Neues zu Saab – 06.09.2012

Nach langer Zeit gibt es schon wieder zweites „Neues zu Saab“ hier im Blog in kurzer Zeit. Ich habe etwas überlegt, ob man jetzt noch einen solchen Titel bringen kann. Das kann man sicher diskutieren, aber schlussendlich habe ich mich dafür entschieden diesen Titel trotz des Endes der Saab Automobile AB beizubehalten. Zum einen will ich nicht „Neues zu NEVS“ schreiben, zum anderen darf NEVS den Markennamen Saab verwenden, so dass voraussichtlich der Name Saab wieder an Fahrzeugen Verwendung finden wird. Daher werde ich den eingeführten Titel beibehalten und es gibt auch wieder ein paar „Schnippsel“ aus der Saab-Welt. 

Zunächst fange ich mit Bo Lundgren an. Der Name wird einigen noch geläufig sein. Er ist nämlich der Chef der schwedischen Reichsschuldenverwaltung, die in mehrfacher Hinsicht mit Saab befasst war und ist. Zunächst ging es im Frühjahr 2011 um die Refinanzierung durch den Einstieg von Wladimir Antonow bei Saab. Hier hat die Reichsschuldenverwaltung positiv gewirkt und Saab entsprechend der politischen Möglichkeiten unterstützt. Leider war dies bei den anderen Mitspielern – der schwedischen Regierung und der EIB – nicht der Fall.

Daneben spielte Lundgren eine entscheidende Rolle bei der jetzt anstehenden Übernahme von Saab Parts durch die schwedischen Regierung. Für Saab Parts und damit auch für die  Kunden von Saab Parts bedeutet dies Sicherheit und ermöglicht Saab Parts gleichzeitig eine kontinuierliche Entwicklung. Gleichzeitig bleibt es zumindest durch die faktische Treuhänderschaft der Reichsschuldenverwaltung möglich, später einmal Saab Parts und Saab (bzw. NEVS) wieder zusammenzubringen.

Wie man sieht hat die Reichsschuldenverwaltung durchaus positiv für Saab gewirkt. Auch ich habe mich immer gefragt, warum hier die schwedische Verwaltung im Gegensatz zur schwedischen Politik so konstruktiv und zielgerichtet arbeitet. Hier gibt es jetzt zumindest teilweise eine Antwort. Denn Bo Lundgren wird nach 8 Jahren aus persönlichen Gründen den Vorsitz der Reichsschuldenverwaltung aufgeben. Lundgren möchte jetzt seine Memoiren schreiben, denn im Verlauf seiner politischen Karriere hat sich viel ereignet. Ein wichtiger Teil seiner Arbeit war auch die Arbeit mit Saab. Lundgren berichtet, dass er ein großer Saab-Fan ist und insgesamt 11 Saab-Fahrzeuge besaß. Daher hofft Lundgren auch, dass es mit Saab weitergeht. Er sei sehr traurig darüber, dass Saab keine Autos mehr produzieren kann. Jetzt hofft er auf einen Neuanfang und neue Arbeitsplätze in Trollhättan.

Das ist doch ein schönes Outing! Lundgren hat konstruktiv an der Lösung der Probleme von Saab im Rahmen seiner Möglichkeiten mitgearbeitet und ich glaube nicht, dass er sich dabei von seiner Saab-Leidenschaft hat leiten lassen. Lundgren hat professionell die Vorteile eines Fortbestehens der Saab Automobile AB für den schwedischen Staat und die schwedische Bevölkerung gesehen. Leider hatten nicht alle schwedischen Politiker diese Weitsicht.

Daneben haben die schwedischen Medien eine Umfrage bei den schwedischen Ingenieursfirmen durchgeführt. Die Presse wollte wissen, wie diese Firmen zu NEVS stehen. Einhellige Antwort: Die Ingenieursfirmen freuen sich über die Übernahme von Saab durch NEVS. Klar ist, dass diese Firmen sich natürlich Aufträge von NEVS erhoffen. Daher wird es von dieser Seite aus natürlich keine Kritik an NEVS geben. Das ist aus meiner Sicht legitim, ergibt aber kein objektives Bild.

Ansonsten berichtet die schwedische Presse recht zurückhalten über die abgeschlossene Übernahme von Saab durch NEVS. Anfang der Woche gab es noch ein kurzes Gewitter für NEVS, als einige Kommentatoren die rudimentären Planungen von NEVS auseinandernahmen. Ab Mittwoch herrschte aber schon wieder Ruhe und der Abschluss der NEVS-Übernahme von Saab scheint kein großes Thema mehr zu sein. Dabei gäbe es genug offene Fragen, wie zum Beispiel die Frage der Produktion in Schweden für den Export nach China (lohnt sich sowas?), die Frage nach einem Kooperationspartner und die Frage des nicht vorhandenen Vertriebsnetzes. Diese konnten auch die NEVS-Presseleute bei einem kurzen Interview von Saabsunited nicht vollständig ausräumen. Vielleicht lag es auch an den zu freundlichen Fragen des sehr NEVS-freundlichen Saabsunited-Kollegen.

Bei mir lösen die aktuellen Ereignisse keine Begeisterung aus und tragen auch zu einer gewissen Schreibmüdigkeit bei. Dazu ist bei Saab zu viel in den letzten Monaten zerschlagen worden und der Businessplan von NEVS ist bisher zu enttäuschend. Ich habe nichts gegen Elektrautos, aber bezahlbare Saab-Fahrzeuge für die weltweiten Saab-Freunde sind kurz- und mittelfristig mit NEVS nicht in Sicht. Dies bedeutet, dass alle Saab-Freunde, die mittelfristig wieder einen Neuwagen oder einen neueren Gebrauchtwagen fahren wollen, spätestens in ein paar Jahren die Marke wechseln werden müssen.

Zur Zeit scheint NEVS noch in der Einarbeitungs- und Aufbauphase zu sein. Vielleicht sehen wir daher auch alles zu negativ. Es gibt nämlich auch ein paar positive Andeutungen; so schließt NEVS ein Hybrid auf Basis des 9-3III nicht mehr ganz aus, auch soll nicht nur China beliefert werden, sondern man will weltweit aktiv werden. Zudem will man wohl mit Saab Parts zusammenarbeiten und deren Vertriebsnetz verwenden. Auch wenn die bisherigen Infos zu den NEVS-Plänen trotz dieser positiven Andeutungen insgesamt nicht toll sind, sollten wir NEVS doch eine Chance geben, denn zur Zeit scheint es für uns keine andere Möglichkeit für einen neuen Saab zu geben. Und etwas sinnvolles muss NEVS in der Hand haben, sonst hätte die Saab AB NEVS nicht die Nutzung der Namensrechte gestattet. Vielleicht gibt es ja doch noch einen interessanten Kooperationspartner, denn NEVS scheint hier in Verhandlungen zu stehen.

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