Saab – Wie geht es weiter?

Nichts neues gibt es von den Verhandlungen zwischen Saab und Youngman. Weiterhin geht es um die Frage, wie man Saab ohne einen Anteilsverkauf durch Youngman finanzieren kann. Victor Muller will sich bisher nicht zu Einzelheiten äußern, bleibt aber vorsichtig optimistisch. Saab bereitet zwischenzeitlich die Stellungnahme für das Amtsgericht Vänersborg vor. Zusätzlich wurde heute bekannt, dass mit dieser Stellungnahme auch die Ablösung von Saab-Administrator Guy Lofalk beantragt werden soll.

Die Verhandlungen zwischen Saab und Youngman gehen also weiter. Die Youngman-Chefin Rachel Pang (Bild rechts) befindet sich zur Zeit dauerhaft in Stockholm und führt Gespräche mit Victor Muller. Das zu lösende Problem bleibt weiterhin, dass die verschiedensten Genehmigungen dritter Parteien nötig aber kaum zu erhalten sind.

Von GM ist bekannt, dass bei einem Verkauf von 20% oder mehr der Anteile von Saab oder von SWAN GM ein Veto einlegen kann. Aufgrund des EIB-Darlehens kann die EIB und der für dieses Darlehen bürgende schwedische Staat bei wesentlichen Anteilsänderung ebenfalls ein Veto einlegen. Die chinesischen Investoren haben dagegen wieder das Problem, dass sämtliche Auslandsinvestitionen durch die Pekinger NDRC genehmigt werden müssen. Hier spielen also viele auch gegenläufige Interessen zusammen. Dies macht es für Saab und Youngman extrem schwierig, mit einem Plan sämtliche Zustimmungen aller Parteien zu erreichen.

Der bisher bekannt gewordene Plan von Victor Muller sieht deshalb vor, dass zunächst keine Anteile an Saab oder SWAN übertragen werden. Dafür soll Youngman über eine chinesische Bank ein Darlehen über ca. 600 Mio. Euro für Saab bereitstellen. Diese 600 Mio. Euro sollen zunächst für die Ablösung des EIB-Darlehens verwendet werden. Dadurch entfällt eine Genehmigung von GM, der EIB und des schwedischen Staats.

Nach der Tilgung des EIB-Darlehens würde ein Betrag von ca. 380 Mio. Euro übrigbleiben. Dies würde ausreichen, um die Löhne der Saab-Mitarbeiter zu bezahlen und mit den Zulieferfirmen eine Einigung über die Wiederaufnahme der Teilelieferungen zu erzielen. Damit könnte also die Produktion wieder aufgenommen werden. Daneben würde auch noch eine Summe übrigbleiben, um einen gewissen Zeitraum, in dem Saab weiterhin Verluste macht, zu überbrücken. Sobald die Produktion und der Verkauf von neuen Saab-Fahrzeugen angelaufen ist, dürfte auch der Finanzierungsbedarf von Saab stark sinken, da dann wieder Einnahmen eingehen. Zwar wird Saab weiterhin Verluste machen, aber natürlich deutlich weniger Geld verbrennen als bei einem Produktionsstillstand.

Abgesichert soll dieses Darlehen zunächst über eine Wandelanleihe werden. Diese Wandelanleihe ermöglicht es Youngman, nach Ablauf eines bestimmten festgelegten Zeitraums dieses Darlehen in Anteile an Saab oder SWAN umzuwandeln. Daneben werden durch die Ablösung des EIB-Darlehens und die damit wegfallende Bürgschaft des schwedischen Staats Sicherheiten frei, die bisher dem schwedischen Staat übereignet waren. Diese freiwerdenden Sicherheiten – zum Beispiel die gewinnbringende Tochter Saab Parts – könnte dann als weitere Sicherheit für das Youngman-Darlehen verwendet werden.

Fraglich ist bei diesem Plan, ob die NDRC, die als einzige zustimmen muss, damit einverstanden ist. Youngman würde zunächst hohe Geldsummen vorschießen, ohne ein Stimmrecht bei Saab zu erhalten und damit nicht über die Geschäftspolitik bei Saab mitbestimmen zu können.

Als Variante zu diesem Plan wird daher noch diskutiert, diese Wandelanleihe mit einer Anteilsübertragung von 19,9% an Youngman zu kombinieren. Dieser Anteil läge weiterhin unter der „magischen“ Grenze für GM, so dass eine amerikanische Zustimmung nicht notwendig ist. Auch bei dieser Kombination würde als einzige zustimmungspflichtige Behörde die NDRC übrig bleiben. Möglicherweise liegt in dieser Variante eine höhere Wahrscheinlichkeit einer Zustimmung der NDRC.

Der Muller-Plan hört sich also in der Theorie sehr gut an. Positiv ist auch, dass Youngman weiter verhandelt. Es besteht also echtes Interesse an Saab und natürlich will Youngman auch die bisherigen Investitionen nicht verlieren. Allerdings gibt es dabei sicherliche viele Einzelheiten, die geklärt werden müssen. Dies braucht eigentlich Zeit. Zeit, die Saab jetzt nicht mehr hat. Die Uhr tickt und am 16. Dezember klingelt dann der Wecker. Ein bindender Vertrag und am besten auch schon erste Zahlungen von Youngman müssen her, damit Saab am 15. Dezember eine vernünftige Stellungnahme beim Amtsgericht in Vänersborg abgeben kann und die Rekonstruktion nicht beendet wird.

