Das Ende der Elektro-Euphorie(?)

Die Enttäuschung bei vielen Saab-Fans war nach dem Verkauf von Saab im Juni 2012 groß. Der Saab-Käufer NEVS setzte im Sommer 2012 voll auf elektrische Fahrzeuge. NEVS wollte die Saab-Fabrik in Trollhättan alleine mit E-Fahrzeugen, die vor allem in China verkauft werden sollten, auslasten. Schon damals erschien vielen Saab-Fans – darunter auch mir – diese rudimentären Planungen für völlig unsinnig und finanziell nicht tragfähig. Und ich halte einen solchen Businessplan auch weiterhin für nicht überlebensfähig. Doch zwischenzeitlich haben sich anscheinend die NEVS-Pläne geändert und man prüft zumindest konventionell angetriebene Versionen des Saab 9-3II und schließt auch konventionelle Versionen bei den Neuentwicklungen nicht mehr ganz aus.

Es hat sich also einiges getan bei NEVS. Offensichtlich hat die Führung bei NEVS jetzt eine realistischere Einschätzung der Lage als im Sommer 2012. Das ist nicht nur für die Saab-Fans gut, die kein E-Fahrzeug wünschen. Auch NEVS hat mit einer realistischen Einschätzung der Kundenbedürfnisse eine bessere Chance zu überleben. Denn in der aktuellen Lage geht es bei NEVS beim sehr kostspieligen Abenteuer in der Autoindustrie zunächst darum, überhaupt finanziell ein Bein auf den Boden zu bekommen. Zwar steht NEVS nach dem Einstieg der Region Tsingtau (Qingdao) eine hohe Millionensumme – aber sicher keine Milliardensumme – zur Verfügung. Das ist nicht schlecht, wird aber bei einen solchen aufwändigen Investment trotzdem keine großen Sprünge erlauben.

Vielleicht hat zu dieser offensichtlich geänderten Einschätzung bei NEVS neben finanziellen Erwägungen auch die allgemeine Stimmung gegenüber Elektrofahrzeugen und gegenüber eine radikalen Energiewende beigetragen. Denn die Euphorie bei Elektrofahrzeugen scheint weltweit erst einmal vorbei zu sein. Bis vor kurzem gab es eine euphorische Stimmung gegenüber E-Fahrzeugen. Die Staaten überboten sich mit Phantasiezahlen, wieviele E-Fahrzeuge in den nächsten Jahren auf den Straßen unterwegs sein sollten. Die USA planten zum Beispiel bis 2015 1 Mio. E-Fahrzeuge auf die Straßen zu bringen, Deutschland bis 2020 1 Mio. Fahrzeuge. Aber offensichtlich haben die Politiker die Rechnung ohne den Kunden gemacht.

Denn die bisher angebotenen E-Fahrzeuge verkaufen sich nur sehr schleppend und die Hersteller fahren riesige Verlust ein. So verkauften sich u.a. der Opel Ampera mit 828 Einheiten, der Nissan Leaf mit 451 Einheiten und der Mitsubishi i-MIEV mit 96 Einheiten im Jahr 2012 in Deutschland nur in homöpathischen Dosen. Einzige Ausnahme ist das überdachte Elektroquad Renault Twizy, das es in Deutschland im letzten Jahr auf  2.359 Verkäufe gebracht hat. Trotzdem, die Autohersteller legen ihre E-Plane zunächst auf Eis – Audi hat zum Beispiel die gesamte eTron-Modellflotte eingestampft – und konzentrieren sich entweder auf den Hybridantrieb (BMW) oder die Brennstoffzelle (Mercedes).

