Der Saab-Skandal geht weiter!

Den Begriff Saab-Skandal habe ich bereits im Januar 2012 in einem Artikel hier im Blog in leicht anderem Zusammenhang benutzt und bin dafür von einigen „Saab-Fans“ teilweise auch unsachlich kritisiert worden. Aber offensichtlich war der Begriff schon damals ziemlich zutreffend und andere haben heute diesen Begriff übernommen. Denn heute Abend um 20 Uhr beschäftigt sich der schwedische Fernsehsender SVT1 mit den Gründen für die Saab-Insolvenz im Jahr 2011. Vorab hat der Fernsehsender schon einige pikante Details zu Abläufen in der Rekonstruktionsphase zwischen September und Dezember 2011 veröffentlicht. Diese Details waren heute früh auch Thema im schwedischen Radio.

Das TV-Magazin “Uppdrag Granskning” will heute Abend die Zusammenhänge der “Saab-Affäre” – also die Einflussnahme von schwedischer Regierung, EIB und GM auf Saab klären. Auch will man darstellen, wie Saab von Victor Muller geführt wurde und wie die Finanzierungsströme liefen.

Die jetzt bekannt gewordenen Details beziehen sich aber nur auf einen kleinen Ausschnitt dieses Zeitbereichs – der Rekonstruktionsphase von September bis Dezember 2012. Trotzdem gibt es einige brisante Enthüllungen.

Victor Muller

Wir erinnern uns kurz. Im Herbst 2011 gab es den Kampf zwischen Victor Muller und Administrator Guy Lofalk. Guy Lofalk fiel damls schon durch erhebliche Eigenmächtigkeiten auf. Zum Beispiel verhandelte er ohne Mandat in China und in den USA und verkündete während der Saab Händlertour den gesamten Verkauf von Saab an Youngman und Pang Da. Damals war jedoch nicht ganz klar, ob hier wirklich ein Fehlverhalten von Lofalk voriag oder ob es hier einfach zu einem Machtkampf zwischen Muller und Lofalk gekommen war. Auch war die Rolle der schwedischen Regierung unklar.

Guy Lofalk

Hier kann “Uppdrag Granskning” Licht ins Dunkel bringen. Im Herbst 2011 gab es Gerüchte, dass Lofalk Saab an Geely verkaufen wollte. Es wurde eine Delegation von Geely im Werk in Trollhättan gesichtet, doch weiter tat sich nichts und die Kontakte wurden später als reine „Höflichkeitsbesuche“ deklariert.

Doch tatsächlich hat Guy Lofalk mit Unterstützung der schwedischen Regierung Saab für 1.000.000 US-Dollar der chinesischen Volvo-Mutter Geely zum Kauf angeboten. Am 7. Oktober 2011 kam es zu einem Treffen von Lofalk, dem Geely-Chef Li Shufu und Finanzminister Anders Borg im Stockholmer Finanzministerium. Saab- oder SWAN-Vertreter waren nicht anwesend. Dort soll das Angebot an Geely gemacht worden sein. Gescheitert sei das ganze nur am Einspruch des Chefs der Reichsschuldenverwaltung, Bo Lundgren, der die juristische und ethische Problematik wohl erkannte.

Ein eklatanter Rechtsbruch im Benehmen mit der schwedischen Regierung. Auch während der Rekonstruktion ist im Gegensatz zur Insolvenz die normale Geschäftsleitung im Amt. Der Administrator darf also nicht wie ein Geschäftsführer oder Eigentümer agieren, sondern er kann lediglich gewisse Abläufe genehmigen oder nicht genehmigen und ansonsten die Geschäftsleitung beraten. Ich möchte hier nicht auf juristische Feinheiten eingehen, aber Lofalk hat rechtswidrig zum Schaden von Saab gehandelt hat und die schwedische Regierung ihn dabei unterstützt oder sogar dazu angestiftet hat.

Unglaublich ist das ganze auch, wenn man bedenkt, dass Saab damit deutlich unter Wert hätte verkauft werden sollen. Man kann jetzt zwar nicht die ca. 220 Mio. Euro als Vergleich heranziehen, die vermutlich NEVS für Saab gezahlt hat. Denn hier ging es nur um die Vermögenswerte ohne die Saab-Schulden. Aber Youngman und Pang Da waren Ende Oktober 2011 bereit, 100 Mio. Euro inklusive der Saab Schulden zu bezahlen. Als mehr als das 100-fache der von Geely geforderten 1 Mio. US-Dollar. Das ganze wäre also faktisch auf eine rechtswidrige Enteignung herausgelaufen. Ein massiver Rechtsbruch!

Aufgrund der jetzt veröffentlichen Details kann man also sagen, dass Lofalk seine Kompetenzen völlig überschritten hat und damit zusammen mit der schwedischen Regierung zu einem gewichtigen Teil der Verantwortung für das weitere Schicksal von Saab trägt. Unterstützung scheint Saab nur in Form des Chefs der Reichsschuldenverwaltung, Bo Lundgren, erhalten zu haben.

Deutlich wird, dass Saab ab 2009 niemals eine Chance zum Überleben hatte. Während andere Regierungen ihre Automobilindustrie unterstützen – siehe aktuell Frankreich mit ca. 9 Mrd. Euro indirekten Krediten – hat die schwedische Regierung alles getan, um Saab vom Markt zu entfernen. Warum dies die Regierung getan hat, steht in den Sternen. Der volkswirtschaftliche Schaden ist für Schweden heute deutlich höher als bei einer staatlichen Unterstütztung und einem Weiterbestehen von Saab.

Mal sehen, ob heute Abend noch weitere interessante Details veröffentlicht werden. Ich gehe aber nicht davon aus, dass die schwedische Öffentlichkeit oder die Presse sich jetzt gegen die Regierung wenden wird. Ich befürchte, dass die Geschichte schnell wieder vergessen wird, sobald das nächste Thema aktuell wird.

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Eine Antwort zu Der Saab-Skandal geht weiter!

  1. Roland schreibt:

    Ich bin echt baff… Phuu das muss man sich mal vorstellen.. Unglaublich!

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