Victor Muller im Interview

Victor Muller hat sich am Rande einer Konferenz in Stockholm erstmals zur Saab-Insolvenz, zum anschließenden Bieterwettkampf, zu GM und zu dem von ihm unterstützen Interessenten Brightwell geäußert. Hier eine Zusammenfassung des recht interessanten Interviews der TTela.

Zunächst äußert sich Muller zum aktuellen Zustand bei Saab. Er stehe den Insolvenzverwaltern weiter zur Verfügung, sei aber schon seit längerem nicht mehr von ihnen kontaktiert worden. Muller geht davon aus, dass sich dies ändert, sobald Saab einen Käufer gefunden hat. Die Situation bei Saab sei jetzt nach drei Monaten Insolvenz schwierig. GM habe 2009 viel Schaden angerichtet, aber dies sei kein Vergleich zur jetzigen Situation. Viele gute Mitarbeiter hätten Saab verlassen. Muller glaubt, dass der neue 9-3III auf der Phoenix-Plattform 18 Monate bis 2 Jahre zur Markteinführung benötige. Saab habe hier eine bahnbrechende Entwicklung gehabt.

Warum GM jeden Einstieg von Investoren abgelehnt habe, ist für Muller nicht nachvollziehbar. Eine Investmentfirma wie Brightwell, die von Muller beraten wurde, habe ohne die aktuelle Saab-Modellpalette trotz guter Planungen keine Chance. Anders sieht er dies beim Mahindra-Konzern. Hier kann sich Muller durchaus eine Zukunft von Saab vorstellen.

Danach äußert sich Muller zu seiner eigenen aktuellen Situation. Er habe selbst 13 Mio. Euro an eigenem Vermögen investiert und verloren. Daneben sind mit der Saab-Insolvenz weitere 100 Mio. Euro an Investorengelder verloren gegangen. Aber er wolle sich jetzt auf Spyker konzentrieren. Es sei für ihn sehr schade, dass weder Saab noch Spyker auf dem Auto-Salon Genf vertreten gewesen sei. Aber Spyker werde nächstes Jahr in Genf wieder Fahrzeuge ausstellen. Die Finanzierung von Spyker sei deutlich einfacher. Er habe für Saab pro Woche 5 Mio. Euro benötigt, für Spyker würden 10 Mio. Euro im Jahr ausreichen. Bei Spyker könne man mit einer Person verhandeln und wäre zu einem Ergebnis gekommen. Bei Saab sei man nach zwei Wochen China ohne Ergebnis dagestanden.

Muller äußert sich noch zu Wladimir Antonow. Dieser sei unschuldig. Muller vermutet, dass Antonow der litauischen Regierung in die Quere gekommen sei oder einfach nur zu erfolgreich geworden ist.

Gut, das ist die Sicht von Victor Muller. Einige Aussagen muss man sicher mit Vorsicht genießen. Auffällig ist, dass nach den Anschuldigungen und der kurzen Untersuchungshaft von Antonow nichts weiter passiert ist. Keine Enthüllungen, keine bekanntgewordenen Straftaten, kein Prozess. Auch der Vorwurf der von seiner eigenen Bank gestohlenen Gelder hat sich nicht konkretisiert. Mal sehen, wie die Geschichte Antonow weitergeht. Falls jemand neue Infos im Antonow-Fall hat darf er mir gerne eine Email schicken.

Wie gesagt, Victor Muller hat hier lediglich seine Einschätzung dargelegt, die sicher etwas einseitig ist. Auf der anderen Seite bin ich auch kein Freund des stumpfsinnigen Victor Muller bashings, das einige betreiben. Victor Muller ist bei Saab gescheitert und er hat Fehler gemacht. Offensichtlich ist auch, dass er vielleicht Spyker fast alleine führen kann, aber Saab wohl zwei Nummern zu groß für ihn war. Aber keiner sollte behaupten, dass er in einer vergleichbaren Lage von Vorneherein besser gearbeitet hätte. Im Nachhinein gibt es immer viele kluge Leute, die schon immer alles viel besser wußten. Wir sollten niemals vergessen: Ohne Victor Muller hätte GM Saab schon Ende 2009 dicht gemacht und Saab wäre seit zwei Jahren Vergangenheit. Einige „Saab-Freunde“ mögen das bedauern, ich freue mich jedoch über das Überleben von Saab 2009 und hoffe weiterhin auf eine Zukunft von Saab als Autohersteller. Ob meine Hoffnungen erfüllt werden, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Neuigkeiten, SAAB abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Victor Muller im Interview

  1. Urs schreibt:

    Victor Muller ist wohl der grösste SAAB Fan, denn keiner hat sich so für SAAB eingestzt wie er und auch viel Risiko mitgetragen. Ohne ihn gäbe es SAAB heute nicht mehr. Jetzt besteht doch eine gute Chance dass die Marke überleben wird. Dafür hat er eigentlich ein Dankeschön und nicht Kritik verdient!

  2. bergsaab schreibt:

    wer etwas wagt kann scheitern, wer nichts wagt ist schon gescheitert…..

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s