Die Euphorie ist also vorbei. Auch die Regierungen haben ihre offiziellen Erwartungen heruntergeschraubt. Denn selbst mit großzügigen Förderungen wie in den USA sind nicht gerade viele Kunden zum Kauf eines E-Fahrzeugs zu bewegen. Ein E-Fahrzeug bleibt größtenteils das Spielzeug der Leute, die es sich problemlos leisten können und auf finanzielle Dinge keine Rücksicht nehmen müssen. Dies liegt hauptsächlich daran, dass selbst der letzte Bürger erkennt, welche hohen finanziellen Belastungen auf ihn zukommen. Die meistens extrem ideologisch geprägte Energiewende ist zuetzt aufgrund der hohen Strompreise in die Diskussion geraten. Deutschland kann seine Bürger trotz europaweit höchster Strompreise nicht mehr sicher mit Strom versorgen. Da vergeht dem Bürger die Lust am vermeintlich (allerdings aufgrund der Herstellung wohl nicht tatsächlich) umweltfreundlichen E-Auto.

Das Ende der Euphorie ist da, willkomen in der Realität! Das ist nichts schlechtes, man darf jetzt aber auch nicht ins Gegenteil verfallen. Vielleicht liegt auch nur ein „Zwischentief“ vor. Allerdings kann so ein Zwischentief einen kleinen Hersteller wie NEVS sofort das Genick brechen. Bei den obigen Absatzzahlen kann man erkennen, dass NEVS mit reinen E-Fahrzeugen kurz- und mittelfristig niemals auf einen grünen Zweig kommen würde, auch nicht bei einem (teuren) Export nach China. NEVS muss sich also mit der Produktion von konventionellen Saabs beschäftigen. Der Kurswechsel in den vergangenen Wochen ist also richtig. Und sinnvollerweise sollte NEVS dabei die Wünsche der Kunden beachten und nicht ihnen eine Art der Mobilität vorschreiben, die viele zumindest jetzt noch nicht wünschen. Die zumindest beabsichtigte Produktion des Saab 9-3II ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn sich bei mir beim „Projekt 9-3II“ noch ein paar wirtschaftliche Zweifel auftun.

P.S. Ich bin übrigens nicht gegen eine Energiewende und unterstütze sicher nicht die Kernenergie. Aber alles bitte unter Einschaltung des Gehirns, also nicht nur aus ideologisch-religiösen Gründen. Vielmehr muss die Energiewende in europäischer Zusammenarbeit und unter Berücksichtigung aller Belange der Bürger erfolgen.

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16 Antworten zu Das Ende der Elektro-Euphorie(?)

  1. turboseize schreibt:

    Solange Elektroautos keine vernünftige Reichweite haben wird sich daran auch nichts ändern. Beim Auto geht es ja nicht nur um Fortbewegung – das ginge in der Stadt mit dem ÖPNV oder dem fahrrad meistens sowieso schneller -, sondern um Flexibilität und Unabhängigkeit. Für ein Gerät das mangels Reichweite nur als U-Bahn oder Fahrradersatz taugt wird verständlicherweise niemand so viel Geld ausgeben wie für ein richtiges Kraftfahrzeug.
    Solange es also bei der Reichweite und der „Betankung“ keine bahnbrechenden Fortschritte gibt wird die flächendeckende Elektromobilität ein Hirngespinst bleiben.

  2. Herbert Hürsch schreibt:

    In meiner Nachbarschaft gibt es einen der letzten produzierten 9-3 II SC. Ein schickes Auto, an dem ich gerade heute wieder vorbeigekommen bin und kurz innehielt …

    … so eingekeilt wie er dastand war allerdings auch überdeutlich, dass er nach heutigen Maßstäben schon fast ein Kleinwagen ist.

    Und mal ehrlich, nachdem ich nun schon Jahre auf das Armaturenbrett von meinem 9-5 SC Facelift starre, wäre das Letzte was ich mir 2014 oder ’15 neu anschaffen wollte ein altbackener 9-3 II mit dem schon ewig gleichen Interieur. Ich habe mehr als „noch ein paar wirtschaftliche Zweifel“ am Projekt NEVS 9-3 II – mal ganz abgesehen vom Antrieb.

  3. Bumi schreibt:

    Wartet auf den i3 und i8 von BMW!!Wollen wir Wetten,das dann alle anderen wieder nachziehen werden???

