Weitere Stimmen zur Saab-Übernahme

Mehr als 24 Stunden sind jetzt vergangen seit die Insolvenzverwalter den Verkauf von Saab an das Elektrokonsortium NEVS in einer Pressekonferenz bekannt gegeben haben. Ein Aufschrei der Enttäuschung ging und geht weiter durch die Saab-Welt. Dagegen waren offizielle Äußerungen trotz der fragwürdigen Pläne von NEVS eher positiv. Jetzt mehren sich aber auch in der schwedischen Presse die Stimmen, die das Konzept von NEVS in Frage stellen. Zu viele Fragen zum Konzept von NEVS sind noch offen.

Lasse Sward von der Dagens Nyheter sieht zunächst etwas Positives am Verkauf von Saab. Saab habe überhaupt wieder eine Chance bekommen. Aber jetzt müsse man darüber nachdenken, wie man aus einem 10 Jahre alten Auto ein Elektro-Auto machen könne – in etwa zwei Jahre. Und es sind nach Swards Meinung weitere Fragen offen: „Wie wird der Relaunch von Saab finanziert werden? Wie lassen sich neue Händler für die Marke finden? Wie lässt sich bei den Zulieferern wieder Vertrauen in die Marke Saab aufbauen?  Man habe gestern auf diese Fragen keine Antwort erhalten.

Nils-Olof Ollevik vom Svenska Dagbladet meint, dass NEVS fast nichts hat, was Saab eine Überlebenschance geben könnte. Saab Automobile hat als Elektroautohersteller nach seiner Meinung die gleiche Überlebenschance „wie ein Schneeball in der Hölle“.

Vielleicht trifft Hakan Matson von der Dagens Industri am besten die Stimmung der meisten Saab-Freunde. Er hinterfragt die ganze Angelegenheit und sagt, dass die Zukunft die meiste Zeit wohl „neue Qualen, neue Enttäuschungen, neue Versprechungen, neue Verluste und ein neues schmerzhaftes Fiasko bringen wird.“ Weiter schreibt Matson:
„Ich dachte in meinen kühnsten Träumen nicht daran, dass es möglich sein könnte Saab an eine Firma, die noch weniger Erfahrung im Automobilbau hat als Spyker und Koenigsegg, zu verkaufen.“

Gut, Matson übertreibt vielleicht wieder etwas im üblichen negativen DI-Stil. Aber im Kern hat er schon recht. Das gestern vorgestellte Konzept ist so sicher nicht tragfähig und es stehen noch sehr viele offene Fragen im Raum. Aus meiner Sicht macht das NEVS-Konzept nur mit einem Partner für den konventionellen Automobilbau in Trollhättan Sinn.

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11 Antworten zu Weitere Stimmen zur Saab-Übernahme

  1. Marcus schreibt:

    für diese erkenntnisse haben die schweden aber lange gerbraucht…

    wären sie mal vorher richtig aktiv geworden, hätten sie richtig druck auf die sogenannte „regierung“ ausgeübt, als man saab noch mit einem verhältnismässig geringen betrag hätte retten können.
    mein eindruck ist der, dass man dort wohl immer zu spät kommt.
    trollhättan kann es ausbaden – und der steuerzahler zahlt es jetzt doppelt und dreifach – das habe ich aber schon im mai letzten jahres geschrieben.
    auch der vielgeschmähte, von mir sehr geschätzte vm ist unersetzbar in seinem enthusiasmus für saab – wenn man sich die beiden bürkraten gestern so zu gemüte führt, sollten viele verstummen.
    ein wirklich guter finanzmann und vm für produktentwicklung, vertrieb etc. wäre ein erfolg geworden, da bin ich sicher.
    wenn man dann noch einige personen in einigen ländern ausgetauscht hätte, gäbe es vielleicht auch in deutschland einige 9-5 II mehr.
    wem hat man denn die aktuell wieder hochgelobte phoenix-plattform zu verdanken?
    das wird nie erwähnt.

  2. Klaus9-5II schreibt:

    Hauptsache die Damen und Herren Anwälte haben sich die Taschen schön vollgemacht und gezeigt, das Unfähigkeit in dieser Spezies Beruf wohl Einstellungskriterium ist.
    Die spielen doch bestimmt mit Herrn Lofalk Golf oder Derby.
    Es reicht halt nicht aus blanke Theorie in Form von Paragraphen zu leben und fördern anstelle die Folgen für alle Betroffenen mit zu bedenken.
    Geld regiert die Welt, auch in Schweden.
    Leider!

