Weitere Infos und Anmerkungen zur aktuellen Lage

Heute erleben wir die Fortsetzung der dramatischen Ereignisse des letzten Freitags. So langsam gibt es mehr Informationen, die auch mehr Licht in die Geschehnisse der letzten Tage bringen können. Insbesondere gibt es weitere Informationen zum Übernahmeangebot von Pang Da und Youngman. Aktuell hat ja SWAN die Abkommen zum Einstieg der chinesischen Firmen Pang Da und Youngman gekündigt. Man befindet sich aber weiter in Verhandlungen.

Die chinesischen Investoren wollen Saab weiterhin ganz übernehmen. Youngman und Pang Da haben SWAN ca. 22 Mio. Euro für die Tochter Saab geboten. Dies entspricht dem aktuellen Börsenwert. Zusätzlich würden die Chinesen aber auch die Schulden von Saab bei den Zulieferfirmen, ca. 100 bis 150 Mio. Euro, mitkaufen. Nicht bezahlt würden aber die Schulden, die die Mutter SWAN gemacht hat. Für Victor Muller kann dieser Kaufpreis daher wohl nicht akzeptabel sein, da er für Saab deutlich mehr gezahlt hat, auf den SWAN-Schulden sitzen bleiben würde und damit mit einem hohen Verlust aussteigen müsste. Auch scheint der angebotene Kaufpreis trotz der Schulden von Saab sehr niedrig zu sein. Die Reichsschuldenverwaltung hatte Saab auf einen Wert von ca. 200 bis 250 Mio. Euro im Rahmen des EIB-Verfahrens geschätzt.

Diese Übernahme zu 100% entspricht natürlich nicht den bisherigen Absichtserklärungen. Bekannt wurde in den letzten Tagen, dass zwar die Kooperation beim Vertrieb verbindlich geregelt wurde, bei Einstieg von Youngman und Pang Da noch Ausstiegsmöglichkeiten bestehen, die erst nach Zustimmung der NDRC geschlossen werden sollten. Bisher sollten die Chinesen ca. 54% der Anteil von SWAN, also der Saab-Mutter, übernehmen und so nur indirekt Einfluss auf Saab nehmen können. Offensichtlich hat man jetzt aber bei dieser Konstellation in China Bedenken bekommen. Dies ist aus meiner Sicht nachvollziehbar. Warum sollte ein Investor nur 54% der Anteile bekommen und dann 100% der notwendigen Investitionen bezahlen? Diese Informationen erklären jetzt auch, warum die versprochenen 70 Mio. Euro von Youngman zunächst nur tröpfchenweise und dann gar nicht mehr geflossen sind. Angeblich hat Youngman in den letzten Wochen nur ca. 5 Mio. Euro gezahlt. Auch scheint man in China wohl das Vertrauen in die Person von Victor Muller verloren zu haben.

Aktuell verhandeln die Parteien weiter. Dabei geht es auch weiterhin um eine vollständige Übernahme. Es scheint so, also würde Victor Muller nicht grundsätzlich einen 100%-Verkauf ausschließen. Trotzdem verhandelt er parallel auch noch mit der Investmentfirma North Street Capital. Hier gibt es jedoch keine Informationen. Auch ist nicht sicher, ob die von North Street zum 21. Oktober versprochenen Gelder überhaupt geflossen sind.

Bei der 100%Übernahme gibt es aber auch noch weitere Probleme. Bisher wissen wir nicht, wie die chinesische Regierung, sprich die NDRC, die schwedische Regierung und die EIB dazu stehen. Nach den Vorkommnissen der vergangenen Wochen scheinen diese Stellen aber einer vollständigen Übernahme von Saab eher positiv gegenüber zu stehen.

Fraglich ist auch, wie sich der Inhaber der Namensrechte von Saab, das Rüstungsunternehmen Saab AB, bei einer vollständigen Übernahme verhalten wird. Nicht bekannt ist, wie genau die Namensrechte an die Saab Automobile AB lizensiert sind. Fällt die Lizenz bei einer vollständigen Übernahme weg? Hier gibt es leider keine Infos. Ich würde jedoch eher auf „nein“, also auf einen Fortbestand der Lizensierung, tippen. Bei der Übernahme von Saab durch Spyker gab es keine Probleme mit den Namensrechten. Auch als vor kurzem die Geschichte mit der möglichen Saab-Insolvenz begang gab es die Information, dass die Namensrechte nur bei einer Insolvenz an den Eigentümer zurückfallen und ansonsten für Saab weiterbestehen.

