Neue Jobs für die Saab-Angestellten?

Zumindest für einen Teil der Saab-Angestellten gibt es persönlich gute Entwicklungen. Von 1.400 Saab-Verwaltungsangestellten und Ingenieuren haben 717 bereits eine neue Anstellung gefunden. 92% dieser Angestellten erhalten im neuen Job ein höheres Gehalt. Die Pressemeldung hört sich natürlich toll an und suggeriert, dass die Saab-Insolvenz für die Mitarbeiter ja eigentlich kein Problem ist. Aber welches Bild ergibt sich, wenn man sich diese Zahlen mal genauer anschaut?

Dann ergibt sich doch ein etwas anderer Eindruck. Saab bestand zuletzt aus ca. 3.500 Mitarbeitern. Davon waren ca. 1.400 Verwaltungsangestellte und Ingenieure. 2.100 Mitarbeiter arbeiteten in der Produktion.Die meisten dieser Mitarbeiter waren in Trollhättan tätig.

Auffällig ist zunächst eines: Die Produktionsarbeiter werden in der Meldung nicht berücksichtigt. Aus gutem Grund – diese werden kaum einen neuen Job gefunden haben. Ich schätze mal, dass von den ca. 2.100 Personen höchsten 200 bis 300 einen neuen Job haben. Einige werden noch in den Vorruhestand gegangen sein. Die Masse der Produktionsarbeiter steht aber weiterhin und wohl dauerhaft ohne Job da und hofft deshalb schon auf einen Neuanfang bei Saab.

Bei den „höheren“ Angestellten sieht die Lage differenzierter aus. Etwa 50% dieser Angestellten, also 717,  haben bereits einen neuen Job mit fast immer mehr Gehalt gefunden. Aber halt! Sind das tatsächlich „neue“ Jobs? In den letzten Wochen haben wir viel über Ausgründungen gelesen. Tatsächlich sind viele neue kleine Firmen entstanden, die das Know-How von Saab fortführen. Ob diese kleinen Firmen zukunftsfähig sind, muss sich aber erst noch erweisen. Daneben hat Saab Parts alleine 50 Ingenieure von Saab bei sich geparkt, diese Mitarbeiter stehen Saab wieder zur Verfügung. Diese Jobs bei den Ausgründungen und bei Saab Parts sind natürlich für die jeweiligen Mitarbeiter neue Jobs, aber eigentlich setzen sie ihre Arbeit bei Saab fort und auch diese Firmen hoffen teilweise, dass man bei einem Neuanfang von Saab wieder „mit im Boot“ ist.

Man sieht, so viele echte neue Jobs, die nicht von einem Fortbestehen des Automobilherstellers Saab abhängen, sind gar nicht entstanden. Zusätzlich sind ja überhaupt nur 50% der Verwaltungsangestellten und Ingenieure zu den sog. neuen Jobs gekommen. Und dies, obwohl höhere Angestellte und Ingenieure in Schweden im Gegensatz zu den einfachen Arbeitern gesucht sind. Eine richtige Erfolgsmeldung sieht anders aus, auch wenn sie zunächst so präsentiert wird. Weiterhin hängt der Arbeitsmarkt in Trollhättan und in der Region von der Zukunft des Autoherstellers Saab ab.

Auch wenn viele Saab-Mitarbeiter Saab noch zur Verfügung stehen ist das aus meiner Sicht aber kein Grund für die Insolvenzverwalter, lange abzuwarten. Die Insolvenzverwalter sollten jetzt trotzdem schnell handeln und eine Entscheidung zu treffen. Sonst werden immer mehr Mitarbeiter endgültig abwandern und Wissen und Erfahrung werden verloren gehen. Weiterhin steht der von den Insolvenzverwaltern angekündigte Termin 30. Juni 2012 für den Abschluss des Insolvenzverfahrens im Raum. Um diesen einzuhalten, muss natürlich viel früher eine Entscheidung über den Käufer von Saab fallen. Angekündigt war sie mal inoffiziell für April, aber ich befürchte, dass wir in den letzten Tagen des Aprils nichts hören werden. Am 8. Mai soll die nächste Pressekonferenz stattfinden. Vielleicht wissen wir dann mehr.

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