Die Zukunft der Saab-Gemeinde

 

Heute schreibe ich nicht direkt über Saab. Aktuell gibt es nämlich keine Neuigkeiten aus Trollhättan. Im folgenden Artikel geht es mir um die „Saab-Gemeinde“ selbst. Es ist ist ein kontroverser Artikel geworden. Sowas ist immer heikel, aber aus meiner Sicht sollte man auch mal Meinungen darstellen, die vielleicht nicht dem Mainstream entsprechen. Ich bin aber offen für andere Meinungen und freue mich über eine interessante Diskussion. Jetzt aber zum Thema: Es geht um die Zukunft der aktuellen Saab-Gemeinde.

Zunächst muss man sich fragen, ob es überhaupt eine „Saab-Gemeinde“ gibt oder sind es nur eine Vielzahl von einzelnen Saab-Freunden, die kaum gemeinsame Interessen haben? Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. Für mich stellt sich jetzt angesichts der Saab-Krise folgende Frage: Wie wird es mit der Saab-Gemeinde ohne einen lebendigen Autohersteller Saab Automobile weitergehen?

Meine Meinung ist: Ohne das Unternehmen Saab wird die Saab-Gemeinde stark schrumpfen. Es wird kaum Nachwuchs an neuen Saab-Fahrern geben. Nur junge Oldtimer-Fans werden noch zur Saab-Gemeinde stoßen. Der junge (oder ältere) Neuwagenkäufer, der weniger Interesse an Oldtimern hat – und dies ist die Mehrheit der Saab-Fahrer – werden der Saab-Gemeinde mittelfristig verloren gehen. Übrig werden ganz überwiegend die Oldtimer-Fahrer bleiben. Nichts gegen die Saab-Oldtimer, dass sind tolle Fahrzeuge und die Saab-Freunde, die diese alten Schätze bewegen, nehmen viel Zeit und Arbeit auf sich, um diese Schätze zu erhalten. Aber zur heutigen Saab-Gemeinde gehören auch die Fahrer moderner Saab-Fahrzeuge, die nicht selbst an den Fahrzeugen schrauben und vielleicht nur die Freude am Saab-Fahren genießen. Diese bunte Vielfalt, die heute die Saab-Gemeinschaft ausmacht, wird wohl zerfallen. Übrig bleiben in der Mehrzahl die Schrauber und ein paar wenige nicht schraubende Fans.

Da sich aber die Basis der Saab-Fahrer zahlenmäßig stark verkleinern wird, werden sich auch die Aktivitäten der Saab-Gemeinde im Vergleich zu heute deutlich verringern. Ein paar Treffen und ein paar Clubs werden übrigbleiben. Große und bunte Saab-Treffen mit allen jetzigen Saab-Freunden werden im Lauf der Zeit immer seltener werden. Vielleicht wird schon das Outside Saab-Treffen am 14. und 15. Januar 2012 eines der letzten großen Saab-Treffen dieser Art in Deutschland werden. (Ein Grund mehr teilzunehmen!)

Ich habe dies bei MG Rover erlebt und ich gehe davon aus, dass dies wird auch bei Saab eintreten wird. Vor einigen Monaten hat jemand mal einen Vergleich mit Borgward gezogen und gemeint, es sei doch besser, eine tote Marke in guter Erinnerung zu behalten und man solle doch Saab abwickeln, als weiter für das Überleben von Saab zu kämpfen. Es war wohl auch ein Verfechter der Ideologie, dass neue Saabs keine „echten“ Saabs sind. Daher wohl auch das Desinteresse an diesen Fahrzeugen. Nichts gegen gute Erinnerung, aber wieviele Borgward-Fans gibt es noch und wie sieht die Borgward-Gemeinschaft im Vergleich zur jetzt noch bestehenden Saab-Gemeinschaft aus? Borgward sollte kein Vorbild für Saab sein!

Ich bin wie gesagt der Meinung, dass ohne eine bestehende Firma Saab Automobile es auch keine große aktive Saab-Gemeinschaft mehr geben wird. Es wird ein Restbestand an Gemeinschaft bestehen bleiben. Dieser Schrumpfungsprozess passiert nicht sofort, sondern wird ein schleichender Prozess werden. Einige – gerade die, die glauben einen „echten“ Saab zu fahren -werden den dann fehlenden Teil der Saab-Gemeinschaft sicher nicht vermissen. Vielen Saab-Freunden und mir geht es da anders. Mir wird die bunte Saab-Welt fehlen.

Nicht das einige jetzt dies in den falschen Hals bekommen. Mir gefallen alle Saab-Fahrzeuge, die alten und die neuen. Und mir hat es immer Spaß gemacht, mich mit vielen Saab-Freunden jeder Couleur zu unterhalten. Aber diese Saab-Freunde werden in den nächsten Jahren zwangsläufig weniger werden und es wird die bunte Vielfalt fehlen. Mir persönlich gefallen auch die Saab-Oldtimer. Aber ich bin wie viele andere kein Schrauber und somit sind die Anknüpfungspunkte an die Oldtimerszene an sich eher gering.

Es sollte also jeder daran denken, dass ein mögliches Ende von Saab als Autohersteller auch ein gewisses Ende und eine Zäsur für die Saab-Gemeinschaft selbst darstellen wird.

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4 Antworten zu Die Zukunft der Saab-Gemeinde

  1. Stefan schreibt:

    Toller Artikel.

