Die Saab-Bieter

Es wird es mal Zeit, sich mit den bisher bekannten Bietern für Saab im ganzen etwas näher zu beschäftigen. Welche Pläne haben sie mit Saab? Was spricht für und was spricht gegen die einzelnen Bieter? Ich möchte aus meiner Sicht mal die „Pros“ und „Kontras“ jedes einzelnen Bieters auf Grundlage der akuellen Informationen darstellen. Dies basiert zunächst auf den eigenen Aussagen jeden Bieters. Ob er diese dann einhalten wird, ist natürlich nicht sicher. Natürlich muss man in der jetzigen Situation froh sein, wenn überhaupt jemand an Saab Interesse hat. Trotzdem werde ich auch meine Einschätzung zu den einzelnen Bietern darstellen.

Welche Pläne hat Youngman?

Youngman will inTrollhättan wieder Fahrzeuge der Marke Saab bauen. Dazu will man das Werk in Trollhättan erhalten und zunächst über 1.000 der zuletzt ca. 3.000 Mitarbeiter weiterbeschäftigen. Daneben will man in einem Youngman-Werk in China Saab-Fahrzeuge herstellen. Youngman plant, auf der Phoenix-Plattform zukünftig Saab-Fahrzeuge in Schweden und China zu bauen. Auch könnten in Trollhättan Fahrzeuge der Marke Youngman-Lotus vom Band rollen.

Was spricht für Youngman?

Youngman hat von allen Bietern den besten Überblick über Saab. Stand man doch schon seit Mitte 2011 in intensiven Verhandlungen. Youngman hat die wichtige Unterstützung der chinesischen NDRC-Behörde. Youngman scheint finanziell stark zu sein. Wir erinnern uns, im Herbst 2011 gab es eine Überprüfung Youmgmans durch die NDRC, die zu Ergebnis kam, dass Youngman Saab sich finanziell leisten kann. Natürlich haben sich seit damals die Verhältnisse geändert, aber aufgrund der Unterstützung der NDRC scheint Geld kein Problem für Youngman zu sein.

Die Aussagen Youngmans über die zukünftige Entwicklung von Saab scheinen positiv zu sein. Auch ohne Lizenzen von GM will man zunächst den überarbeiteten 9-3II herstellen. Nach dieser Übergangszeit sollen auf der Phoenix-Plattform mehrere Modellreihen gebaut werden, zunächst der 9-3III.

Was spricht gegen Youngman?

Hier ist aus meiner Sicht das Stichwort „Vertrauen“ maßgeblich. Youngman macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Aber fraglich ist, ob wirklich alle Aussagen von Youngman so eintreffen werden. Youngman hat sich schon früher nicht an Absprachen gehalten. Versprochene Zahlungen trafen bei Saab nicht ein. Im Rekonstruktionsverfahren wollte man nicht die mit SWAN geschlossenen Vereinbarungen einhalten und setzte auf die Karte Lofalk. Die Liaison mit dem Saab-Administrator stellte sich als schwerer Fehler heraus. Auch hätta Youngman Saab deutlich günstiger und ohne Insolvenzverfahren zu besseren Konditionen als heute haben können. Youngman erscheint mir deshab vom Management her auch nicht so geeignet zu sein.

Auch die Informationen über das Eröffnungsgebot lassen den Eindruck entstehen, Youngman versuche, wieder Spielchen zu spielen. Warum bietet man einen unangemessen niedrigen Kaufpreis, obwohl klar ist, dass die schon abgegebenen Teilgebote nicht erreicht werden. Ist das nur Verhandlungstaktik oder steckt mehr dahinter? Fragwürdig ist auch die Aussage, dass man den 9-3II innerhalb von 15 Wochen GM-frei umkonstruieren könnte. Dies alles weckt Zweifel an der Ernsthaftigkeit von Youngman, Saab auch tatsächlich zu erhalten.

Welche Pläne hat Brightwell?

Die Pläne von Brightwell sind nicht im Einzelnen bekannt. Wir wissen, dass Brightwell die aktuelle Modellpalette von Saab – also auch den 9-5II und den 9-4X -in Trollhättan weiterproduzieren bzw. von GM in Mexiko bauen lassen will. Brightwell geht davon aus, in Verhandlungen mit GM die dafür notwendigen Lizenzen von GM zu erhalten. Laut Aussage von Brightwell könne man jedoch auch ohne GM-Lizenzen auskommen.

Was spricht für Brightwell?

Brightwell ist eine türkische Investmentfirma, die auch in den Niederlanden einen Sitz hat. Angeblich besitzt Brightwell auch die Finanzkraft, um Saab zum Erfolg zu führen. Brightwell war bereits im Sommer 2011 an Saab interessiert, kam damals aber nicht zum Zuge. Brightwell hat daher einen gewissen Einblick in die Saab-Verhältnisse. Brightwell besitzt angeblich die Unterstützung der türkischen Regierung. Die Türkei entwickelt sich zu einem großen Absatzmarkt, von dem auch Saab als „türkischer“ Hersteller besonders profitieren könnte. Sehr fraglich ist, ob Brightwell tatsächlich GM-Lizenzen erhalten würde, ab vielleicht sticht wirklich das Blatt „US-Verbündeter Türkei“.

