Saab Sonett I (1955 bis 1957)

Bekannt geworden unter der inoffiziellen Bezeichnung Saab 94, ist der Sonett Super Sport ein auffälliger zweisitziger Sportwagen, der zunächst für den Motorsport gedacht war. Die Bezeichnung „Sonett“ hat nichts mit der gleichnamigen Liedform zu tun, sondern bezeichnet im Schwedischen (wie im Deutschen) etwas, das „echt nett“ ist. Nur sechs Exemplare werden davon gebaut.

Der Sonett wird konzipiert und entwickelt, um den Bekanntheitsgrad des Newcomers Saab in der Automobilwelt via internationalem Motorsport zu erhöhen und sich damit besser im Automobilmarkt zu positionieren. Das kleine Team hinter dem Projekt ist wenig interessiert an der damals üblichen Konstruktionsweise, das Chassis aus schweren Stahlrohren zusammenzuschweißen, wie es bei Rennwagen üblich war. Die alternative Lösung kommt aus dem Flugzeugbau und führt im Ergebnis zu einer leichten, aber extrem stabilen „Monocoque“-Struktur (monocoque = einschalige Bauweise), bestehend aus genieteten Aluminiumplatten, die ursprünglich für den Flugzeugbau spezifiziert waren. Motor und Radaufhängungen werden direkt daran befestigt.

Das nur 70 kg wiegende Chassis des Sonett ist das Ergebnis der eleganten Konstruktionstechniken, wie sie für den Bau eines Flugzeugrumpfes verwendet werden. Es soll noch sechs Jahre dauern, bis ein ähnliches Konzept den Grand Prix-Rennzirkus in Form des Lotus 25 Formula One von Colin Chapman revolutioniert.

Mit der tiefliegenden Karosserie gehen die Designer ebenfalls neue Wege. Auf der Basis eines maßstäblich verkleinerte Modells des Saab Designers Sixten Sason wird sie aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) hergestellt, einem damals noch völlig neuen Werkstoff. Sason beklagt sich über die arbeitsintensive Formarbeit, aber GFK wird gewählt, weil es wesentlich leichter als Stahl ist. Allerdings gibt es kaum Erfahrungswerte im Umgang mit dem Material.

Das Triebwerk des Sonett ist genau so unkonventionell. Es handelt sich um eine umfassend modifizierte Weiterentwicklung des Dreizylinder-Zweitaktmotors mit 748 cm³ Hubraum, wie er in der Saab 93 Limousine zum Einsatz kommt. Um die Gewichtsverteilung zu optimieren, werden der längs eingebaute Motor und das Getriebe um 180° gedreht. Diese Art des Einbaus behält den Vorderradantrieb bei, macht aber aus dem Sonett I ein Fahrzeug mit Front-Mittelmotor-Konfiguration, wobei das Gewicht des kompletten Antriebstrangs innerhalb des Achsabstandes verteilt ist. Aus Balancegründen befindet sich der 60-Liter-Tank auf der dem Fahrer gegenüberliegenden Seite der Karosserie. Um eine möglichst niedrige Frontpartie darstellen zu können, wird der Motor leicht nach rechts geneigt.

Eine Höchstleistung von 57,5 PS ist für den Motorsport ein bescheidener Wert, aber mit einem Gesamtgewicht von nur 500 kg verfügen die Sonett Super Sports über ein gutes Leistungsgewicht von mehr als 100 PS pro Tonne. Das Aluminium-Chassis verleiht dem Sonett zudem Handlingeigenschaften, die gegenüber PS-starken Boliden durchaus Vorteile bieten.

Der erste Prototyp ist auf der Stockholm Motor Show im Februar 1956 eine Sensation. Unmittelbar darauf beginnt ein umfangreiches Testprogramm. Um die Entwicklungsarbeiten zu beschleunigen, werden weitere fünf Sonett mit Stahl-Monocoque gebaut.

Bevor jedoch ein Racing-Programm richtig Fahrt aufnehmen kann, muss Saab aufgrund eines geänderten Motorsport-Reglements seine Pläne ändern und versucht nun sein Glück im internationalen Rallye-Zirkus, das mit produktionsnahen Fahrzeugen ohnehin eine kostengünstigere Alternative darstellt. Mit den aufeinanderfolgenden Rallye-Siegen des Saab Piloten Erik Carlsson schreibt das Unternehmen Geschichte.

Alle sechs in den Jahren 1956/57 gebauten Fahrzeuge existieren noch und sind in fahrbereitem Zustand, Wenn der erste Sonett nicht seine Runden auf Oldtimer-Events dreht, ist er im Saab Car Museum in Trollhättan gemeinsam mit einem weiteren Exemplar zu bewundern. Die anderen vier Modelle befinden sich in Privatbesitz.

alle Fotos © Saab Automobile AB

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