Fraglich ist auch das Verhalten von GM. GM besitzt noch eine Wandelanleihe im festgeschriebenen Wert von 386 Mio. US-Dollar (ca. 248 Mio. Euro). Diese kann 2016 in Anteile an SWAN – nicht an Saab – umgewandelt werden. Als es noch um den Antonow-Einstieg ging, war GM bereit, diese Anteile für ca. 90 Mio. Euro zu verkaufen. Unklar ist, was bei einer 100%-Übernahme mit diesen GM-Anteilen passieren wird. GM wird wohl kein Interesse haben, 2016 Anteile an der leeren Hülle SWAN zu erhalten. Kein Problem würde wohl entstehen, wenn die Chinesen 100% von SWAN übernehmen oder GM ausbezahlen würden.

Ein weiteres Problem sind die GM-Techniklizenzen. 9-3II, 9-4X und 9-5II bauen auf GM-Plattformen auf und benutzen teilweise GM-Technik. Erst der 9-3III wird wieder ein „echter“ Saab sein, an dem Saab alle IP-Rechte direkt besitzt. Victor Muller hat gestern mit Vertretern von Youngman telefoniert und darauf hingewiesen, dass bei einer 100%-Übernahme die GM-Lizenzen wegfallen könnten und Saab erst zum MY 2014 wieder Fahrzeuge (den 9-3III) produzieren und verkaufen könnte. Dies scheint mir aber eher Verhandlungstaktik zu sein. GM verdient zur Zeit mit Saab Geld, wenn Fahrzeuge mit lizensierter GM-Technik verkauft werden. Warum sollte man das bei einem Eigentümerwechel unterbinden. So neu ist ja die GM-Technik nicht. Die nächsten Modelle kommen ohne GM.Lizenz aus, so dass diese Gelder für GM wegfallen. Warum schon jetzt darauf verzichten?

Mir scheint, dass alle Beteiligten mit sehr hohem Einsatz pokern. Mal sehen, wie weit die Beteiligten dabei gehen. Zumindest scheinen Pang Da und Youngman ein erhebliches Interesse an Saab als „vollständiger“ Firma zu haben. Aufgrund der ganzen Verwicklungen glaube ich nicht, dass die Chinesen Saab erst in der Insolvenz aufkaufen werden. Dies ist zu riskant, da Saab wohl nicht mehr als Einheit gekauft werden könnte, die wertvollen Mitarbeiter verloren gehen und Namens- und Produktlizenzen verloren gehen. Aber man ist gewillt, bis zur letzten Sekunde zu pokern. Hoffentllich geht das gut!

Sinnvoll wäre es, dass alle Beteiligten an das Wohl der Firma Saab denken würden. Denn nur dann kann auch jeder Beteiligte einen Vorteil haben. Zwischenzeitlich glaube ich, dass in der jetzigen Situation Youngman und Pang Da Saab vollständig übernehmen sollten. Meine Bedingung dafür wäre aber, dass die Produktionsstätten, die Produktion, die Entwicklung und die Mitarbeiter in Trollhättan gehalten werden. Volvo wäre bisher ein Beispiel. Wichtig ist auch, dass die versprochenen Investitionen an Saab fließen und sehr bald mit der Produktion begonnen wird. Alle bisherigen Infos zeigen mir, dass Saab extrem gute Mitarbeiter hat, die sehr viel leisten und bewegen können, wenn man sie nur lässt! Zusätzlich sollten die Chinesen Victor Muller ein akzeptables Angebot unterbreiten. Victor Muller hat Saab 2009 gerettet. Ohne ihn würden wir heute nicht mehr über Saab diskutieren. Allerdings verfügt Muller nicht über die Finanzmittel großer Konzerne, was zur aktuellen Lage geführt hat. Insofern wäre ein faires Angebot, dass den aktuellen Wert von Saab unter Berücksichtigung der oben dargestellten finanziellen Verflechtungen von SWAN darstellt, angemessen. Und dann könnte man sich in Trollhättan auch wieder mit dem wichtigsten beschäftigen: Dem Produzieren toller Saab-Fahrzeuge.

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