Hintergrundinfo: Projekt Cheetah

Während es zur Zeit fraglich ist, ob Ende Oktober die Rekonstruktion weiter fortgesetzt wird und zur Zeit weitere Verhandlungen zwischen SWAN, Pang Da und Youngman stattfinden, gibt es relativ unbemerkt Veränderungen bei Saab. Seit Beginn der Rekonstruktion wird bei Saab das Projekt Cheetah (Gepard) durchgeführt, das alte Strukturen und Arbeitsabläufe bei Saab kosteneffizient verbessern soll.

Trotz der Loslösung von Saab von GM wurden zunächst alte Strukturen, die Saab als Tochter von GM aufbauen musste, beibehalten. Dies hat sich jetzt als Fehler herausgestellt. Saab muss effizienter arbeiten und unnötige Kosten reduzieren. Projekt Cheetah beinhaltet verschiedenste Maßnahmen, um dieses Ziel zu erreichen. Nicht alle sind bekannt, aber ich möchte mal die bisher bekannt gewordenen Maßnahmen und die in diesem Rahmen durchgeführten Projekte darstellen.

Das Projekt Cheetah wurde am 21. September 2011 gestartet. Ziel ist es, innerhalb kürzester Zeit die Kostenstruktur und die Effizienz zu steigern und damit den Wiederaufbau von Saab zu beschleunigen. Dadurch soll es möglich werden, auch bei geringen Stückzahlen oder schwankenden Stückzahlen Gewinne zu erzielen. Konkret geht es um eine Senkung der Gesamtkosten um 15%. Dies soll alles vor Beginn des Wirtschaftsjahres 2012 stattfinden.

Aktuell werden im Rahmne des Projekts Cheetah Personalkosten, Fremdleistungen, Marketing-Kosten, usw. innerhalb als auch außerhalb Schwedens überprüft. Ein besonderer Fokus wird dabei auf doppelte Tätigkeiten, auf die Verbesserung der Koordination zwischen den Abteilungen und auf die Vereinfachung der Organisationsstruktur gelegt. Auch will man den Investoren beweisen, dass Saab den selbst gesetzten Businessplan erfüllen kann. Bis Ende Oktober sollen die Optimierungsmöglichkeiten ausgelotet und geprüft werden. Erwartet wurden zu Beginn des Projekts bis zu 100 Verbesserungsvorschläge. Die Umsetzung dieser Vorschläge soll dann nach Verhandlungen mit den Gewerkschaften im November 2011 erfolgen.

Natürlich fragt man sich, ob das Projekt Cheetah mit Entlassungen verbunden sein wird. Zunächst ist es so, dass fast alle Mitarbeiter in dieses Projekt eingebunden sind. Jeder Mitarbeiter ist aufgerufen, Verbesserungs- und Einsparvorschläge zu machen. Dabei können Entlassungen jedoch nicht von Vorneherein ausgeschlossen werden. Aber zunächst geht es um die Verbesserung von Strukturen und nicht darum, einfach Personalkosten zu reduzieren.

Geleitet wird das Projekt Cheetah von einer Lenkungsgruppe. Diese besteht aus dem Saab-Mamagement-Team und trifft strategische Entscheidungen. Daneben gibt es eine Projektgruppe, die sich um tägliche Koordination kümmert und Vorschläge an die Lenkungsgruppe weiterleitet. Mitglieder der Projektgruppe sind Johan Formgren, Jeroen Goud, Anders Svensson, Göran Ejbyfeldt, Per Fjästad, Lena André und Lena Ronnede. Leiter der Projektgruppe ist Johan Fromgren. Daneben gibt es vier Funktionsteams und ein übergreifendes Team, die fundierte und praktikable Pläne ausarbeiten sollen:

  1. Herstellung und Einkauf. Das Team wird von Gunnar Brunius, dem Leiter der Saab-Fabrik in Trollhättan, geführt.
  2. Produktentwicklung. Dieser Bereich umfasst sowohl die Fahrzeug-und Motorenentwicklung. Das Team wird von Mats Fägerhag und von Kjell ac Bergström gemeinsam geführt.
  3. Verkauf, Marketing, After Sales und Kommunikation. Das Team wird von Jonathan Nash geführt.
  4. Verwaltung. Das Team wird von Goran Ejbyfeldt geführt.
  5. Übergreifendes Team. Dieses Team wird ebenfalls von Goran Ejbyfeldt geführt. Das übergreifende Team überprüft die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Bereichen und versucht dort, weitere Synergien zu erzielen. Auch wird überprüft, ob Saab Dienstleistungen an Dritte verkaufen kann.

Zwischenzeitlich sind auch schon erste Ergebnisse bekannt geworden. Über 400 Vorschläge sind bisher beim Projektteam eingegangen, was die Erwartungen weit übertroffen hat. 150 dieser Vorschläge wurden in die engere Auswahl aufgenommen und werden genauer geprüft.

Goran Ejbyfeldt leitet die Arbeit des Verwaltungs- und des übergreifenden Teams. Im Verwaltungsteam geht es auch um die Verbesserung der EDV-Strukturen. Laut Ejbyfeldt konnte man alleine bei der EDV die Kosten um ca. 7,5 Mio. Euro senken. Zusätzlich gibt es noch Ideen im Gegenwert von 6,5 Mio. Euro. Ejbyfeldt ist zuversichtlich, das Ziel der Schaffung einer benutzerfreundlichen und effizienten IT-Umgebung schnell zu erreichen. Ejbyfeldt nennt auch eine ganze Reihe von Bereichen, die in der IT-Abteilungen verbessert werden können:

  • Begrenzung der Systemanforderungen – Saab ist nicht mehr Teil von GM und muss nicht mehr die daraus folgenden umfangreichen Anforderungen erfüllen.
  • Verbesserung der Hardware – Erwerb von neuen, effizienten Geräten. Gleichzeitig kann die Anzahl der Geräte verringert werden. Saab kann Lizenz- und Leasingkosten senken und den Energieverbrauch und die Wartungskosten reduzieren.

Weiterhin werden sich die Teams jeden Montag um 16 Uhr treffen, um weitere Verbesserungsvorschläge zu erörtern. Die ersten Ergebnisse hören sich sehr vielversprechend an. Offensichtlich scheint im Saab-System immer noch jede Menge Luft zu sein. Ich hoffe jedoch, dass Entlassungen durch die normale Fluktuation verhindert werden können.

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