Was spricht gegen Brightwell?

Die Pläne von Brightwell hören sich grundsätzlich gut an. Aber ob Brightwell sie umsetzen kann? Brightwell ist gegenüber den Medien sehr aktiv und stellt sich sehr positiv dar. Werbung oder nur viel Lärm um nichts? Mir persönlich gefällt das nicht so sehr und macht mich eher misstrauisch.

Zusätzlich werden immer wieder Zweifel an der Finanzkraft von Brightwell geäußert und die Darstellung Brightwells von den Verhandlungen mit GM erscheint mir unrealistisch, da GM gleichzeitig Verhandlungen dementiert hat.

Noch ein kleines Bonbon für die Victor-Muller-Hasser: Muller ist wohl als Berater für Brightwell mit dabei. Egal wie man jetzt zu Muller steht, Muller ist für einige Stellen in Schweden warum auch immer ein rotes Tuch. Diese Verbindung könnte für Brightwell und später für Saab daher ein Problem sein.

Welche Pläne hat Mahindra?

Die Pläne von Mahindra sind ebenfalls nicht bekannt. Wir wissen lediglich, dass Mahindra Saab im ganzen kaufen will. Dies lässt darauf schließen, dass Mahindra die Produktion von Saab-Fahrzeugen in Trollhättan fortsetzen will. Es gibt aber auch ungesicherte Meldungen, dass Mahindra lediglich Elektrofahrzeuge in Trollhättan bauen will.

Was spricht für Mahindra?

Mahindra ist ein finanzkräftiger indischer Konzern mit langer Erfahrung im lokalen Automobilbau. Man kann sich Saab also leisten und hat eine gewisse Herkunft aus dem Automobilbereich. Daher könnte Saab von Entwicklungsaufträgen der Mutter Mahindra profitieren.

Was spricht gegen Mahindra?

Viele sprechen sich für Mahindra aus, weil der indische Konzern Tata vor wenigen Jahren Jaguar gekauft hat und diese Allianz bisher erfolgreich war. Jetzt erhofft man sich, dass Mahindra dies auch mit Saab gelingen kann. Ob Mahindra sich auch als verantwortungsvolle Mutter erweisen wird, ist jedoch nicht sicher. Saab steht schlechter als damals Jaguar da und Mahindra ist eben nicht Tata. Nur die nationale Herkunft eines Konzern sagt noch nichts über die Unternehmenspolitik aus. Daher sollte man von Tata-Jaguar keine Rückschlüsse ziehen. Konkret spricht aber nichts gegen Mahindra, es gibt allerdings auch viel zu wenig Informationen, um eine annähernd umfassende Würdigung des Mahindra-Engagements vorzunehmen.

Weitere Bieter

Wie schon bekannt ist, gibt es noch weitere Interessenten für Saab, die ebenfalls ein Gebot abgegeben haben. Dabei geht es zumeist um Teile von Saab. Als Saab-Freund interessieren mich solche Gebote nicht sonderlich, da ja damit eine Fortführung der Marke Saab nicht ermöglicht wird. Ich werde diese Gebote daher nicht weiter beleuchteten; berichtet habe ich über sie schon in anderen Beiträgen.

Nach jetzigem Informationsstand gibt es mindestens noch einen weiteren europäischer Bieter für Saab im ganzen.  Über ihn ist offiziell nichts bekannt – noch nicht einmal, ob es sich um einen Automobilhersteller handelt. Solange es nichts offizielles dazu und vor allem keinerlei offiziellen Informationen über das Gebot selbst gibt werde ich zu diesem Bieter keine Stellung nehmen.

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4 Antworten zu Die Saab-Bieter

  1. Marcus schreibt:

    sehr gut und differenziert beobachtet, danke!
    youngman ist für mich ein zocker-unternehmen und ich teile die meinung von swade:
    danke für das gebot und auf wiedersehen..
    man hat sich an wenig gehalten und ich glaube nicht, dass sich das in zukunft ändern würde.

  2. markw95 schreibt:

    Hallo Michael;

    „Viele sprechen sich für Mahindra aus, weil der indische Konzern Tata vor wenigen Jahren Tata gekauft hat und diese Allianz bisher erfolgreich war.“
    Kurze anmerkung zu den Bietern: Tata hat Landrover gekauft.

    Es gibt durchaus weitere Bieter die an Saab im Ganzen interessiert sind!!!

    LG Mark

    • tauentzien schreibt:

      Hallo Mark,

      der Tippfehler ist bereits korrigiert. Gemeint war natürlich der Kauf von Jaguar und LR durch Tata.

      Es gibt noch weitere Bieter für Saab im ganzen, aber ich wollte mich zunächst mal auf die öffentlich bekannten Bieter/Interessenten beschränken.

      Viele Grüße

  3. Argovicus schreibt:

    Vor einigen Jahren hatte der VW Konzern grosses Interesse an der Übernahme von Saab!
    Ist es möglich, dass dies der grosse Unbekannte aus Europa ist??
    Ich glaube wenn VW Saab so behandeln würde wie es Skoda und Bentley behandelt, dann wäre der Marke Saab ein langes Leben beschieden!

    Hoffen wir es!

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