  2. Marcus schreibt:

    „die saab-gemeinde“ gab es nich nie und wird es auch nie geben.
    gerade saab-fahrer sind als individualisten „verschrien“ und daher sehr verschieden. leider liegt es offensichtlich auch in der natur der menschen, für sich toleranz zu fordern, diese aber anderen nicht zuzugestehen.
    ich bin seit längerem nicht mehr aktiv im bekannten saab-forum und neuerdings auch nicht mehr in einem blog über saab, weil es immer wieder zum gleichen verhalten kommt: manche meinen, sie hätten die weisheit mit dem löffel gefressen und erdreisten sich, alles zu bewerten und alles, was in ihr kleinliche schema nicht passt, zu negieren. auch das gvon vm in deutschland war sicher einzigartig. die krönung im forum war das verhalten einzelner oldie-fahrer, die die fahrer von neuen saab offensichtlich für etwas geistig minderbemittelt halten.
    ich fahre einen neuen 9-5, einen 900 turbo 16 s, einen 9-3 kombi und noch einen alten 900er, den ich aber verkaufen werde.
    die symphatie zu saab hat nicht nur etwas mit dem auto zu tun – es ist auch die folge der liebe zu schweden und zu einem solch kleinen hersteller.
    man kann, so ist es bei mir, sowohl die neuen, als auch die alten saab lieben – jedes dieser autos ist auf seine art faszinierend.
    eine wirkliche gemeinschaft könnte nur dann funktionieren, wenn man den neid der menschen abschaffen könnte, die intoleranz und die geltungssucht, die gerade in blogs oftmals sehr stark zum vorschein kommt, da man ja als betreiber die themen vorgibt.
    auch die anbiederung an die deutschen statthalter dieses herstellers empfinde ich als unangebracht.
    so wird es auch weiterhin nur viele individualisten geben, die sich vielleicht ab und an treffen, aber es werden nur wenige echte freundschaften entstehen.
    vielleicht sieht man sich ja am 15. in stuttgart – manche würde ich gerne mal sehen, manche eher weniger.

  3. bergsaab schreibt:

    ich finde es etwas schade das in den foren die neuwagenfahrer als saabfahrer 2.klasse behandelt werden. das ist aber auch zu verstehen da in den foren doch meist die saabfahrer älterer modelle unterwegs sind die einfach diese art des austausches brauchen um die alten saabe am fahren zu halten. sei es aus gründen das der saab so alt ist das die ersatzteilbeschaffung schwieriger ist oder die teile billig sein sollen weil das buget für den saab nicht so üppig ist. vielleicht ist für viele darum ein neuwagenkäufer suspekt wenn er sich ins forum verirrt. und die meisten finden den weg sowieso nicht, habe ihn ja auch erst gefunden als ich mir gedanken um meinen 9k machte. solange die ersten drei saabe im dauerbetrieb waren ging es in die saabwerkstatt. das es sowas we eine saabgemeinde ,-gefühl gibt habe ich erst mit bekommen als mich ein alfafahrer frage ob wir uns auch grüßen!
    was aus der gemeinde wird ? da mache ich mir wenig gedanken! ich hab ein paar coole typen kennengelernt und der kontakt wird wohl nicht abreißen und mindestens ein saab wird immer bei uns bleiben. für den täglichen einsatz wird dann noch eines der letzten modelle zugelegt und 10jahre später sehe ich weiter!

  4. elchsson schreibt:

    Danke für den wieder mal tollen Beitrag.
    Ich habe schon den Eindruck, dass das Ende des alten 900-er eine Zäsur im Selbstverständnis vieler SAAB-Fahrer war und ist. Denn selbst der 9000-er wird ja schon komisch beäugt. Mir selbst ging das (leider) auch so, weshalb ich bis vor einem Jahr brav an meinem alten 900-er im Alltag festgehalten habe, der mir dafür aber allmählich zu schade war. Dank meines fantastischen SAAB-Händlers (und das ist keine Übertreibung) und einem sanften Push seinerseits fahre ich heute eine ältere 9-5 Limousine und ich fahre den Wagen mit viel Freude und Genuß. Dabei habe ich erst auf den zweiten Blick etwas für mich doch Bemerkenswertes festgestellt, nämlich dass die Ergonomie der Fahrzeuge, sozusagen das ergonomische Menschenbild sich über viele Jahrzehnte nicht verändert hat. Auch die „Auslegung“ der Autos scheint quasi unverändert. D.h. dass es völlig egal ist, ob ich im 99 turbo sitze oder im 900-er oder im 9-5, es ist immer das gleiche Gefühl, es gibt keine Umgewöhnung, es ist immer typisch SAAB. Meine Frau hatte mal „aus Versehen“ einen Mercedes W124 Kombi. Der war uns auch nach Jahren noch fremd geblieben. Danach kam obiger 9-5 für mich und ein 9-5 Kombi für sie und wir waren ganz schnell wieder zuhause. Das hat für mich viel mit SAAB-fahren zu tun. Dem zugrunde liegt natürlich eine sehr tiefgreifende Philosphie, die mit Schweden, Individualität, Sicherheit und vielem mehr zu tun hat, und die könnte alle verbinden -vom Oldtimerfahrer bis zum Neuwagenfahrer. Wir müssen uns nicht untereinander ab- und ausgrenzen, wir könnten uns in den Armen liegen und freudig und stolz auf unsere tollen Autos sein!

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