Rückforderungsansprüche der Insolvenzverwalter

Bis zum 19. November sollten die Insolvenzverwalter ursprünglich ihren Bericht dem Insolvenzgericht in Vänersborg vorlegen. Aufgrund von weiterem Abstimmungsbedarf hatten die Verwalter eine Fristverlängerung bis zum 30. November 2012 beantragt und erhalten. Der schwedsichen Presse liegt der 50-seitige Bericht bereits heute Abend vor. In der Presse schlägt dieser Bericht auch schon einige Wellen. Nicht, dass etwas über die Hintergründe der Saab-Insolvenz in der Presse veröffentlicht worden wäre. Vielmehr wird fast ausschließlich über die Rückforderungsansprüche der Insolvenzverwalter geschrieben.

Die Insolvenzverwalter fordern in der anscheinend endgültigen Version des Berichts eine Summe von 35 Mio. schwedischen Kronen (ca. 4 Mio. Euro) von Victor Muller und GM zurück. Victor Muller soll 8 Mio. Kronen (ca. 900.000 Euro) zurückzahlen, da Saab schon im März 2011 zahlungsunfähig gewesen sei. Victor Muller habe als Vorstandsvorsitzender und Präsident den Insolvenzantrag trotz besseren Wissens erst viel zu spät am 19. Dezember 2011 gestellt.

GM soll 27 Mio. Kronen (ca. 3,1 Mio. Euro) zurückzahlen. Saab habe diese Summe an GM zur Begleichung von Schulden gezahlt, obwohl andere Gläubiger schon nicht mehr bezahlt werden konnten. GM wurde also laut den Insolvenzverwaltern als Gläubiger unberechtigt bevorzugt.

Brisant ist dabei, dass das schwedische Fernsehen SVT auf der eigenen Homepage zunächst von Rückforderungen in Höhe von 40 Mio. Kronen gesprochen hatte. Neben den oben genannten Summen war auch eine Rückforderung von 5 Mio. Kronen (ca. 600.000 Euro) gegen Saab-Administrator Guy Lofalk genannt. Diese Meldung wurde von SVT aber im Verlauf des Abends nach einem Protest von Guy Lofalk persönlich korrigiert. Angeblich habe SVT eine veraltete Version des Berichts zitiert. In der Endversion des Berichts haben sich die Insolvenzverwalter wohl entschieden, nicht gegen das überhöhte Honorar von Guy Lofalk vorzugehen. Es wäre ja auch unwahrscheinlich gewesen, dass die Insolvenzveralter tatsächlich gegen einen Kollegen vorgehen.

Schade, eigentlich sind das minimale Summen, um die es jetzt geht. Und ob der Rückzahlungsanspruch gegen GM in den USA durchgesetzt werden kann, ist mehr als fraglich. Mich hätten ganz andere Dinge interessiert, aber scheinbar steht entweder dazu nichts im Bericht oder die Hintergründe sind für die schwedische Presse uninteressant.

Wer jetzt also auf Hintergrundinformationen zum Verkauf von Saab an NEVS oder weitere Informationen gehofft hatte, wird zunächst einmal enttäuscht. Dabei gibt es noch so viele offene Fragen: Welchen Kaufpreis hat NEVS bezahlt? Wie verlief der Verkauf im Einzelnen? Warum wurde Saab Parts schlussendlich nicht verkauft und vom schwedischen Staat übernommen? Welchen Einfluss hat der schwedische Staat ausgeübt? Warum kamen die anderen Bieter wie Mahindra oder Youngman nicht zum Zuge? Aber so ganz gebe ich die Hoffnung noch nicht auf. Vielleicht gibt es am Freitag doch zumindest einige Antworten auf diese Fragen im Bericht der Insolvenzverwalter.

