Ein neuer Cadillac – diesmal nicht auf Kosten von Saab

GM hat ein neues „Premium“-Fahrzeug für den europäischen Markt herausgebracht. Den neuen Cadillac ATS. Laut Cadillac soll der ATS in der europäischen Mittelklasse für Furore sorgen. Das wäre jetzt kein Thema für mich, wenn es nicht schon mal ein ähnliches Projekt von GM gegeben hätte, dass von den Detroiter Bossen auf dem Rücken von Saab verwirklicht wurde. Aber zunächst ein paar Infos zum Cadillac ATS.

Der ATS wird von Cadillac als Leichtgewicht mit 1542 kg (!) Gewicht beschrieben. Angetrieben wird er vom bekannten und noch von Saab mitentwickelten 2,0 DI-Vierzylinder-Turbobenziner, hier in der Ausbaustufe mit 273 PS. Einen Dieselmotor gibt es nicht, aber wer will den denn schon in Europa?

Der Wagen basiert auf der GM-Alpha-Plattform und hat deshalb Heckantrieb. Dies führt zu einem Radstand von 2,77 m und zu einer Gewichtsverteilung von 50:50. Der Kofferraum fasst „großzügige“ 290 Liter.

Kosten wird der ATS ab ca. 30.000 Euro. Auf dem diesjährigen Genfer Salon wird er sein Europapremiere haben.

Wie man schon erkennt, kann ich diesen GM-Plan für die Eroberung von Europa nicht ganz ernst nehmen. An was erinnert mich das? Wollte GM nicht vor ca. 4 Jahren genau das gleiche? Damals gab es noch eine GM-Tochter Saab mit einer guten Fahrzeugbasis. Und plötzlich zauberten die Detroiter Erbsenzähler einen Cadillac BLS aus dem Hut. Damit wollte man Cadillac als Premium-Marke auf dem europäischen Markt etablieren.

Also beschloss man, dass Saab auf Basis des Saab 9-3II den Cadillac BLS als Limousine und Kombi entwickelt und dieser in Trollhättan produziert wird. Man glaubte damit, auf der Basis des 9-3II ein gutes Auto in Europa verkaufen zu können und gleichzeitig die Fabrik in Trollhättan besser auszulasten.

Es kam wie es kommen musste, der Cadillac BLS verkaufte sich schlecht und wurde Ende des Jahres 2009 vom Markt genommen. Natürlich musste die GM-Tochter Saab alle Verluste aus diesem GM-Abenteuer tragen und GM konnte weiter die Mär von der ewig verlustbringenden schwedischen Tochter bringen. Der Misserfolg war eigentlich in Detroit anzusiedeln, aber ausbaden musste es Trollhättan.

An sich schon ein ziemlich blödsinniges Ansinnen damals! Die GM-Führung in Detroit, Zürich und Rüsselsheim stellte damals einmal mehr ihre Unfähigkeit unter Beweis. Man hatte damals eine europäische Spitzenmarke wie Saab, die weltweit aktiv war. Diese wurde von GM systematisch vernachlässigt und beschnitten. Und dann will man 2007 mit viel Geld eine andere Marke mit miserablen Ruf und ohne flächendeckendes Händlernetz in Europa etablieren. Und das natürlich für GM möglichst kostengünstig!

Und jetzt das nächste Abenteuer ATS – also BLS reloaded. GM hat in den letzten 30 Jahren den europäischen Markt nicht verstanden und wird ihn offensichtlich auch zukünftig nicht verstehen. Der ATS mag kein schlechtes Auto sein, aber besonders gut erscheint er auch nicht. Es fehlt das gewisse etwas und auch das Markenimage von Cadillac ist bei der breiten Masse der Autokäufer eher unterirdisch bis gar nicht vorhanden. Man hätte recht einfach die Chance mit Saab gehabt, so etwas wie eine weltweite Premiummarke zu entwicklen. Dies hat man bei GM nie gewollt und man hatte und hat wohl auch nicht das Management in Detroit, das von Autos etwas versteht.

Wenn man Cadillac voranbringen will, dann braucht man die passenden Produkte, viel Zeit und viel Geld. Also genau die Voraussetzungen, die GM in den letzten Jahren in Europa nie erfüllen konnte oder wollte. GM hat Saab an die Wand gefahren und es sieht so aus, als ob Opel/Vauxhall als nächstes dran ist. Aber solange GM von amerikanischen Staatsgeldern am Leben gehalten wird, muss man sich in Detroit ja keine Gedanken machen oder tiefer ins Autogeschäft einsteigen!

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7 Antworten zu Ein neuer Cadillac – diesmal nicht auf Kosten von Saab

  1. Saab 99 schreibt:

    Du schreibst mir aus der Seele. Wie blöd sind die eigentlich ….

  2. Dr.Gerda Rampf schreibt:

    Man kann von Amerikanern, die NUR die USA kennen nicht erwarten, daß sie plötzlich Europa kennen. Ein „DurchschnittsUSamerikaner“ hört während seiner gesamten Schulbildung (und die öffentlichen Schulen sind extrem primitiv) nur von den USA. Er weiß überhaupt nicht, daß es außerhalb seines Landes noch etwas Anderes gibt. Technisch kann man nur abkupfern, man kümmert sich nicht um europ. Patente, man stielt ständig geistiges Eigentum und spielt trotzdem Weltmacht. Man kennt gegenüber anderen Völkern, die nach Ansicht der USA sowieso Untermenschen sind, nur Brutalität,………Man könnte lange darüber schreiben, aber es nützt soundso nichts!

