Verärgerung über weitere Bedingungen der EIB

Die Verärgerung und das Unverständnis über die EIB wächst. Am Osterwochenende kamen weitere Details über die Verhandlungen von Saab mit der EIB ans Tageslicht. Am Donnerstag hat die EIB wohl einer Verringerung des EIB-Darlehens zugestimmt, sofern Saab den gesamten Kredit innerhalb von 90 Tagen insgesamt zurückzahlt. Diese Forderung wurde von Saab abgelehnt.

Der Sprecher von Wladimir Antonow, Lars Carlström, vermutet hier in der DI, dass die EIB Antonow nicht im Boot haben möchte. Die Verhandlungsweise der EIB gefährde laut Carlström den Fortbestand von Saab und von 10.000 Arbeitsplätzen bei Saab und den Zulieferfirmen.

Anderslautende Informationen kamen jedoch von der Vizepräsidentin der EIB, Eva Srejber (Foto links). Die Vizepräsidentin der EIB sagte vorgestern gegenüber der DI hier, dass es nur noch an der Zusage von GM läge. Inwieweit noch die Forderung vom Donnerstag, den EIB-Kredit innerhalb von 90 Tagen zurückzuzahlen, auf dem Tisch lag ist unklar. Nach dem Wortlaut des Artikels wäre die Rückzahlungsforderung nicht mehr aktuell.

GM hat per Email schon der EIB bestätigt, dass man gegen dieses Geschäft nichts einzuwenden hat. Auch hat GM schon früher schriftlich erklärt, solche Immobiliengeschäfte mit Wladimir Antonow grundsätzlich zu genehmigen. GM hat sich bereit erklärt, am Montag an einer Telefonkonferenz teilzunehmen, um etwaige Zweifelsfragen mit der EIB zu klären.

Eigentlich liegt eine kuriose Situation vor. Saab ist eigentlich liquide und hat genügend Mittel zur Verfügung. Gleichzeitig steht ein Investor bereit, der noch eine hohe Summe investieren will. Das ganze scheitert aber zur Zeit daran, dass Saab durch einen Kredit der EIB gebunden ist. Dadurch können die vorhandenen Mittel nicht frei eingesetzt werden und alle Transaktionen müssen von der schwedischen Regierung und der EIB genehmigt werden.
Dies bedeutet, dass Saab mittelfristig keine finanziellen Probleme hätte, wenn sich die EIB und die schwedische Regierung zu einer sinnvollen Lösung aufraffen könnten, die weniger finanzielle Risiken für die EIB und den schwedischen Staat beinhaltet. Doch gerade die EIB, die sich der Wirtschaftsförderung in der EU verschrieben hat, scheint diese sinnvolle Lösung nicht zu wünschen.
Welche Gründe die EIB für ihr eigentlich unlogisches Verhalten hat, ist nicht nachvollziehbar. Dabei hatte die EIB die Auszahlung der letzten Rate von 183 Mio. Euro, die Saab allerdings wohl noch nicht abgerufen hat, Ende März noch ohne Probleme nach einer Überprüfung der finanziellen Lage bei Saab genehmigt.

Bisher gibt es allerdings noch keine gesicherten Informationen darüber, ob und welche weiteren Forderungen der EIB es gibt. Es bleibt also abzuwarten, was die kommenden Tage bringen.

Hintergrund:

Aufgrund der verzögerten Erholung der Verkaufszahlen kam es bei Saab zu einem Liquiditätsengpass. Das Problem für Saab besteht darin, dass Saab durch das EIB-Darlehen über genügend Mittel verfügt, diese aber nicht für den laufenden Betrieb einsetzen kann.  Weiterhin steht der russische Investor Wladimir Antonow bereit, um zunächst mit ca. 30 Mio. Euro den Liquiditätsengpass kurzfristig zu beseitigen. Antonow möchte auch als Anteilseigner bei Saab einsteigen, um mehrere hundert Mio. Euro zu investieren.

Das EIB-Darlehen beträgt insgesamt ca. 400 Mio. Euro, davon ist aber bisher nur ein Teilbetrag von 217 Mio. Euro ausbezahlt. Saab möchte den Gesamtkredit auf 280 Mio. Euro begrenzen. Auf den Restbetrag von 120 Mio. Euro will Saab verzichten, um damit die Bürgschaft der schwedischen Regierung für den EIB-Kredit zu verringern. Diese Bürgschaft der schwedischen Regierung ist wiederum abgesichert durch die Vermögenswerte von Saab, unter anderem durch das Fabrikgelände.

Die Lösung besteht nun darin, den EIB-Kredit zu verringern. Dadurch kann die schwedische Regierung auch ihre Bürgschaft für Saab verringern und kann einige der Sicherheiten wieder freigeben. Saab kann mit diesen freien Sicherheit, geplant ist die Freigabe des Fabrikgeländes, auf dem Kreditmarkt sich refinanzieren und diese Mittel im Gegensatz zum EIB-Kredit frei einsetzen. Die Finanzierung soll über ein sale-and-lease-back-Geschäft mit dem Investor Wladimir Antonow ablaufen. Dieser stellt zunächst 30 Mio. Euro zur Verfügung. Die schwedische Regierung und die Reichsschuldenverwaltung haben dieser Vorgehensweise letzten Dienstag zugestimmt, nachdem Saab alle Bedingungen der Regierung erfüllt hatte. Probleme bereitet jetzt etwas überraschend die EIB.

Weitere Infos zur EIB hier.

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2 Antworten zu Verärgerung über weitere Bedingungen der EIB

  1. Red J schreibt:

    Das EIB, man sollte dort nicht all zu tief graben, die Leichen sind schon wenige Zentimeter unterm Boden vergraben. :-/

    Themawechsel, was hältst Du von Roewe auf Phoenix Basis? Man spricht ja von Interessenten für die Phoenix Plattform, und Roewe wäre ja ein guter Kandidat dafür, oder?
    Reine Spekulation.
    //RedJ

    • tauentzien schreibt:

      Nun ja, Roewe ist nicht mehr Rover. Der neue China-MG und der Bruder Roewe 750 fehlt irgendwie das, was Rover ausgemacht hat, das Gefühl von Britishness und die Qualität, die einen Rover 75 ausgemacht haben. Vielleicht schafft es SAIC (als Konzernmutter), das wieder aufleben zu lassen. Trotz der neuen Modelle fehlt es an Unverwechselbarkeit, die einen Rover oder einen MG ausmachen. Die Modelle sind nicht schlecht, aber man könnte halt auch einen Skoda oder Seat daraus machen. Aber als Kunde von Saab habe ich natürlich nichts gegen SAIC einzuwenden. SAIC hätte sicher mit der Phoenix-Plattform eine sehr gute Grundlage für neue MG- oder Roewe-Modelle.

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