Die europäische Autoindustrie in der Krise

Bei Saab gibt es weiterhin keine Neuigkeiten. Die Entscheidung der Insolvenzverwalter steht weiterhin aus – zumindest die offizielle Bekanntgabe. Da ich keine Lust habe, mich wieder mit dem Thema Vergangenheitsbewältigung zu beschäftigen, werde ich mich jetzt nicht über die erneute Überprüfung des Honorars des ehemaligen Saab-Administrator Guy Lofalk berichten. Da geht es um ca. 1 Mio. Euro für die Kanzlei von Lofalk. Sicher eine hohe Summe, aber im Verkaufsverfahren von Saab spielt das keine Rolle mehr. Heute möchte ich mich aber kurz mit der schwedischen Konkurrenz von Saab, also Volvo, aber auch mit der Kirse der europäischen Massenhersteller PSA und Opel beschäftigen.

Volvo hat aktuell mit Problemen zu kämpfen. Nicht nur in Europa ist der Absatz von Volvo im April 2012 um 7,9 Prozent auf 20.308 Einheiten gesunken. Auch in den USA, einem der Hauptmärkte von Volvo, ging der Absatz um alarmierende 24,3 Prozent zurück. Um alle angestoßenen Projekte zu finanzieren, versucht Volvo trotzdem, den Umsatz – und damit den Cash-flow – hoch zu halten. Die Rabatte bei Volvo dürften damit nochmals ansteigen.

Volvo hat das Problem, in mittlerer Zukunft eigene Plattformen entwickeln zu müssen. Bisher konnte noch das Know-how von Ford, wie zum Beispiel auch beim neuen V40, genutzt werden. Ford gestattete im Gegensatz zu GM bei Saab der scheidenden Tochter großzügig die Nutzung der gemeinsamen Technologie für einen Übergangszeitraum. Die Nutzung der Ford-Technologie wird bei der nächsten Volvo-Generation nicht mehr möglich sein, so dass für Volvo zunächst hohe Entwicklungskosten entstehen werden. Wenn dann auch noch die Einnahmen wegbrechen wird es natürlich schwierig.

Trotzdem ist die Lage bei Volvo im Vergleich zu Peugeot, Fiat und Opel noch recht komfortabel. Diese Marken müssen einen Rückgang der Verkaufszahlen zwischen 15 und 20 Prozent verkraften. Insbesondere der Zustand des französischen PSA-Konzerns (Peugeot und Citroen) erscheint bedenklich. PSA versucht verzweifelt, die Konzernzentrale zu verkaufen, um schnell zu frischem Geld zu kommen. Ob man die Kooperation mit GM überhaupt noch erleben wird, erscheint immer fraglicher. In der Presse gibt es schon erste Spekulationen, ob Peugeot oder Opel als erster vom Markt „abtritt“. Aus meiner Sicht wird die Kooperation dieser schwachen Partner keinen Erfolg haben. Aus zwei schwachen Firmen kann man keine starke Kooperation machen.

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5 Antworten zu Die europäische Autoindustrie in der Krise

  1. Marcus schreibt:

    die hersteller von massenprodukten, insbesondere in den kleineren klassen, werden in zukunft gegen die hersteller aus china, korea, indien etc. wohl keine chance mehr haben. dazu wird nach meiner meinung auch irgendwann vw etc. gehören.
    die chance besteht für die europäer darin, ein klares image und eine eigene identität zu vermitteln, dann werden sie auch in zukunft auf dem gesamten weltmarkt mit fahrzeugen der gehobenen klassen erfolg haben.
    dies ist auch meiner meinung nach der hauptgrund für mahindra + youngman, für saab fast jede summe zu bieten. dies ist allemal um welten billiger, als ein image eines asiatischen herstellers in europa und weltweit auf das image eines europäischen herstellers zu hieven. dies ist bis heute weder lexus, noch infinity gelungen udn wird auch nicht gelingen.
    daher ist saab mehr als nur ein schnäppchen, saab ist spottbillig, mehr als geschenkt und es ist langfristig für die bieter auch völlig egal, ob man in einem halben jahr, oder erst in zwei jahren wieder autos in t´hättan produzieren wird.
    aber, und das ist gut so: man wird wieder in schweden produzieren, denn anders geht das mit dem image nicht…
    für uns saab enthusiasten betet sich dadurch aber die tolle chance, künftig eine grössere vielfalt an fahrzeugen unter dem namen saab kaufen zu können, sicher optimiert durch das engineering in t´hättan, aber ebenso sicher nur ein teil dort produziert.
    dies ist wohl unvermeidbar, aber für uns sicher aber das kleinere übel.
    schlussendlich war der letzte suv auch nicht aus schweden, hatte aber wohl viel „spirit“ von saab mitbekommen.
    die „saabishness“ wird dabei sicher erhalten bleiben, denn genau das ist der wert von saab.

    ps: habe gestern meinen 9-5 II V6 „hirschen“ lassen. das ganze ist schlicht ein traum und gm ist noch mehr als nur extrem dumm, solche perlen nicht wertzuschätzen.
    die bremsen wurden auch nich gemacht und ich hatte einen opel als ersatzfahrzeug.
    fährt gut, aber emotionen kann ich mir damit nicht vorstellen. diese autos kann man überall auf der welt bauen, das hat leider sogar gm erkannt und daher schlittert opel in die probleme.
    nur ist gm zu dumm zu erkennen, dass man da wo konstruiert wird, auch produzieren muss, sonst wird das nichts.
    ich persönlich gebe gm in europa noch maximal 5 jahre – die koreaner sind ja heute schon besser.