  4. rg schreibt:

    Deutschland kann seine Bürger trotz europaweit höchster Strompreise nicht mehr sicher mit Strom versorgen…??? Wurde bei Ihnen der Strom bereits abgestellt? Jedenfalls klingt dieser Beitrag etwas nach geistigem Kurzschluss…
    Die Krise der E-Fahrzeugbranche hat handfeste technische Gründe. Die Fortschritte in der Akkutechnik sind nicht annähernd so groß wie vor wenigen Jahren noch erhofft, die Probleme nach wie vor riesig: Kosten, Haltbarkeit, Reichweite…

    • Dr. Thyl Engelhardt schreibt:

      Deutschland exportiert weiter munter Strom. Es kann nicht so schlimm sein. Allerdings wird eine Umstellung der gesamten PKW-Flotte auf äquivalente Elektrofahrzeuge (also nicht Kleinstwagen) den Stromverbrauch je nach Schätzung zwischen 20 und 40 % erhöhen. Ich sehe hier wenig flankierende Maßnahmen seitens der Politik, die Energiewende wird gerade mal wieder gebremst. Und konventionell erzeugten Strom für den Betrieb der E-Autos einzusetzen wäre vollständig absurd. Da wäre es wahrscheinlich noch besser, die Kohle zu Benzin zu synthetisieren. Wahrscheinlich haben die Verantwortlichen, unter ihnen auch eine promovierte Physikerin, weder Batterietechnik noch Energeiverbrauch zur Bewegung von reibungsbehafteten Massen verstanden. Derzeit beißt sich das Energiewende-Teilziel „Stromsparen“ massiv mit dem weiteren Ziel „Elektromobilität“.

  5. derGrazer schreibt:

    Bei aller Euphorie für Saab und deren hoffentliche Wiederauferstehung: Was soll man sich noch vom 9-3II erwarten? Die Grundform stammt von 2002, das ist heutzutage antik. Bis 2014 hat Audi im Vergleich vom a4 schon 3 neue Generationen herausgebracht. Es wäre vernünftiger, sich auf den 9-3III zu konzentrieren, als nochmals Geld für ein paar hundert verkaufte alte 9-3II auszugeben.
    Diese Modellzyklen funktionieren leider nur beim G und Defender, aber nicht in der Mittelklasse.

    • Dr. Thyl Engelhardt schreibt:

      Und leider hat sich Saab damals entschieden, den 9-3 II genauso groß (für mein Gefühl sogar etwas kleiner als) wie den 9-3 I zu machen, während die gesamte Konkurrenz bei gleichem Preisniveau größer geworden ist. In dieser Hinsicht zumindest war der 9-3 II schon 2002 veraltet und ich war auch recht enttäuscht.

  6. Peter schreibt:

    Klar! Energiewende mit Köpfchen? Was soll das sein?

    Ich bekomme die Argumente hier vorort mit. Jedes Windrad wird hinterfragt, jede Biogasanlage kaputtgeredet und Solaranlagen eingebremst. Immer mit den Argumenten: ist nicht bezahlbar, verschandelt die Umwelt, der Strom alternativer Anlagen kann jetzt schon nicht abgenommen werden usw. Aber keiner hat was gegen die Energiewende – aber so dochnicht.

    Es geht aber nur, wenn wir richtig Gas geben. Sonst verläuft alles im Sand und was machen wir dann? Methaneis aus den Meeren schürfen? Das Dilemma liegt nicht an den technischen Möglichkeiten. Es muss nur alles zusammengebracht werden. Und Elektroautos sind ein Teil davon. Sie wären übrigens auch ein guter Energiespeicher. Wenn ich die Diskussion hier verfolge, wundert es nicht, dass keiner E-Autos will. Natürlich kann sich im Augenblick nicht jeder ein solches Auto leisten. Aber so ist doch immer bei neuer Technologie. Die Menge macht den Preis.

