Kai Johan Jiang: Pressearbeit, schwere Arbeit

Kai Johan Jiang tut sich schwer mit der Presse. Seine Pressearbeit bzw. die Pressearbeit von NEVS steht unter einem schlechten Stern. Alles begann mit der Pressekonferenz bei der Bekanntgabe des Saabverkaufs am 13. Juni 2012 an. Hier stellte Jiang und NEVS das neue Geschäftskonzept für Saab vor. Jiang dachte wohl, dass alle Welt in Begeisterung ausbrechen würde.

Neue Umwelttechnologie und tolle neue Elektrofahrzeuge, die wie zum Beispiel bei Fisker, auf Begeisterung stoßen sollten. Nicht bedacht hatte Jiang aber wohl, dass man die eher feindliche schwedische Presse nicht mit einem unausgegorenen rudimentären Konzept, das auf viel zu optimistischen Annahmen aufbaut, überzeugen kann. Neben der Presse hatten auch viele Saab-Fans das Gefühl, dass das vorgestellte Konzept nicht tragfähig ist. Irgendwie fehlt da die Hälfte! Entsetzen machte sich breit.

Das Ergebnis dieses Nachmittags war, dass das Konzept von NEVS in der Presse und von den Saab-Freunden zu Recht verissen wurde. Zwei Aussagen blieben bei mir hängen: „Das Konzept ist so überlebensfähig wie ein Schneeball in der Hölle“ und „ich hätte niemals gedacht, dass man  jemanden auswählen würde, der noch weniger Erfahrung im Automobilbau als Spyker hat“.

Wer jetzt auf eine abgestimmte Presseoffensive von NEVS gesetzt hatte, sah sich getäuscht. Zunächst gab es „kein Kommentar“ und dann einen Artikel, in dem sich Jiang persönlich enttäuscht zeigte über die Reaktionen der Presse. Der nächste Fehler! Solche Interviews erzeugen eher den Eindruck von einem kindlichen Beleidigtsein und nicht den eines professionellen Geschäftsmanns, der weiß was er tut. Und solche Aussagen werden natürlich gerne von der Presse aufgenommmen, daher muss man bei jedem Satz vorsichtig sein. Kai Johan Jiang war es bei diesem Interview nicht.

Aber es ging noch weiter: Danach gab es tröpchenweise weitere negative Meldungen über NEVS bzw. Saab. Bisher noch keine Markenrechte, nur wenige Neueinstellungen, Youngman und BAIC behaupten, Lizenzrecht an der Phoenix-Plattform und am Saab 9-3II zu haben. Überall ungelöste Baustellen! Dazu passt als Reaktion dann auch die Aussage von NEVS, man habe lediglich einen Vorvertrag mit den Insolvenzverwaltern abgeschlossen und 18 Mio. Euro angezahlt. Bumm, das nächste Eigentor, das wieder die Frage der Finanzierung von NEVS und der Ernsthaftigkeit des Engagements aufgeworfen hat. Wie ernst kann man da NEVS noch nehmen? Schlechte Nachrichten werden durch schlechte Pressearbeit noch verstärkt.

Aber den letzten Streich hat Kai Johan Jiang gestern gelandet! Jiang äußert sich erstaunt, dass er den Zuschlag für Saab erhalten hat. Denn man habe sich gegen 13 Großkonzerne durchgesetzt und dabei bei weitem nicht das höchste Gebot gehabt. Wunderbar, das Haus brennt schon und man zündet jetzt noch den Keller an! Jiang kommt mir wie ein kleines Kind vor, dass sich über ein Ereignis freut und einfach mal zu plappern anfängt. Und er setzt noch einen drauf! Man wolle in 10 Jahren profitabel sein. Wie er das schaffen will, verrät er der Presse nicht. Und so kommt zusammen, was zusammengehört. Ein unausgegorenes Konzept, eine fragliche Finanzierung und eine völlig überoptimistische Planung ohne realistischen Hintergrund. Die schwedische Presse kann sich freuen, Saab dagegen leider nicht. Vielleicht hat NEVS ein gutes Konzept und eine realistsiche Planung für Saab. Aber pressemäßig haben Jiang und NEVS alles getan, um einen desaströsen Eindruck und eine pressemäßige Unprofessionalität zu hinterlassen. Und wie sieht die eigentliche Arbeit von NEVS aus, wenn man schon bei der Pressearbeit so unterirdisch arbeitet?

Als Reaktion muss Jiang jetzt aktiv werden. Natürlich kann er keine Internas verraten oder über laufende, aber noch nicht abgeschlossene Verhandlungen berichten. Aber ein sinnvolles Gesamtkonzept muss Jiang darlegen, ansonsten werden NEVS und Jiang weiterhin von der Presse „abgeschossen“ werden, und das zu Recht. Denn Pressearbeit ist ja kein Selbstzweck. Es geht darum, zukünftige Kunden zu informieren, Vertrauen in die neue Firma aufzubauen und von den zukünftigen Produktion zu überzeugen. Von einer solchen Pressearbeit sind NEVS und Jiang aber meilenweit entfernt.

Vielleicht sollte sich Herr Jiang einfach mal etwas zurückhalten, sich in Pressearbeit weiterbilden und eine leistungsfähige Presseabteilung aufbauen. Bisher waren seine Auftritte nicht überzeugend und haben mehr Schaden als Nutzen für NEVS angerichtet. NEVS und damit Saab bleiben bleiben weiterhin pressemäßig negativ besetzt. Und ohne positive Presse wird NEVS nicht erfolgreich werden können.

Epilog: Nach der Aussage Jiangs geraten natürlich die Insolvenzverwalter in Erklärungsnot. Warum hat das geringste Gebot gewonnen und nicht das höchste? Bisher greift die schwedische Presse dieses interessante Thema leider nicht auf. Aber gerade hier ist eine Aufklärung notwendig!