    • tauentzien schreibt:

      Na, bevor ihr jetzt den ganzen Berufsstand „niedermacht“: VM ist auch Jurist… 😀

    • Karl schreibt:

      Die Anwälte dürfte die geringste Schuld treffen. Schweden tickt anders als Deutschland, ein solches Verfahren wäre in Deutschland kaum möglich. Saab ist von der Regierung abgeschrieben. Stockholm konzentriert sich auf Volvo, die erhalten alle mögliche Hilfe. Wer Saab erhalten möchte, wird von der schwedischen Bürokratie ausgebremst, genau so lief dieser Konkurs ab.

      Obwohl ich Schweden gut kenne, habe ich mir am Anfang dieses Verfahren, so auch nicht vorstellen können.

      Saab wird geschlachtet, der Geely-Konzern ist der Nutznießer, weil ihnen Volvo gehört.
      Kai Johan Jiang ist tief in Volvo verwurzelt, sein Freund Karl-Erling Trogen war bei Volvo Direktor. Auch steht Kai Johan Jiang mit vielen schwedischen Politikern in engem Verhältnis.

      Ich bezweifle, dass die Konkursverwalter Herr des Verfahrens waren.

      • Detlef Rudolf schreibt:

        Wenn nicht schleunigst umsetzbare Pläne von NEVS nachgeschoben werden (eischließlich Erlangung der Namensrechte), muß Deine Aussage leider als Fakt angesehen werden – noch denkt man (auch aufgrund der Aussagen in anderen Blogs),
        da kommt noch was.

        Was mich nun wirklich verwundert, ist das momentane Verhalten von Youngman-Lotus – die haben doch einen schwedischen Anwalt und können sich nicht derart unsauber abservieren lassen. Aufgrund dieses „Siegers“ im Bieterwettstreit dürften doch die Argumente kontra Jiang und Trogen unerschöpflich sein!

        • Karl schreibt:

          Detlef,
          ich denke deshalb wurden die Gespräche mit der NDRC kurz vor der Bekanntgabe des Gewinners geführt. Vermutlich gab es ein „Trostpflaster“ an Youngman. Genauso ist es auch vorstellbar, das Mahindra für seinen Verzicht belohnt wird.
          Noch folgender Gedanke: Wäre es nicht auch vorstellbar, das Victor Muller scheitern mußte.
          Ich weiß viel Verschwörungstheorie, aber wenn es in Schweden ums Volkswohl geht ist fast alles möglich. Im übrigen, nichts würde mich mehr freuen als wenn ich unrecht hätte. Fast 45 Jahre hänge ich an Saab, es stimmt mich sehr traurig, dass es gekommen ist.

  3. Mario Messi schreibt:

    Nun bleibt doch mal auf dem Teppich! (1) NEVS hat keine Verpflichtung, ihre Pläne der Fan-Gemeinde offenzulegen. (2) Ich gehe mal davon aus, dass die Pläne in den Verhandlungen schon etwas detaillierter – und insgesamt offenbar auch überzeugender als die 400-Youngman-Euros – dargelegt wurden. (3) Wer, wenn nicht NEVS selbst, die gerade mehrere 100 Mio. ins Feuer gestellt haben, hat das stärkste Interesse daran, umsetzbare Pläne in der Schublade zu haben??? Die haben sich was überlegt, da können wir ziemlich sicher sein.

    • Detlef Rudolf schreibt:

      Die Frage ist nach wie vor nur, ob diese Truppe sich etwas pro oder contra SAAB-Automobile überlegt hat – momentan sieht es nur nach contra aus. Ist leider so.

      Wenn man wirklich gute Pläne hätte, dann würde man in der Regel diese auch vorstellen, damit nicht auf Anhieb ein öffentliches Negativ-Bild vom „Konzern“ entsteht – welches sich sogar noch permanent vergrößert. Sehr geschickt eingefädelt!

  4. Marcus schreibt:

    swade hat auf seiner webseite einen offen brief an die führung von nevs geschrieben – hervorragend wie ich meine.

    mehr unter http://www.swadeology.com

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