Kommentar zu einem möglichen Gebot von Tata

Gestern Abend ging die Meldung durch die Saab-Welt: Tata hat angeblich ein Gebot für Saab abgegeben (vgl. hier. Bisher ist es jedoch nur eine unbestätigte Meldung einer indischen Zeitung ohne Bestätigung von Tata. Trotzdem möchte doch ein paar Überlegungen äußern.

Angeblich soll Tata 260 Mio. Euro für Saab bieten. Wie beim Youngman-Gebot muss man davon ausgehen, dass dieses Gebot nur für die insolventen Teile von Saab gelten würde und Saab Parts extra gekauft wird. Damit wäre das mögliche Gebot von Tata höher als das von Youngman (230 Mio. Euro). Tata wäre dann in einer Favoritenrolle beim Rennen um Saab.

Aufschlussreich ist der Hinweis, dass das Gebot nicht direkt von Tata kommt, sondern von der europäischen Tochter Jaguar Land Rover. Haben wir hier unseren unbekannten europäischen Bieter? Wenn das so wäre dann wäre dies für viele eine faustdicke Überraschung. Bisher gab es ja nur Indizien, die auf BMW als dem europäischen Unbekannten hinwiesen.

Tata wäre aus meiner Sicht ein guter Eigentümer für Saab. Tata hat nach der Übernahme von Jaguar und Land Rover bewiesen, dass man mit europäischen Luxusmarken umgehen kann und diese auf den richten Weg bringen kann. Auch ist beim Mischkonzern Tata genügend Geld vorhanden, um Saab auch ohne GM-Lizenzen wieder auf die Beine zu bringen.

Eigentlich macht ein solches Gebot für Tata sehr viel Sinn. Zunächst kann man gefährliche asiatische Konkurrenten wie Mahindra, Youngman und Geely von der letzten kaufbaren europäischen Marke fernhalten. Natürlich könnte man das auch erreichen, indem man Saab kauft und dann abwickelt. Aber dafür würde auch Tata nicht mehrere hundert Mio. Euro ausgeben.

Auch gibt es bei Jaguar Land Rover (JLR) noch im unteren Premiumsegment noch Luft. Aktuell ist bei Jaguar beim Oberklassenfahrzeug XF schluss. Jaguar plant einen Nachfolger für den kleineren X-Type. Trotzdem gibt es für einen Saab 9-3 und auch einen 9-5, der eine völlig andere Klientel anspricht, viel Raum im Tata-Konzern und auch einige Synergieeffekte. JLR besitzt gute Dieselmotoren, die auch gut zu Saab passen würden. Ein 9-4X wäre auf Basis eines Land Rovers realisierbar. Auch ein Kompaktwagen wie der Saab 9-1 wäre nur bei Saab, aber nicht bei Jaguar darstellbar.

Und was noch aus Sicht des Blogs für Tata spricht: Tata besitzt auch die Markenrechte an Rover. Der Tata-Konzern würde damit zumindest teilweise die Marken des Blogs vereinigen!

Interessant ist für mich auch die Höhe der Gebote. Während GM Saab inklusive Saab Parts 2009 an Spyker für ca. 80 Mio. Euro und der Ausgabe von bevorzugten Aktien verkauft hat, werden jetzt deutlich höhere Preise aufgerufen. Und dies trotz der negativen Folgen der Insolvenz. Entweder ist Saab ohne GM heute viel mehr wert oder der Inhalt von Saab wird heute als deutlich wertvoller bewertet. Möglich ist auch, dass GM 2009 nicht an den Höchstbietenden verkauft hat, sondern an den Bieter, von dem zu erwarten war, dass er es nicht schafft, Saab am Leben zu erhalten.

Insgesamt steigt also die Spannung. Eine Entscheidung der Insolvenzverwalter liegt unmittelbar bevor. Auch wenn ein Gebot von Tata nicht sicher ist gibt es offensichtlich einige ernsthafte und finanzstarke Bieter. Dies stimmt mich vorsichtig optimistisch.

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4 Antworten zu Kommentar zu einem möglichen Gebot von Tata

  1. Frank schreibt:

    Hallo, würde das toll finden wenn das mal erklärt wird mit den Rover Rechten. Mir war immer anderes bekannt. Sind die nicht an Ford zurückgefallen ?
    Irgendwelche weiterführenden Links etc ?

    Danke !!!

  2. tauentzien schreibt:

    Ist etwas kompliziert. BMW hat 2000 die Rover Group aufgespalten, Land Rover wurde an Ford verkauft. BMW behielt deshalb die Markenrechte Rove und hat sie MG Rover nur zur Verfügung gestellt. Nach der MGR Insolvenz 2005 wollte SAIC, das 2004 noch nicht exklusive Rechte am Rover 75 erworben haben, dieses Modell in China unter dem Namen Rover vermarkten. Ford machte aber 2006 von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch, so dass BMW den Namen Rover an Ford für gutes Geld vekaufte. Als Ford 2008 Land Rover an Tata verkaufte, gingen neben der Marke Land Rover auch die Markenrechte an Rover an Tata über. SAIC benutzte dann den Kunstnamen Roewe und fusionierte 2007 mit Nanjing, die 2005 die Fabrik in Longbridge und die Marke MG erworben hatte.

  3. Ronald schreibt:

    Hallo, also ich selber würde es klasse finden wenn SAAB an Tata ginge und die europäischen Marken Jaguar, Land Rover und SAAB zu einem sehr wertvollen Gesamtwerk vereinigen würde. Mann kann ja schon fast sagen zu einem Kunstwerk. Das wäre wirklich zu wünschen….

  4. Markus schreibt:

    Land Rover, Jaguar und Saab unter einem Dach wäre DIE Traumkombination – viel Verbindendes, nichts Konkurrenzierendes, alle mit ähnlichem Schicksal, keine Marke dominierend.
    Alle Marken könnten technisch gegenseitig voneinander provitieren.
    Ein Vertreter könnte alle drei Marken problemlos unter gleichem Dach verkaufen: An Kunden mit Fokus Individualität, gehobener Anspruch, Sportlichkeit, Funktionalität, Ästhetik, Image, Technologie. Hoffen wir sehr, Tata sieht das auch so !!!

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