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8 Antworten zu Kai Johan Jiang: Pressearbeit, schwere Arbeit

  1. Marcus schreibt:

    perfekte darstellung der situation!

  2. oller schwede schreibt:

    Ja da fragt man sich, wer da wohl im Hintergrund die Fäden zieht!!!
    (GM lässt grüssen)

  3. blueperformance schreibt:

    Wo ist der „I like it“ Knopf? So sieht momentan leider die Aussenwirkung aus.

  4. Peter schreibt:

    Herr Jiang sollte sich unbedingt VM als Pressechef einstellen. Hat zwar nie so richtig geklappt was er so alles an Pläne a und b und xy präsentiert hat , aber er hatte wenigstens was zu präsentieren . Und das zumindest kann VM sehr , sehr gut.

  5. URS schreibt:

    Die Insolvenzverwalter haben einen schlechten Job gemacht. Die folgenden Gründe sprechen für diese Aussage:
    – sie haben einem tiefen, nicht dem besten Angebot den Zuschlag gegeben
    – sie haben sich auf einen Vorvertrag und eine lächerlich tiefe Vorauszahlung eingelassen
    – sie haben das Konzept, Kauf -> Übernahme -> Weiterführung -> Finanzierung nicht geprüft
    (es war ja auch nichts brauchbares vorhanden)
    – sie haben die Finanzierung unzulänglich geprüft
    Es ist auch verwunderlich, dass über den Kaufpreis Stillschweigen vereinbart wurde. Mindestens alle Gläubiger müssen dazu informiert werden.

    NEVS selber, so glaube ich versucht jetzt Investoren zu finden um das rudimentäre Konzept zum laufen zu kriegen. Erst mit Investoren zusammen wird NEVS den Kaufpreis der Insolvenzmasse aufbringen können.
    Das ganze riecht schon stark nach Beeinflussung durch Dritte, Personen die nicht öffentlich in Erscheinung treten wollen. Es sieht ganz danach aus, dass jemand SAAB nicht mehr im Automarkt haben will.
    Da stellt sich natürlich die Frage wer das den sein kann:
    – Der Schwedische Staat?
    – GM?
    – ein anderer Autohersteller?

    Ich persönlich fand Youngman als ein sehr geeigneten Käufer für SAAB, den sie hätten das ganze Geschäft übernommen und haben auch den klaren Willen geäussert weiterhin Autos zu produzieren. Auch Youngman hätte schlussendlich Elektrofahrzeuge produziert, falls eine Nachfrage dafür auf dem Markt vorhanden sein würde.

    Es verwundert mich, dass die bisherigen Gläubiger noch nicht gegen die Insolvenzverwalter geklagt haben. Bisher besteht grad mal die Aussicht auf ca. EUR 18. Mio. anstelle von EUR 4-500 Mio.
    Die schlechte Pressearbeit von Kai Johan Jiang gehört da eher zum Konzept, als das sein Unvermögen wäre.

    • Saab 9-3 schreibt:

      Spätestens jetzt, wo raus ist welch lächerliche Summe NEVS bezahlt (18 Mio), oder angezahlt hat, müssten alle Fahnen auf Sturm stehen.
      Und das die jetzt Investoren finden müssen, um überhaupt den Kaufpreis zusammen zu bringen???
      Auf was warten noch die Zeitungen, die Gläubiger, die Arbeiter von Saab???
      Zerfetzt endlich diese Administratoren, macht diesen lächerlichen Vorvertrag umgehend rückgängig!
      Saab-Fans überall auf dieser Welt, vereinigt euch, um genügend Druck aufzubauen,
      um zu zeigen, dass wir damit nicht einverstanden sind!
      We are many-we are SAAB!

  6. Karl schreibt:

    Der Beitrag „Pressearbeit, schwere Arbeit“ trifft es genau.
    Alles weitere ist Spekulation.

    Folgendes allerdings möchte ich noch hinzufügen. Im Sommer ist Schweden nur beschränkt handlungsfähig. Vielleicht war es das Kalkül, dass das Thema Saab bis zum August durch ist.

    Kai Johan Jiang wirkt wie eine Marionette, ein schlechter „Schauspieler“ der für wen auch immer, den Macher spielen soll.

    Zur Pressearbeit und zum öffentlichen Auftritt gehört auch der lächerliche Internetauftritt. Wer mehrere hundert Millionen für den Kauf eines Unternehmens aufbringen will, sollte doch ein paar hundert Euros für eine professionelle Website haben. Auch entsprechende Texter gehören dazu. Ob Kai Johan Jiang anstatt einer Visitenkarte zu präsentieren, seine Kontaktdaten auf einen Bierdeckel schreibt?

    Beim Caixin-Interview hat man den Eindruck, Kai Johan Jiang hat mal so aus Spaß geboten und er hat den Zuschlag bekommen und versteht selbst nicht warum. Auf jeden Fall einen schallende Ohrfeige für die Konkursverwaltung.

  7. Frank schreibt:

    Weiß eigentlich jemand ob NEVS wirklich inzwischen das Grundstück zurückgekauft hat oder ist das auch nur so eine Absicht die zur angeblichen Realität und Wahrheit geworden ist.
    Ich glaube Jiang hat keine Ahnung was er da erzählt, ein Insolvenzverwalter darf nur zum höchsten Gebot verkaufen schließlich soll er das Vorhandene bestmöglich für die Gläubiger vermarkten.
    Oder aber Schweden ist schlicht und einfach eine Bananendemokratie gegen die Italien geradezu vor Unbestechlichkeit strotzt 😉

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