Saab: Schulden und Immobiliengeschäft

Heute beschäftigen zwei verschiedene Saab-Themen die schwedische Presse. Zunächst diskutiert man über die doch überraschend hohen Schulden von Saab. Daneben geht es um den Verkauf der Saab Tochter Saab Properties im Sommer letzten Jahres an den Investor Hemfosa.

Am 28. Juni 2011 hat Saab 50,1% der Anteile an der Tochter Saab Properties an den Immobilieninvenstor Hemfosa verkauft. Daneben gab es eine weitere – von Hemfosa bisher nicht ausgeübte – Option für Hemfosa, für weitere 5 Mio. Euro nochmals Anteile von Saab Properties zu erwerben.

Hintergrund für diesenTeilverkauf der Saab-Fabrik in Trollhättan war die durch die EIB und die schwedische Regierung blockierte Refinanzierung von Saab durch den russischen Investor Wladimir Antonow. Nachdem dieser nicht zum Zuge kam, versuchte Saab, sich über den Verkauf von Teilen der Saab-Fabrik in Trollhättan zu finanzieren. Deshalb wurden 50,1% der Anteile an der Saab-Tochter Saab Properties, die die Saab-Immobilien hält, an den Immobilieninvestor Hemfosa verkauft. Hemfosa war recht neu im Geschäft und konnte den Anteil an Saab Properties für ca. 28 Mio. Euro erwerben. Dies wurde schon damals als recht günstig angesehen. Unglücklicherweise reichte der Betrag auch nicht aus, um Saab so zu refinanzieren, dass eine Einigung mit den Zulieferern erzielt und die Produktion wieder gestartet werden konnte.

Jetzt soll möglicherweise der Kauf durch Hemfosa rückgängig gemacht werden. Dazu wollen sich die Insolvenzverwalter die Umstände des Immobilienverkaufs genauer anschauen. Die Saab-Insolvenzverwalter könnten den Kaufvertrag anfechten, wenn Saab schon im Juni 2011 in der Nähe der Zahlungsunfähigkeit war und der Kaufpreis zu niedrig angesetzt wurde. Dann könnte eine Gläubigerbenachteiligung vorliegen, der zur Rückabwicklung des Kaufvertrags führt.

Für eine Anfechtung spricht, dass der etwa gleich große Saab-Anteil an Saab Properties vor der Insolvenz mit einem Buchwert von ca. 42 Mio. Euro und damit deutlich höher bewertet wurde als der von Hemfosa gekaufte fast gleich große Anteil. Hinzu kommt, dass auch der Buchwert meistens zu gering angesetzt ist und beim Verkauf eigentlich noch stille Reserven den Kaufpreis zusätzlich erhöhen müssten.Gegen die Anfechtung spricht, dass die Reichsschuldenverwaltung im Juni 2011 den Verkauf geprüft und genehmigt hat. Allerdings ging es bei dieser Prüfung nur darum, ob die Bürgschaft für das EIB-Darlehen weiterhin noch ausreichend gesichert ist. Sollte es zu einer Rückabwicklung kommen, dann wäre dies äußerst ungünstig für Hemfosa. Man würde die Anteile an Saab Properties verlieren, aber zunächst nicht das gezahlte Geld zurückerhalten. Vielmehr würde Hemfosa sich in die Reihe der Saab Gläubiger einreihen und könnte die gezahlten 28 Mio. Euro wohl abschreiben.

Auch ein Thema in der schwedischen Presse sind weiterhin die hohen Schulden von Saab in Höhe von ca. 1,4 Mrd. Euro. Heute haben sich einige Insolvenzexperten und betroffene Unternehmer in der Presse dazu geäußert. Wie zu erwarten gab es kein einheitliches Bild. Gerade von den Insolvenzexperten gab es gegensätzliche Meinungen.

Johan Sölveland, Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter, geht davon aus, dass die Schuldenhöhe sich noch im Bereich des Normalen befindet. Saab sei nach dem Produktionsstopp in eine Abwärtsspirale geraten, in der sich die Schulden dann potentiert hätten. Auch seien die Vermögenswerte von Saab aufgrund der Insolvenz deutlich unterbewertet.

Andere Experten wie Marie Karlsson-Tuula, Professorin für Insolvenzrecht an der Universität Göteborg, sprechen von ungewöhnlich hohen Schulden im Verhältnis zu den Vermögenswerten, deren Höhe dringend untersucht werden müsse. Teilweise wird auch schon das Rekonstruktionsverfahren 2009 kritisiert. Das Verfahren damals habe nicht der Gesundung von Saab gedient, sondern es sei (GM) nur darum gegangen, die Saab-Schulden loszuwerden.

Ich persönlich halte es nicht für sonderlich vielversprechend, sich weiter mit der Schuldenhöhe zu beschäftigen. Dem zukünftigen Verkäufer von Saab interessiert die Diskussion nicht, da er Saab aufgrund der Insolvenz schuldenfrei erwerben wird. Die Gläubiger werden auch bei einer Verringerung der Schulden nicht mehr erhalten, sondern weiterhin nur ihren minimalen Anteil an der Insolvenzmasse bekommen. Strafbare Handlungen sind bisher nichht ersichtlich, auch die Inventurliste spricht nicht dafür. Aber alle Einzelheiten sind nicht bekannt. Doch auch dieser Aspekt spielt für Saab und die Gläubiger finanziell keine Rolle. Sidahl erwähnt auch, dass man von der Höhe der Saab-Schulden nicht überrscht sei.Die Zulieferer haben die Verluste (zwangsläufig) laut Frederik Sidahl, Vorsitzender der Zulieferervereinigung FKG, abgehakt. Sidahl erwähnt auch, dass man von der Höhe der Saab-Schulden nicht überrscht sei. Die Zulieferer haben sich im Rahmen des Möglichen umorientiert und hoffen jetzt, dass sie wieder Geschäfte mit dem Käufer von Saab machen können.

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Eine Antwort zu Saab: Schulden und Immobiliengeschäft

  1. Frank Urban schreibt:

    Hi wie immer interessante Informationen. Saab ist ja nunmehr schon ein Wirtschaftskrimi und ich denke das unterschätzen viele. Weil das auch sehr positiv sein kann !
    Danken wir an Borgward – hier kommt viel von der Faszination des Konkurses der eigentlich keiner war. Insofern spielt sowas oft eine Rolle. Sollte Saab einmal gerettet werden denke ich wird auch der Kämpfer Victor Muller seine -wie ichfinde – verdiente Fussnote erhalten. ohne Ihn gäbe es Saab nicht mehr.
    Aber zurück zum usgangspunkt: Ich denke dieser Wirtschaftskrimi ist teil von Saab, weil dieser Krimi nur stattfindet gerade weil Saab so fasziniert und sich Menschen daher so engagieren – auch im finanzellen Kampf !

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