Was bei Saab besser werden muss

Was kann Saab noch verbessern? Dieses Thema beschäftigt mich schon etwas länger. Mir geht es jetzt nicht darum, die aktuelle Krise zu durchleuchten. Ich kann ich nicht abschätzen, wieviel Verantwortung das Management dafür trägt oder was man hätte anders machen müssen.

Mal abgesehen von den aktuellen finanziellen Problemen gibt es aus meiner Sicht bei Saab noch einige Baustellen, die noch erledigt werden müssen. Saab hat seit der Übernahme durch Spyker im Frühjahr 2010 vieles richtig gemacht. Zwar hat man 2010 nicht die zunächst geplanten Verkaufszahlen erreicht. Dies liegt jedoch auch daran, dass GM ja noch im Januar 2010 kurz vor Geschäftsbschluss die Produktion herunterfahren musste. Dies zu beheben hat Saab mehrere Wochen Zeit und viel Image gekostet.

Trotzdem hat GM Saab zuletzt gute Produkte entwickeln lassen. Der 9-4X und der 9-5II sind positiv aufgenommen worden. Zwar verkauft sich der 9-5 noch nicht so stark wie vielleicht geplant. Allerdings fehlt auch noch der Sportkombi, der auf vielen Märkten bis zu 80% der Verkäufe ausmacht.
Der 9-3II ist überarbeitet worden und insbesondere die TTiD sind beim Verbrauch und der Umweltfreundlichkeit ganz vorne mit dabei. Der 9-3III wird gerade entwickelt und die bisherigen Informationen lassen auf ein tolles Modell schließen, dass zu alten Saab-Tugenden zurückkehrt.

Trotzdem sehe ich ein paar essentielle Punkte, die Saab meiner Meinung nach dringend verbessern muss.

  1. Händlernetz
    Problematisch empfinde ich das aktuelle Händlernetz. Meine Erfahrung zeigt, dass viele Leute eine bestimmte Marke fahren, weil der Händler nah ist. Nur echte Markenliebhaber nehmen es auf sich, weite Strecken zum nächsten Händler zurückzulegen. Daher sehe ich es kritisch, dass Saab das Händlernetz eher verdünnen als ausbauen will. Viele Gegenden in Deutschland, aber wohl auch in ganz Europa, haben keinen einigermaßen erreichbaren Saab-Händler. Natürlich ist es nicht sinnvoll, einfach in das bisherige System mehr Händler aufnehmen zu wollen. Saab verkauft nur geringe Stückzahlen, so dass ein Händler es sich zweimal überlegt, dafür hohe Summen zu investieren.
    Vielleicht sollte Saab sich überlegen, mal in Zusammenarbeit mit den aktuellen Händlern ein neuartiges Vertriebssystem aufzubauen. Ziel müsste sein, neben den jetzigen Händlern in der vernachlässigten Fläche noch weitere Vertriebspartner zu gewinnen, die sich für Saab engagieren möchten ohne große Investitionen tätigen zu müssen. Möglich wäre zum Beispiel ein Haupthändlersystem, für die dann kleine Werkstätten „zuarbeiten“. D.h. Service und Werkstatt auf Rechnung des kleinen Händlers, Verkauf auf Rechnung des Großhändlers mit Provision für den kleinen. Dazu bräuchte man keinen Glaspalast, sondern einen vernünftigen kleinen Händler, der sich vielleicht ein gäniges Saab-Modell in einen kleinen Verkaufsraum stellt und für Probefahrten nutzt. Es darf aber keine Hinterhofklitsche sein, die viele Kunden abschreckt.
  2. Händler
    Leider ist es so, dass die Qualität der aktuellen Händler zwischen grausam und sehr gut schwankt. Dies hat natürlich auch mit der Strategie von GM zu tun, alteingesessene Saab-Händler zu verdrängen und dafür Saab an Opel-Händler zu vergeben. Hier muss Saab ansetzen. Dabei ist es aus meiner Sicht völlig egal, ob der jeweilige Händler noch weitere Marken vertritt. Ich habe also grundsätzlich nichts gegen Opel-Händler einzuwenden. Wichtig ist, dass der Händler engagiert auftritt, sich um Saab kümmert und die Kunden nicht versucht, auf andere Marken „umzulenken“. Dazu muss natürlich auch Saab mit den Händlern fair umgehen.
  3. Marketing
    Saab hat hier ein verzwicktes Problem. Viel Marketing kostet viel Geld. Hier muss Saab viel kreativer werden. Zwei Wochen Plakate in Deutschland zur Einführung des 9-5II reichen nicht aus, dieses Modell bekannt zu machen. Ich bin kein Marketingexperte, daher kann ich hier keine tollen Ideen präsentieren. Ideal wäre natürlich Fernsehwerbung. Hier ist gerade Volvo mit der TV-Werbung für den V60 sehr erfolgreich und dies spiegelt sich auch in den Verkaufszahlen wieder. Das Problem für Saab ist natürlich die Finanzierung der extrem teuren TV-Werbung.
    Zusätzlich müsste Saab seinen Kunden eine Werksabholung ermöglich. Dies würde die Kundenbindung an Saab erheblich und kostengünstig verstärken. Statt ca. 600 Euro an Überführungskosten zu zahlen könnte Saab den Kunden zum gleichen Preis ein Abholpaket in Trollhättan anbieten. Darin enthalten Hinflug nach Schweden, eine Übernachtung, ein schwedisches Abendessen, Werksführung, Besuch im Saab-Museum, anschließend Fahrzeugabholung und Rückfahrt auf eigener Achse. Die Kosten für ein Abholzentrum in Trollhättan sollten überschaubar sein.
  4. Angebote für Geschäftskunden
    Hier fehlen Finanzierungsmöglichkeiten und annehmbare Leasingoptionen. Klar ist, dass Saab nie mit den aktuellen Angeboten der deutschen „Premium“-Anbieter mithalten kann. Allerdings gibt es sicherlich einen Markt für Kunden, die Audi, BMW und Mercedes nicht mögen und ein Jaguar zu protzig beim Kunden ankommt. Diese Klientel wäre auch bereit, für einen Saab einen gewissen Aufpreis zu bezahlen. Nur sollte der nicht wie aktuell 100% betragen.
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