    • tauentzien schreibt:

      Also ich finde es gut, wenn Bürger Entscheidungen der Politik kritisch hinterfragen und nicht jedes politische Großprojekt einfach mal so auf dem Rücken der Bürger autoritär durchgesetzt wird. Und ich sehe da keinen Unterschied zwischen riesigen Windkraftanlagen, Milliarden-Förderung für Solarenergie, Mega-Flughäfen oder unterirdische Großbahnhöfe. Lieber das Gehirn einschalten als alles akzeptieren!

      • Peter schreibt:

        Und nach dem Nachdenken sind Kernenergie und Kohlekraftwerke besser?

      • Dr. Thyl Engelhardt schreibt:

        Die Bürger werden entweder belogen oder dumm gehalten. Ich bin ein Befürworter der Energiewende, und ich weiß auch, was sie bedeutet, wenn nicht Kern_fusion_ uns zu Hilfe kommt. Nämlich irgendwas um die 200000 Windräder, über 10% der Fläche mit Solarzellen gepflastert, und zudem ein Energiemanagement mit Beschränkungen. Die meisten Leute waren aber entweder zu faul oder zu dumm, um auch nur den Taschenrechner zu zücken und mal ein paar Dreisätze einzutippen. Und jetzt regen sie sich auf, dass die Energiewende auch zu ihnen kommt (kommen muss!).

  7. Manfred au Salzburg schreibt:

    Manfred aus Salzburg

    ich kann nur auf meine Antwort vom 18.02. auf auf Deinen Blog vom 14.02. hinweisen. Damit gehe ich vollkommen konform mit Deiner Veröffenlichung vom 21. 02. „Ende der Elektro-Euphorie(?)“.
    In meiner Antwort habe ich noch weitere Gedanken allgemeiner Art angefügt …

  8. Guido aus München schreibt:

    Ich denke, die Ausgangslage für Elektroautos hat sich binnen kurzer Zeit (1-2 Jahre?) dramatisch geändert. Der lange Zeit kontinuierliche Anstieg der Spritpreise ist durch das Frackling gestoppt worden. Lt. Handelsblatt kostet Rohöl schon seit Monaten in den USA 20% weniger als bei uns. Lt. NZZ können mittelfristig die Ölpreise derart sinken, dass Norwegen Probleme bekommen kann, weil es zu teuer fördert. Will sagen: Der Öko-Gedanke etc. mögen weiter für das E-Auto sprechen, nicht aber die Geldbörse.

  9. tauentzien schreibt:

    Schade, dass bei einigen Themen in Deutschland immer gleich persönliche Angriffe erfolgen. Also haltet euch bittet etwas zurück, bleibt sachlich, höflich und akzeptiert die Meinung der anderen. Ich habe eigentlich keine Lust, (weitere) Kommentare zu löschen, werde dies aber ohne zu Zögern tun, wenn weitere ideologisch geprägte Angriffe und Provokationen kommen.

  10. Daniel Haberstock schreibt:

    Ich verstehe nicht, was das mit den E-Autos sein soll. Bei Top gear haben sie es mal auf den Punkt gebraucht. E-Autos sind wie Pferde, man fährt ein paar meter, und dann müssen sie über Nacht ruhen. Wasserstoff ist die Alternative der Zukunft – man fährt, tankt, fährt, tankt. Warum sind sie das Auto der Zukunft? Weil sie das auto von heute sind.
    Auch wenn manche E-Autos eine Theoretische Reichweite von 500km haben, bei 0°C hat eine Batterie nur 20% Leistung, das heißt ich käme nicht mal jeden Tag zur Arbeit damit. Ein Bekannter von mir fährt mit seinem E-Auto 1x pro Woche auf den Bio Markt, er kann im Winter nicht damit die Strecke fahren 😉
    Klar sind Spritfesser heute out, aber man kann heute sehr gute, sparsame Autos fahren die trotzdem Spaß machen. Und zum Spaßhaben kann man sich ja trotzdem ein kleines Spritfressermonster in die Garage stellen.

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