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5 Antworten zu Rückforderungsansprüche der Insolvenzverwalter

  1. Herbert Hürsch schreibt:

    „(…) da Saab schon im März 2011 zahlungsunfähig gewesen sei. Victor Muller habe als Vorstandsvorsitzender und Präsident den Insolvenzantrag trotz besseren Wissens erst viel zu spät am 19. Dezember 2011 gestellt.“

    Das wirft nicht gerade ein gutes Licht auf VM. Was GL und die Korrekturen am Bericht betrifft, so erinnert mich das an die Korrekturen am Armutsbericht der Bundesregierung, die heute durch die Presse gingen. Man kann eben keiner Statistik, Untersuchung und keinem Bricht trauen, wenn man diese nicht selbst gefälscht hat.

    Man wird wohl nie erfahren, was da wirklich vor sich ging.

  2. Marcus schreibt:

    die inso-verwalter werden für mich immer unglaubwürdiger:

    ein ceo, der um das überleben des unternehmens kämpft und auch schriftliche zusagen von geldgebern vorlegen kann, ist auf der sicheren seite, auch in schweden.
    hier den versuch zu starten, genau die person zur rechenschaft ziehen zu wollen, die wie niemand sonst um das überleben von saab gekämpft hat, ist schon starkes stück – passt aber in das aktuelle bild, dieser schmierenkomödie.
    alleine die entscheidung für nerv (absicht!), ist ja ein treppenwitz, wenn ich mir den nonsens betrachte, dass man die hoffnung hat, in einem halben jahr wieder 9-3 zu bauen, dabei aktuell sage und schreibe 3, in worten „drei“ mitarbeiter sucht…
    die insolvenzverwalter gehören zur verantwortung gezogen und ich hoffe nur, dass das auch noch irgendwann der fall sein wird.

    • Herbert Hürsch schreibt:

      „ein ceo (…)“

      Mag schon sein. Aber kann VM auch wirklich schriftliche Zusagen von seriösen Geldgebern vorlegen, die ihre Zahlung ausschließlich an auch tatsächlich erfüllbare Bedingungen geknüpft hatten?

      Falls VM nicht nachweisen kann, dass er/Saab alle Bedingungen erfüllt hat, haben die „Zusagen“ eher den offenen Status von einem Verhandlungsstand X und von einer Absichtserklärung Y. Auf dieser Basis könnte VM schwerlich rechtfertigen, die Insolvenz über ein halbes Jahr verschleppt, sich selbst weiterhin (unversteuertes) Einkommen gezahlt und andere sitzen gelassen zu haben.

      Wie auch immer. Man wird sehen (hoffentlich). So oder so wird VM neben dem schmierigen Guy Lofalk immer aussehen wie der Erzengel Gabriel. Dafür braucht er allerdings auch keine blütenreine Weste und womöglich hat er die auch gar nicht?

      • marcus schreibt:

        sicher hat er keine blütenreine weste, aber wer hat fir die schon?
        sicher hat er bei dem rettungsversuch auch das interesse, sein kapital zu sichern, das ist auch legitim.
        aber noch nie hat jemand so um und für saab gekämpft und hatte auch saab „verinnerlicht“.
        keiner von uns hat wirklich kenntnis davon, wie seine gehaltsstruktur und – zahlung
        ausgehen hat – nur weil der schwedische staat etwas behauptet, ist das noch lange kein fakt. daher werde ich mich hüten, hier irgendeine form von vorverurteilung vorzunehmen.

  3. Joachim schreibt:

    Auch ich habe mittlerweile das Gefühl, dass die Bergqvist-Crew aufgrund der schleppenden Vorgäng bei NEVS krampfhaft versucht vom eigenen Versagen abzulenken und dafür andere Personen ins Rampenlicht bekommen möchte!

    Der Ausdruck Schmierenkomödie trifft hier voll zu – nach Versager-GM und Versager-Lofalk hat nun auch die Versager-Crew um Bergqvist mit der Auswahl von NEVS ganze Arbeit geleistet!

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