Kontroverses Antonow-Interview

Der mögliche Saab-Investor und Spyker Cars Käufer Wladimir Antonow hat sich in der russischen Presse recht kontrovers zur aktuellen Situation bei Saab geäußert. Folgende Punkte waren seine Kernaussagen:

  • Saab wird die angepeilten 80.000 Verkäufe im Jahr 2011 nicht erreichen, sondern nur ca. 60.000 bis 65.000.
  • Saab wird wieder in den russischen Markt einsteigen, Generalimporteur wird eine Firma namens Armand sein.
  • Antonow glaubt, dass zukünftige Produktionsstandorte von Saab in China und unter bestimmten Voraussetzungen in Königsberg i.Pr. liegen könnten.
  • Sollte die Europäische Investmentbank (EIB) den 500 Mio. Euro Kredit unverzüglich zurückverlangen, dann wäre Saab innerhalb von 5 Tagen zahlungsunfähig.
  • Für diesen Fall könnte Antonow mit 400 Mio. Euro bereitstehen.
  • Antonow ist bereit, sofort 50 Mio. Euro in Saab zu investieren.
  • Antonow geht davon aus, dass es nicht einfach sein wird, weitere Investoren zu finden.
  • Zusätzlich glaubt Antonow, dass Saab im Jahr 2016 die Umsätze verdoppeln kann und im Jahr 2017 hohe Gewinne in Höhe von ca. 400 Mio. Euro machen wird. Dann wird es auch leicht sein, Investoren zu finden.

Leider sind einige Aussagen Antonows ziemlich gekürzt und teilweise aus dem Zusammenhang gerissen in der internationalen Presse wiedergegeben worden. Die Presse agiert eben wieder nach dem Motto „only bad news are good news“.

Insgesamt hat Antonow nach meiner Ansicht nur gezeigt, dass er unverzüglich in Saab investieren möchte und gerne Teilhaber wäre. Antonow wurde ja im Frühjahr 2010 durch GM und die amerikanischen Regierung aufgrund von strafrechtlichen Vorwürfen als Käufer und Teilhaber von Spyker abgelehnt. Um den Kauf von Saab durch Spyker trotzdem zu ermöglichen, verkaufte Antonow damals seine Anteile an Spyker; blieb als Geldgeber jedoch im Hintergrund. Später wurde Antonow von GM und der amerikanischen Regierung rehabilitiert. Der Weg wäre also für einen erneuten Einstieg Antonows frei. Allerdings wurde der EIB-Darlehen an Saab ohne den Anteilseigner Antonow vergeben. Sämtliche wesentlichen Eigentümerwechsel müssen aber durch den Darlehensgeber bestätigt werden. Dies stellt wohl gerade noch die einzige Hürde für einen Einstieg Antonows dar.

Dies ist wohl auch der Grund, warum er über diese Kreditfolgen überhaupt spricht. Mir scheint es so, dass Antonow gerne unverzüglich bei Saab einsteigen und investieren würde und mit diesem Interview etwas unbedarft Druck auf die schwedische Regierung oder die EIB ausüben wollte. Antonow hat zwischenzeitlich auf Saabsunited selbst bestätigt, dass es ihm nur darum geht, möglichst schnell Miteigentümer von Saab zu werden und endlich investieren zu können.

Neuigkeiten sehe da insgesamt nicht. Die angepeilten 80.000 Fahrzeuge sind natürlich optimistisch. Saab hat schon mehrmals gesagt, dass man bei den Verkaufszahlen hinterherhinkt, dies aber für den Business-Plan kein Problem darstellt. Aktuell hat Saab und Victor Muller auf das Interview reagiert. Das Verkaufsziel 80.000 Einheiten im Jahr 2011 wurde bestätigt und sämtliche Spekulationen im Hinblick auf das EIB-Darlehen dementiert. Es gibt bisher auch keine Informationen, dass die EIB sich überhaupt mit Saab aktuell beschäftigt.

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