Kommentar: Saab in chinesischer Hand

Heute war ein entscheidender Tag für Saab. Noch heute Morgen stand Saab kurz vor dem Abgrund. Steigen die chinesischen Investoren aus? Kommt das Ende der Rekonstruktion? Jetzt haben sich die Wolken wieder etwas gelichtet. Es gibt Hoffnung, dass bei dem jetzt vereinbarten Einstieg der chinesischen Firmen Pang Da und Youngman Saab wieder auf die Beine kommt.

Allerdings ist der Vertrag noch nicht in trockenen Tüchern. Es stehen noch einige Genehmigungen aus. Noch fehlen die Zustimmung von GM, der schwedischen Regierung, der EIB und die wichtige Entscheidung der NDRC in Peking. Diese wird bis Mitte November erwartet, daher wurde der jetzt vereibarte Vertrag auch unter entsprechenden aufschiebenden Bedingungen mit Gültigkeit bis zum 15. November geschlossen. Die bisherigen Anzeichen sprechen dafür, dass die Entscheidung der NDRC positiv ausfallen wird. 

Auch wenn die Verträge aus diesen Gründen noch nicht bindend sind muss man sich fragen, wie es mit Saab nach der Übernahme durch Youngman und Pang Da weitergeht. Hier wurden im Vorfeld viele Befürchtungen geäußert. Die Chinesen könnten Saab ausschlachten und dann dichtmachen und die Marke beerdigen. Auch könnte die gesamte Produktion nach China verlegt werden und wir würden von billigen China-Saabs überschwemmt.

Um es gleich vorweg zu sagen, ich weiß nicht, was passieren wird. Vielleicht sind diese Befürchtungen gerechtfertigt. Ich glaube und hoffe jedoch, dass es anders kommen wird. Schauen wir uns mal an, welche asiatischen Übernahmen in den letzten Jahren im Automobilbereich stattgefunden haben. Hier fallen mir drei Beispiele ein: 2005 die Reste von MG Rover durch SAIC/NAC, 2009 Jaguar-Land Rover durch Tata und 2009 (2010?) Volvo durch Geely.

Diese Übernahmen kann man nur aus der heutigen Sicht beurteilen. Nicht beurteilen kann ich, welche positiven oder negativen Wendungen es in der Zukunft geben wird. Das heisst, wie sieht bei diesen Firmen aktuell aus?

  • SAIC
    SAIC und NAC lieferten sich 2005 einen Bieterstreit um die Insolvenzmasse von MG Rover. Vorher hatte man einen Einstieg bei der noch existierenden Firma MG Rover abgelehnt. Bei Firmen erhielten Teile von MG Rover. Da aber verschiedene Rechte von MG Rover noch bei Honda bzw. bei BMW lagen, gab es später größere Probleme. NAC und SAIC brachten dann ca. 2 Jahre später ähnliche Modelle auf Rover-Basis als MG und als Roewe in China heraus. 2007 fusionierten SAIC und NAC. Die Fabrik in England bleibt aber auch 6 Jahre später fast verweist. Aktuell versucht man, mit mittelmäßigen neuen MG-Modellen auf Basis älterer Rover-Modelle in England Fuß zu fassen. Der Erfolg bleibt aber aus. Was hat SAIC durch diese Verhaltensweise gewonnen: Einen kurzfristigen Technologietransfer. Aber man hat auch das Potential einer funktionierenden westlichen Firma mit Entwicklungsabteilung und großem fast weltweitem Händlernetz verschenkt. Selbst 6 Jahre später gelingt der Wiederaufbau dieses Netzes SAIC nicht. Im Nachhinein wäre es für SAIC günstiger gewesen, eine existierende Firam MG Rover zu übernehmen und das vorhandene Potential weiter zu nutzen und auszubauen.
  • Tata/Geely
    Tata hat Jaguar/Land Rover (JLR) von Ford 2009 übernommen. Die existierenden Firmen erhielten Investitionen der neuen Mutter Tata. Gleichzeitig können sie aber recht frei und unabhängig agieren. Die Produktionsstäten und die Entwicklung in England wurden von Tata weitgehend aufrecht erhalten. Erste Erfolge haben sich bereits eingestellt. JLR macht nach der Wirtschaftskrise erste Gewinne und gleichzeitig sind neue Modelle und damit eine Ausweitung der Modellpalette gerade eingeführt worden oder stehen gerade vor der Einführung.
    Ähnliches kann man für Volvo sagen. Trotz Schwierigkeiten scheint Volvo auf einem guten Weg zu sein.

Man sieht, dass die jüngeren Übernahmen durch asiatische Firmen besser liefen. Ich hoffe, dass auch Pang Da und Youngman sich daran ein Beispiel nehmen und für Saab eine fürsorgliche Mutter sein werden, die dem Kind Saab aber den notwendigen Freiraum gibt. Wie wir in den letzten anderhalb Jahren gesehen haben kann Saab selbst als kleiner Hersteller bei der Entwicklung neuer Technologien großes vollbringen und das auch teilweise schneller als die schwerfälligen Großkonzerne. Dieses Potential müssen die neuen Eigentümer weiter fördern, dann profitiert nicht nur Saab sondern auch die Mutterkonzerne langfristig und nachhaltig.

Zu guter Letzt möchte ich Victor Muller an dieser Stelle noch meinen Dank aussprechen. Durch den Verkauf von Saab werden Victor Muller und SWAN keine Rolle mehr bei Saab spielen. Trotzdem hat sich Muller entschlossen, zur Rettung von Saab auf das chinesische Angebot einzugehen. Muller musste in den letzten Monaten viel über sich ergehen lassen. Auch gab es immer wieder Vorwürfe gegen seine Person. Natürlich muss man zugeben, dass auch Victor Muller vor allem im Verlauf des letzten Jahres Fehler gemacht hat. Aber wir sollten niemals vergessen, dass Saab ohne Victor Muller GM nicht überlebt hätte und Ende des Jahres 2009 von GM einfach plattgemacht worden wäre. Wir hätten nicht den neuen 9-5II und den 9-4X gesehen, beides tolle Autos! Muller war einer der wenigen, die Ende 2009 noch an Saab geglaubt haben. Auch wenn sein Geschäftskonzept für Saab in der Folgezeit nicht aufgegangen ist: Vielen Dank Victor für die Rettung 2009/2010!

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