Saab und Hawtai: Chancen und Risiken

Nachdem innerhalb kürzester Zeit das wochenlange Warten ein Ende hat und die finanziellen Probleme auch langfristig gelöst erscheinen, möchte ich mir einmal die Verbindung von Saab und dem chinesischen Autohersteller Hawtai genauer anschauen. Natürlich fehlen noch die Zustimmung von Regierungen und EIB. Ich hoffe jedoch, dass es daran jetzt nicht scheitern wird. Es wäre schon kurios, dass man von staatlicher Seite aus private Gelder ablehnt, eine Firma dadurch ruiniert und dann die Steuerzahler für hohe Summen an Steuerausfällen und Sozialzahlungen gerade stehen müssen.

Interessant finde ich, welche Möglichkeiten sich ohne den Klotz GM und Opel für Saab auftun. Saab war unter GM lange Zeit finanziell abgesichert. Aber mehr passierte auch nicht. Man war in einem trägen Großkonzern gefangen. Da war es zwar recht bequem, aber man konnte nicht agieren und sich entfalten. Innovationen waren nicht das Thema von GM. Dies ist jetzt anders. Das Leben ist für Saab viel riskanter geworden. Ein Fehler wird sofort gefährlich, wie die Zahlungsprobleme gezeigt haben. Aber man ist gleichzeitig so wendig, dass man innerhalb kürzester Zeit ganz neue Wege beschreiten kann. Wenn man sich dann noch die technischen Entwicklungen im letzten Jahr anschaut – mit der GM-Opel-Verbindung hätte es dies nie gegeben. Opel wollte ja noch nicht einmal verbrauchsarme Dieselmotoren, die Saab schon 2008 entwickeln wollte.

Aber welche Chancen ergeben sich neben dem Zufluss von 150 Mio. Euro aus China jetzt aus dem neuen Joint-Venture mit Hawtai?

Auch wenn manchen der Einstieg von Hawtai nicht gefällt; der Status als Anteilseigner führt dazu, dass Hawtai ein langfristiges Interesse an einer Zusammenarbeit mit Saab hat. Dies bedeutet, dass neben diesen 150 Mio. Euro auch langfristig lukrative Geschäfte für Saab wahrscheinlich sind. Hawtai ist eine großer chinesischer Mischkonzern, der erst spät ins Automobilgeschäft eingestiegen ist. Eigene Entwicklungen gibt es kaum. Hier liegt die Chance für Saab, langfristig lukrative Entwicklungsaifträge aus China zu erhalten. Gleichzeitig ist Hawtai als Konzern stark genug, solche Entwicklungen langfristig zu finanzieren. Damit lohnen sich auch für geringe Stückzahlen wie bei Saab teure Entwicklungen, wenn man diese auch noch an einen Partner in China verkaufen kann.

Gleichzeitig kann Saab für den chinesischen Markt einen Produktionspartner gewinnen, ohne selbst Geld in Produktionskapazitäten in China stecken zu müssen. Geplant ist, ab 2013 in einer chinesischen Hawtai-Fabrik den neuen Saab 9-3III für den chinesischen Markt zu fertigen. Zusätzlich hat man auch Zugriff auf das Vertriebsnetz von Hawtai in China. Damit ist für Saab mit geringen finanziellen Mitteln ein größerer Einstieg in den chinesischen Markt möglich.

Saab hat über Hawtai auch Zugriff auf modernste Diesel-Technologie. Hawtai fertigt in Lizenz Diesel-Motoren, die von VM Motori in Italien entwickelt wurden. Interessant ist dabei, dass darunter auch der einst im Auftrag von GM entwickelte 2,9 Liter V6-Diesel mit 250 PS ist. Dieser Motor sollte eigentlich auch im Opel Insignia und im Saab 9-5II verwendet werden. 2009 brach GM die Entwicklung aufgrund von Geldknappheit ab. VM Motori entwickelte den Motor fertig und vertreibt ihn über Lizenzen. Mal sehen, ob er jetzt wieder den Weg in den 9-5II finden wird.

Ein Risiko ist bei Geschäften mit China immer, dass geistiges Eigentum gestohlen wird. Dieses Risiko bei den jetzt bekannt gewordenen Details des Joint-Venture aber gering, da Saab vornehmlich als Entwicklungspartner von Hawtai in Erscheinung tritt. Saab wird gemeinsam mit und für Hawtai neue Technologie und vielleicht auch ganze Modelle entwickeln. Dafür investiert Hawtai, wird Teileigentümer und wird auch zukünftig bezahlte Leistungen von Saab beziehen. Dabei wird Hawtai natürlich auch geistiges Eigentum erhalten, aber dafür hat man ja auch bezahlt. Für den Diebstahl geistigen Eigentums besteht also kein Anlass.

Natürlich muss man auch zukünftig die Wünsche des neuen Miteigentümers Hawtai berücksichtigen. Dies wird in der Zukunft sicher auch einmal zu Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen führen. Saab wird nicht mehr ganz so frei agieren können wie bisher. Hier muss man abwarten, wie hier Ost und West zusammenarbeiten.

Wichtig ist mir, dass nicht die Fahrzeugproduktion ganz nach China verlegt wird. So sinnvoll die Produktion von Saab-Modellen in China für den chinesischen Markt oder auch den asiatischen Markt ist, hätte die Trennung der Produktion und der Entwicklung in Trollhättan auch wirtschaftliche Nachteile. Saab besitzt in Trollhättan eine der effizientesten Fabriken Europas. Saab schafft es im Gegensatz zu den meisten Herstellern, auch mit vergleichsweise geringen Stückzahlen (80.000 p.a.) in die Gewinnzone zu kommen (diese Stückzahlen müssen natürlich noch erzielt werden). Auch ist laut Saab die Nähe von Entwicklung und Produktion wichtig. So können neue Entwicklungen auf dem „kurzen Dienstweg“ produktionstechnisch optimiert und zur Serienreife gebracht werden.
Eine wichtiges Verkaufsargument ist auch, dass Saab ein typisch schwedisches Auto mit typisch schwedischen Eigenschaften ist. Ein China-Saab lässt sich daher den eingefleichten Saab-Käufern in Europa und Nordamerika nur schwer vermitteln.

Ich habe da jedoch wenig bedenken! Victor Muller hat mehrfach der Presse mitgeteilt, dass man mehr Saabs verkaufen kann, wenn sie in Schweden produziert werden.

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