  2. Pascal schreibt:

    9-5 by Hirsch ist grosse Klasse 🙂

  3. Markus schreibt:

    GM ist einfach zu blöd, um Automarken zu führen. Das einzige, was die in den letzten 40 Jahren kultiviert und entwickelt haben, sind autoaverse Buchhalter.

  4. tremonia schreibt:

    Ein interessantes Thema.

    Da sowohl Volvo als auch Saab neue Plattformen für ihre neuen Modelle entwickeln müssen, könnte sich vielleicht eine Schweden-Allianz der beiden Marken anbieten. Wenn man die Plattformen zusammen entwickeln würde, könnte das beiden Herstellern viel Geld ersparen. Auf den Plattformen könnten Volvo und Saab dann je ihre eigenen Modelle entwickeln. Beide Marken sollten dann auch versuchen, in Zukunftsmärkten wie China, Indien oder Brasilien weiter zu wachsen, um nicht weiter allein von eher schrumpfenden Märkten wie Europa und Nordamerika abhängig zu sein.

    Mittelfristig sollten auch BMW und Mercedes gemeinsame Plattformen entwickeln, damit sie dauerhaft Wettbewerbsfähig bleiben können. Denn auf dauer sind beide zu klein, um allein gegen die großen Konzerne bestehen zu können.

    Dass die Lage bei PSA inzwischen so dramatisch ist, habe ich noch nicht gewusst. Dass sie in der Krise stecken war mir bekannt. Der Beteiligung durch GM wurde nur zähneknirschend zugestimmt. Bei PSA wurden viele Fehler gemacht. Einerseits hat man es auch hier verschlafen, auf Zukunftsmärkte wie China usw. zu gehen. Dadurch trifft ein schrumpfender Europäischer Markt Peugeot und Citroen umso härter. Zum anderen sahen die Peugeot-Modelle in den letzten Jahren nicht gerade attraktiv aus. Außerdem werden die beiden Marken gerade in ihren Hauptsegmenten Klein- und Kompaktwagen von zwei Seiten in die Zange genommen. Zum einen die Koreaner wie Hyundai und Kia, die ähnlich gute Qualität für weniger Geld bieten. Zum anderen durch die Premiummarken (Mini, BMW 1er, Audi A1 und A3), die nach unten wachsen. Der neue Kleinwagen 208 könnte die letzte große Chance für Peugeot sein. Wenn er kein Erfolg wird, könnten Peugeot und Citroen bald Geschichte sein. Es sei denn, die Französische Regierung hilft PSA, sich als Tochterfirma unter das Dach von Renault zu retten.

    Auch die Zukunft von Opel ist offener denn je. Unter GM wird Opel keine gute Zukunft haben. Es ist schon traurig, wenn man sehen muss, wie diese Traditionsreiche Marke von GM immer mehr zugrunde gerichtet wird. Noch dazu spielt das GM Management die Mitarbeiter gnadenlos gegeneinander aus. So hat gestern das überalterte und viel teurere Werk in England die Produnktionszusage für den neuen Astra bekommen, was zwangsläufig dazu führen wird, dass man eines der modernsten und flexibelsten Opel-Werke in Bochum dichtmachen wird. Was Opel retten würde, wäre ein Verkauf von Opel und den Werken. Hyundai hätte großes Interesse an Opel. Sie haben wohl aus den Fehlern der Japaner gelernt, die mit ihren künstlichen und geschichtslosen Premiummarken wie Lexus oder Infiniti hier gefloppt sind. Sie könnten Opel wieder zu der Premiummarke machen, die sie einst war, auch wenn das sehr lange dauern dürfte. Leider wird GM Opel aber nicht verkaufen. So wird die Marke weiter vor sich herdümpeln und vielleicht irgendwann komplett eingestellt.

    Eine andere tickende Zeitbombe ist der Fiat-Konzern. Die Chrysler-Übernahme war sehr teuer und wurde über Schulden finanziert. Um die Schulden zurückzahlen zu können, muss jedes neue Modell zwingend ein Erfolg werden. Bei einem Flop oder sinkenden Verkaufszahlen könnte der Konzern schnell ins Wanken geraten. Dann könnte Fiat gezwungen sein, zuerst sein Tafelsilber zu verkaufen. VW hat beispielsweise großes Interesse an Alfa Romeo, um damit Seat ersetzen zu können. VW-Patriarch Ferdinand Piech würde auch Ferrari gerne in den VW-Konzern holen. Ob der Verkauf einiger Marken den Fiat-Konzern auf dauer retten kann ist dennoch fraglich.

    Der VW-Konzern ist zurzeit der einzige Europäische Autobauer, bei dem alles rund läuft. Er ist auf allen wichtigen Wachstumsmärkten vertreten und die Plattformstrategie senkt die Kosten deutlich. Auch die Qualität stimmt. Das muss nicht so bleiben, aber im Augenblick muss man sich um den VW-Konzern die wenigsten sorgen machen.

  5. B. Koch schreibt:

    Ich lese mir die einzelnen Statements durch und komme zu dem erschütternden Schluß, dass es in ferner Zukunft nur noch eine Einheitsbreimarke geben wird. Wieder erscheint mir das Festhalten an Saab als einzige wahre Lösung. Nur Individualismus kann uns von einander Unterscheiden. Wenn alles austauschbar wird, gleich wird, wer sind wir dann noch? Nutzer? oder mündige Konsumenten?

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