements, die mit dafür gesorgt haben, dass von der einst so stolzen britischen Autoindustrie mit vielen Traditionsreichen Marken nur sehr wenig übrig geblieben ist. P7 und P8 hätten den deutschen Premiummarken BMW und Mercedes das Leben schwer machen können. Rover hätte sich so auch dauerhaft als Premiumhersteller etablieren können…..Schade, dass das BLMC Management damals so wenig Weitsicht hatte…

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