In den vergangenen Tagen habe ich einige Emails mit der Frage erhalten, was beim jetzigen Muller-Plan mit den GM-Lizenzen passiert. Grundsätzlich muss man ja die Frage der aktuell von Saab verwendeten GM-Techniklizenzen von der Frage der Zustimmung zum Anteilsverkauf trennen. GM hat bisher betont, dass man zwar gegen einen Anteilsverkauf über 20% ist. Man will aber weiterhin Saab die Lizenzen zur Verfügung stellen und Teile – insbesondere auch den 9-4X – an Saab liefern. Nur bei einem Verkauf von mehr als 20% der Anteile will GM dies einstellen. Hierzu gibt es auch sicher vertragliche Vereinbarungen, aufgrund derer GM zur Lieferung verpflichtet ist. Wenn also die 20%-Grenze nicht überschritten wird, dann müsste nach dem jetzigen Stand GM weiter mit Saab zusammenarbeiten. Einfach mal die Lieferung einstellen dürfte GM nur bei einem Vertragsbruch von Saab möglich sein. Da eine Wandelanleihe nur eine besondere Art der Finanzierung ist, dürfte dies zu keinen Problemen mit GM bei der Frage der Lizenzen und der Teilelieferungen führen.

Daneben erhalte ich auch Emails mit der Frage erhalten, was bei einem Abbruch der Rekonstruktion bei Saab weiter weiter passieren wird. Sollte das Amtsgericht Vänersborg am 16. Dezember das Ende der Rekonstruktion beschließen, dann wäre Saab für eine kurze Zeit wieder in einer Schwebephase. Zur Zeit ruhen weiterhin die vier Insolvenzanträge des Zulieferers Tanaki-Petri. Diese würde bei einem Ende der Rekonstruktion wiederaufleben. Gleichzeitig würden wohl auch die Gewerkschaften aufgrund der fehlenden Lohnzahlungen neue Insolvenzanträge stellen. Darüber müsste dann das Amtsgericht Vänersborg erneut beraten und nach einem gewissen Frist würde wohl Ende Dezember das Insolvenzverfahren eröffnet und ein Insolvenzverwalter durch das Gericht bestellt werden.

Bis dieses Verfahren eröffnet würde, könnten die Gläubiger wieder frei in das verfügbare Vermögen von Saab vollstrecken. Damit wäre zum Beispiel auch wieder die Sammlung im Saab-Museum gefährdet. Mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens würde für Saab dann wieder der Gläubigerschutz greifen.

Ein Insolvenzverfahren wäre noch nicht das Ende von Saab. Trotz der angespannten und schwierigen Situation sind weiterhin mehrere Unternehmen an Saab interessiert. Auch ist es die Aufgabe eines Insolvenzverwalters, den Fortbestand des Unternehmens zu ermöglichen. Erst wenn dies nicht möglich ist, wird der Verwalter die vorhandenen Vermögenswerte einzeln verkaufen und das Unternehmen liquidieren.

Eine Zerschlagung der Saab Automobile AB wäre allerdings definitiv das Ende der Automarke Saab. Die Rechte an der Marke Saab liegen beim Rüstungskonzern Saab AB. Die Saab Automobile AB darf die Markenrechte unbegrenzt nutzen, solange die Firma existiert. Bei einer Zerschlagung der Saab Automobile AB fallen die Markenrechte automatisch an die Saab AB zurück. Die Saab AB hat vor einigen Wochen angekündigt, in diesem Fall die Markenrechte nicht einem anderen Automobilhersteller wieder zur Verfügung stellen zu wollen.

Aber soweit muss es im Insolvenzverfahren nicht kommen. Saab hat weiterhin sehr viel zu bieten, was die Firma als bestehende Einheit für einen Investor – gerade aus China – interessant macht. Auch das ist ja ein hauptgrund für die fortlaufenden Verhandlungen mit Youngman. Saab besitzt (noch) ein weltweit einigermaßen funktionierendes Händlernetz. Es gibt eine kleine, aber sehr treue Käuferschicht, die sehr viel Potential bietet. Saab ist eine bestehende und weltweit recht bekannte und geschätzte Marke. Saab hat extrem gute Ingenieure und sehr loyale Mitarbeiter. Man besitzt in Trollhättan eine sehr moderne und effektive Fabrik in Trollhättan. Auch technisch hat Saab einiges zu bieten. Es gibt sehr bald die Phoenix-Plattform, man hat einen Hybridantrieb (eXWD), ein bahnbrechendes Multimediasystem IQon und der neue Saab 9-3III steht vor der Produktionsreife. Wir dürfen nicht vergessen, dass auch während der Zeit des Produktionsstillstandes die Entwicklung des Saab 9-3III weiter fortgeschritten ist. Nach letzten Informationen könnte der 9-3III in ca. einem Jahr auf den Markt kommen. Zwischenzeitlich beginnt man in Trollhättan, erste Produktionseinrichtungen für den 9-3III vorzubereiten.

Also: Die Lage sieht zur Zeit sehr schlecht aus, aber wir müssen und dürfen noch lange nicht aufgeben!

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