Saab: Muller und Lofalk treffen sich vor Gericht

Heute am 16. April fand der nächste Termin im Saab-Insolvenzverfahren vor dem Amtsgerichts Vänersborg statt. Die „Beglaubigung“ der Inventarliste der Insolvenzverwalter. Eigentlich eher eine harmlose Pflichtveranstaltung. Brisant war der Termin aus zwei Gründen. Zum einen trafen bei diesem Termin der ehemalige Saab-Chef Victor Muller und der ehemalige Saab-Administrator Guy Lofalk aufeinander. Lofalk steht aufgrund seiner Arbeit und des dafür erhaltenen hohen Honorars während des Rekonstruktionsverfahrens im Herbst 2011 in der Kritik, auch von Victor Muller. Zum anderen gibt es aufgrund des hohen Schuldenstandes teilweise Zweifel, ob die Vermögenswerte von Saab so korrekt oder vollständig sind.

Vor dem Amtsgericht Vänersborg hatten heute „Beteiligte“ die Inventarliste der Saab-Insolvenzverwalter zu bestätigen. Bei diesem Pflichttermin sollen die betroffenen Personen unter Eid bezeugen, dass das die Vermögensübersicht vollständig ist und weder Vermögensgegenstände oder Forderungen fehlen. Allerdings müssen die Zeugen dies nur beeiden, soweit “sie es wissen”.

Wer waren in diesem Fall die Beteiligten? Zunächst handelte es sich um die Saab-Manager Mats Fägerhag, Johan Formgren, Kristina Geers,  Fredrik Gyllefjord, Martin Larsson, Kjell ac Bergström, Michael Sandh, und Björn Petterson. Auch der ehemalige Saab-Finanzvorstand und ex-SWAN Vorstand Rob Schuyt hat sich heute in Vänersborg eingefunden. Und wie schon erwähnt sind bei diesem Termin auch Victor Muller und der ehemalige Saab-Administrator Guy Lofalk als Zeugen für die Vermögensübersicht aufeinandergetroffen.

Eine Überraschung gab es heute nicht bei diesem Termin. Alle geladenen Zeugen waren erschienen und bestätigten die Inventarliste. Allerdings machten einige der Beteiligten kleinere Änderungen geltend. Dabei ging es meistens jedoch um minimale Abweichungen. Daneben gab es noch einige kleine Diskussionen über das Bestehen von mehreren kleinen Forderungen gegen Saab.

Interessant war das Zusammentreffen von Victor Muller und Guy Lofalk. Einen echten Show-down gab es natürlich nicht, aber zwei kontroverse Sichtweisen trafen aufeinander. Muller bestätigte die Inventarliste, wollte aber zwei Ergänzungen: Zum einen, dass das Honorar von Lofalk eine Forderung gegen Saab und nicht gegen SWAN sei. Zum anderen wollte er einen möglichen Anspruch von Saab gegen Guy Lofalk wegen Schlechtleistung in die Inventarliste aufnehmen.

Guy Lofalk bestätigte ebenfalls die Inventarliste, wies die Forderungen von Muller jedoch zurück. Lofalk ist der Meinung, dass für sein Honorar SWAN und nicht Saab aufkommen muss. Auch will er den Insolvenzverwaltern weiterhin behilflich sein.

Lofalk hatte heute früh schon über die schwedische Presse seine Sicht der Dinge verkündet. Saab hätte aus Geldmangel kein Rekonstruktionsverfahren durchführen dürfen. Die Planung eines Einstiegs von Youngman und Pang Da sei von Anfang an unrealistisch gewesen, da GM niemals eine Zustimmung erteilt hätte. Youngman sei unzuverlässig gewesen und habe nie die versprochenen Zahlungen erbracht. Auch habe Muller ihn nie richtig informiert und habe sich nicht seinen Anweisungen untergeordnet.

Nun gut, das ist die Sicht von Guy Lofalk. Aus meiner Erinnerung lief die Geschichte im Herbst 2011 etwas anders ab. Lofalk blendet aus, dass auch er ziemlich viele Fehler gemacht hat, gerade in den Verhandlungen mit GM und Youngman. Insofern schätzt er also auch seine damals eigenmächtigen Planungen als völlig unrealistisch ein. Aber im Zweifel werden sich die Gerichte darum kümmern, für Saab selbst spielt das keine Rolle mehr.

Heute annwesend in Vänersborg waren übrigens auch Vertreter von BMW. Angeblich ging es um eine Forderung von BMW in Höhe von ca. 3 Mio. Euro aus der Lieferung von Testmotoren an Saab, die nicht in der Inventurliste enthalten war.

Morgen findet nach 14 Tagen wieder eine Pressekonferenz der Saab-Insolvenzverwalter statt. Möglich ist, dass wir bereits am morgigen Dienstag den Namen des Saab-Käufers erfahren. Allerdings kann es auch sein, dass wir noch weitere 14 Tage bis zur nächsten Pressekonferenz warten müssen.

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2 Antworten zu Saab: Muller und Lofalk treffen sich vor Gericht

  1. Stefan schreibt:

    Was ein Elend!
    Hoffentlich wird ein Käufer gefunden der wieder an die Tradition der Marke anknüpft!
    Ich drücke die Daumen

  2. sleeping beauties schreibt:

    Ein Blick in die Welt beweist das die Horror Nachrichten nichts anderes ist
    als Realität, und wir können nur noch hoffen für Saab

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