    • blueperformance schreibt:

      Mir sind die Aussagen zu allgemein/ dem Volk sozusagen aufs Maul geschaut.
      Das ist die landläufige Meinung zu den Amerikanern. Aber sind wir Europäer soviel besser was Geographie und Allgemeinbildung angeht? Was wissen wir über die USA? Der allgemeine Deutsche ist schon froh wenn er Kalifornien und Florida richtig auf der Landkarte zuordnen kann. Wer frei ist von Sünden werfe den ersten Stein?
      Bei Patentrechtsverletzung fällt mir in bester Stammtischmanie nur China ein. Es ist aber bezüglich dem Vorwurf gegenüber amerikanischen Firmen (oder sind die agencies gemeint?) auch immer die Frage auf welche Bereiche und Länderzonen ein Patent angemeldet wurde und ob es in den USA gültig ist.
      Aber zum Verständnis für Europa kann ich nur zustimmen. Ich habe das selber in der IT Branche erleben dürfen. Cadillac/ GM ist hier scheinbar sehr erfahrungsresistent oder man verfolgt eine wahre Strategie, die sich uns (noch) nicht erschliesst.

  3. B. Koch schreibt:

    na ja da gibt es nicht viel zu sagen ausser es sind halt amis. das entschuldigt zwar nix, aber man versteht besser, wenn man die Geschichte anschaut, wer diese Menschen sind. sie sind entweder Leute die sich in Europa nicht nach oben arbeiten konnten, oder Leute, die zu Gierig waren und deshalb in den usa auch noch mal reich werden wollten.
    Also nur einfach gierige Menschen die ohne Rücksicht auf Verluste zur Macht und Geld kommen wollen. und schlechte Bildung macht auch mächtig. – Geschichte!

  4. blueperformance schreibt:

    Zufall oder nicht: Hirsch-Performance hatte doch mal einen 93 2.0 (war das noch ohne Direct Injection?), der diese Leistung hatte?
    Saab Performance 2010 Auto Salon Geneva (1)

  5. blueperformance schreibt:

    Ich kann es einfach nicht lassen und muss noch einmal hier einen Kommentar zum wiederholten Cadillac Europa-Versuch machen 😉
    Für mich stellt sich die Frage nach dem Ziel. Möchte man primär in den europäischen Markt eintreten (mit Volumen) oder sieht man das Engagement eher als Testmarkt und längerfristigen Imagebildung? Testmarkt hier auch im Sinne von heavy duty Markt Deutschland in Punkto Fahrzeugbelastung durch den Kunden.
    Der Cadillac BLS war damals ein Pathfinder Saab als Cadillac (typisches Rebadging nach GM Modell) weiter zu führen – das ist meine persönliche Meinung.
    Immerhin ist Cadillac der Brand bei GM mit einem markanten, eigenen Gesicht, auch wenn die gleichen Plattformen genutzt werden.
    Der Cadillac ATS kann als Modell (Versuchsballon für weitere Produkte) oberhalb OPEL angedacht sein (sog. Premium Segment), oder kann auch Cadillac als Nachfolger von OPEL bedeuten. Die Gedankengänge von GM lassen sich nicht immer sofort erahnen (zu einfach oder zu schwer nachvollziehbar, deswegen unlogisch).
    GM muss zuerst die Situation Händlernetz klären. Die war für Cadillac (in Europa) bisher desaströs. Wenn ich den (unter anderem) Cadillac Händler bei mir in der Firma um die Ecke sehe, dann Gute Nacht. Das ist ein Nebenbetrieb mit Multimarkencharakter. Im Hauptbetrieb kümmert sich um OPEL – auf ganz anderem Niveau. Man darf diesen einen Händler nicht verallgemeinern, aber für einen Händler ist Cadillac unter Umständen ein Risiko. Invest in eine Marke, die unter Umständen wieder leise verschwindet und den Händler nach seinem Invest (Schulung Mitarbeiter (Verkauf/ Werkstatt), Lagervorhaltung, Spezialwerkzeug, Testgeräte, Vorführwagen,..) zurück lässt. Man frage mal Cadillac BLS Kunden zum Thema Ersatzteilversorgung. Im Motor-Talk Forum hat sich ein solcher Kunde schon im Saab Unterforum verloren und wegen seinem Cadillac BLS über „seinen Saab Händler“ beschwert. Was passiert mit einem Cadillac ATS Kunden im worst case? Der Händler ist in der Sandwich-Position und bekommt den Druck ab; das Risiko trägt er so oder so.
    Was auch immer passiert, Cadillac wird kurzfristig keine grosse Rolle in Europa spielen – mittelfristig wahrscheinlich auch nicht. Ich frage mich nur wie die Welt-, Regionen- und dazugehörige Markenstrategie von GM aussieht.

  6. Robert Müller schreibt:

    290 Liter_ Kofferraum- oder Tankinhalt???

    Hahaha, ab auf den Schrott.

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