Saab: Neue Infos aus Schweden aber noch keine Entscheidung

Die zunächst gesetzte Deadline der Insolvenzverwalter – der 31. Mai – läuft in wenigen Stunden ab, eine Entscheidung über den Käufer von Saab ist wohl noch nicht gefallen. Dafür gibt es jetzt weitere Informationen über den Verkaufsprozess. Victor Muller befindet sich seit Mittwoch in Schweden, will sich aber nicht zum Grund seines Aufenthalts äußern. Hierzu gibt es in der Presse einige Mutmaßungen. Wahrscheinlich ist, dass auch Victor Muller als Vorstandsvorsitzender der Noch-Saab-Mutter Spyker einige Rechtshandlungen vornehmen muss, um den Verkauf von Saab abzuschließen.


Zusätzlich gibt es aber weiterhin Gerüchte, dass Spyker die Fertigungsrechte des 9-5II weiter wahrnimmt und unter Umständen eine Auftragsproduktion für den Käufer von Saab ausführen könnte (vgl. hier). Diese wäre natürlich eine interessante Wendung in der Saab-GM-Geschichte und wäre sicher eine große Genugtuung. Allerdings halte ich diese Möglichkeit für sehr unwahrscheinlich.

Interessant ist auch die Information, dass der Designer des Saab 9-3III, Jason Castriota, für sein Design eine Lizenzgebühr pro gebautem Saab 9-3III erhalten wird. Nun mag man darüber streiten, ob diese „Zusatzausgabe“ tatsächlich notwendig. Aber für mich ist diese Nachricht sehr positiv. Denn eine solche Vereinbarung wird man nur vereinbaren, wenn der Käufer von Saab auch den Saab 9-3III in der geplanten Form bauen will. Das halte ich schon mal für eine großartige Nachricht.

Nach den aktuellen Informationen ist wieder völlig offen, wer der Käufer von Saab wird. Von Mahindra ist weiterhin nichts zu hören, dafür aber wieder von Youngman. Youngman bietet wohl 400 Mio. Euro für Saab inklusive Saab Parts. Dies gefällt natürlich der Reichsschuldenverwaltung. Zwar kann die Reichsschuldenverwaltung nicht direkt Einfluss auf den Verkaufsprozess nehmen, aber die Insolvenzverwalter müssen im Interesse der Gläubiger handeln. Und wenn ein Angebot deutlich besser für die Gläubiger ist als ein anderes, dann müssen die Insolvenzverwalter Argumente wie das bessere Konzept oder ähnliches hinten anstellen. NEVS hat nach einigen Berichten lediglich ca. 170 Mio. Euro für Saab ohne Saab Parts geboten. Sollte dies stimmen, wäre das Angebot deutlich schlechter als das von Youngman und die Gläubigerinteressen wären auch schlechter erfüllt als beim Youngman-Gebot. Zumindest müsste Saab Parts dann aufwändig extra verkauft werden wobei der Erlös dann wieder fraglich ist. Und Youngman konnte nun auch nachweisen, dass man die gebotene Summe besitzt. Zusätzlich sollte man bedenken, dass der Wert des Saab-Vermögens sehr vorsichtig von den Insolvenzverwaltern auf ca. 320 Mio. Euro (inklusive Saab Parts) taxiert wird. Insgesamt sieht da das NEVS-Gebot nicht mehr so toll aus.

Vorteil Youngman? Oder gibt es am Ende mit Mahindra einen lachenden Dritten? Und dann ist natürlich noch die Frage, welche Informationen stimmen und welche nur lanciert wurden, um einen anderen Bieter unter Druck zu setzen. Die Spannung bleibt bestehen. Eine Entscheidung scheint in der Luft zu liegen, aber Favoriten kann man nicht (mehr) ausmachen!

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4 Antworten zu Saab: Neue Infos aus Schweden aber noch keine Entscheidung

  1. Karl schreibt:

    Im Laufe des 30.5. setzte sich bei mir, nach dem ersten goßen entsetzen über die NEVS Gerüchte, immer mehr die Meinung durch, es sind wohl nur gezielt lancierte Meldungen um Bewegung, in vermutlich, festgefahren Verhandlungen zu bringen.
    Wenn noch Luft drin ist, dann muß ein guter Insolvenzverwalter alles versuchen noch ein paar Kronen heraus zu holen. Scheinbar ist es auch gelungen, wie man an Youngman sieht. Vielleicht hat Mahindra ja schon nachgezogen?
    Nachbemerkung zum NEVS-Angebot.
    Wer ensthaft an Saab Interesse hat, der muß zwangsläufig auch für Saab Parts bieten, denn hier wird das Geld verdient.
    Wie sagte ein Mitglied der Geschäftsleitung in Nyköping vor rund 30 Jahren zu mir „Saab ist zu klein um am Bau von Autos Geld zu verdienen, aber jeder Saab mehr auf der Straße ist ein sicheres Geschäft über Jahre für uns. Mit den Ersatzteilen verdienen wir unser Geld.“

    Wer sich das entgehen läßt, der will das Unternehmen ausschlachten, mehr nicht.

    • Herbert Hürsch schreibt:

      „Wer sich das entgehen läßt, …“

      Da ist ganz viel dran. Mein Saab-Händler ist nach wie vor ziemlich entspannt und hat noch immer keine andere Marke ins Programm genommen. Service und Teile sind ein gutes Geschäft.
      Wer das nicht mitnehmen möchte, der hat weder ein ernsthaftes Interesse an der Marke noch an den Saabfahrern oder -händlern. Auch bei mir ist so langsam die Erkenntnis eingesickert, dass ich von so einem Bieter niemals ein Auto kaufen würde. Vermutlich würde sich die Frage aber auch nie stellen, da solch ein Bieter kaum die Absicht haben kann, die Marke ernsthaft fortzuführen.

  2. Detlef Rudolf schreibt:

    Butter bei die Fische – wie der Norddeutsche in solchen Situationen zu sagen pflegt.

    Damit ist gemeint, dass genau dies Mahindra & Mahindra nun endlich den Fischen zugeben müßte – nämlich eine höhere Summe als Youngman-Lotus bieten und sich damit ebenso medienwirksam in Szene setzen.

    Voraussetzung ist natürlich der Wille, SAAB-Automobile auch wirklich in eine erfolgversprechende Zukunft führen zu wollen – dies ist im Augenblick eigentlich nur bei Youngman-Lotus zu erkennen.

    Bei NEVS ist dies mit der bisher angebotenen Kaufsumme am wenigsten feststellbar.

  3. Herbert Hürsch schreibt:

    „(…) Gerüchte, dass Spyker die Fertigungsrechte des 9-5II weiter wahrnimmt (…) Allerdings halte ich diese Möglichkeit für sehr unwahrscheinlich.“

    Wäre ja auch zu schön um wahr zu sein. Dann wäre ein 9-5 II SportCombi früher oder später mein. Für mich das schönste Auto seiner Klasse.

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