Wieviel GM-Technik Saab tatsächlich benutzt

Heute gibt es keine weiteren Infos zu den aktuellen Verhandlungen mit GM. Alleine, dass weiterverhandelt wird, ist aus meiner Sicht aber ein gutes Zeichen. Am Wochenende gab es in der schwedischen Presse einen interessanten Bericht, wieviel GM-Technik tatsächlich von Saab benutzt wird. Dabei gibt es für diejenigen, die glauben, Saab-Fahrzeuge seien nur umgelabelte Opel, einige handfeste Überraschungen.

Zunächst muss man zwischen GM-Zulieferteilen, die Saab recht frei verwenden kann, und den IP-Rechten an der in den Saab-Fahrzeugen verwendeten Technik und an der Konstruktion an sich unterscheiden. GM-Zulieferteile kommen direkt von GM. GM besitzt an diesen Teilen selbst natürlich auch die IP-Rechte. Die Frage der IP-Rechte an Technik und Konstruktion ist da spannender. Hier geht es um den Besitz der Rechte, egal wer produziert oder zuliefert.

Man muss sich das also differenziert anschauern und interessanterweise trifft auch GM diese Unterscheidung. GM will ja Saab mit Teilen weiterbeliefern, aber bei einem 100%-Verkauf von Saab die Nutzung der GM IP-Rechte verbieten.

Zulieferteile von GM gibt es natürlich in allen Saab-Modellen. Aber wie sieht es mit den IP-Rechten bei den Saab-Modellen aus?

Der Saab 9-4X gehöhrt von den Rechten her zu 100% GM. Insofern kann GM nach Gutdünken über die Produktion und den Verkauf des Modells an Saab entscheiden. Zwar haben Saab-Mitarbeiter am 9-4X mitgearbeitet, aber dies geschah wohl rechtlich gesehen im Auftrag von GM direkt und ohne Saab. Zumindest konnten die Saab-Mitarbeiter dafür sorgen, dass aus dem 9-4X ein richtiger Saab wurde.

Beim 9-5 sieht die Lage etwas anders, aber leider nicht besser aus. Der 9-5 nutzt teilweise IP-Rechte von GM, doch hat Saab auch eigene Entwicklungen eingebracht. Dies zeigt sich auch an der geringen Gleichteilerate von 30% zum Opel Insignia, der ebenfalls die GM-Epsilon II-Plattform benutzt. Allerdings ist GM Inhaber sämtlicher IP-Rechte am 9-5, also auch an den 70%, die die Saab-Eigenentwicklungen am 9-5 ausmachen. Saab darf selbst diese Eigenentwicklungen im 9-5 ohne Erlaubnis von GM nicht in anderen Fahrzeugen benutzen. Gleichzeitig zahlt Saab für jeden produzierten 9-5 Lizenzgebühren an GM. Dies gilt auch für die Nutzung der Saab-Eigenentwicklungen aus dem 9-5 in anderen Fahrzeugen. Kurioserweise muss also Saab sogar für eigene Entwicklungen an GM Lizenzgebühren zahlen.

Eine Überraschung gibt es dann aber beim aktuellen 9-3II. Zwar bezieht Saab einzelne Teile des 9-3 von GM, jedoch ist der 9-3II von der Konstruktion her nur gering mit anderen GM-Modellen verwandt. Daher liegen die IP-Rechte für den aktuellen 9-3 fast ausschließlich bei Saab. Dementsprechend zahlt Saab auch für den 9-3II keine Lizenzgebühren an GM. Offensichtlich haben die Saab-Techniker vor 10 Jahren hier sehr viel Eigensinn bewiesen und die GM Epsilon I-Plattform stark modifiziert.

Die aktuell entwickelte Saab Phoenix-Plattform beinhaltet dagegen keinerlei Rechte von GM mehr. Saab kann die neue Plattform also frei verwenden. GM liefert noch einige Technikkomponenten zu, hat aber keine Rechte an der Plattform. GM ist hier also reiner Zulieferer.

Gerade die Infos zum aktuellen 9-3 waren für mich in dieser Form doch neu. Bisher gab es ja gerade in der deutschen Presse immer nur die Info, der 9-3 basiere auf dem Opel Vectra. Trotzdem sollte man jetzt nicht auf die Idee kommen, dass Saab einfach auf den 9-4X und den 9-5 verzichtet damit Saab ohne Zustimmung von GM verkauft werden kann. Der 9-4X und der 9-5 sind wichtige Modelle für Saab. Schon die 9-5 Limousine verkaufte sich im Frühjahr vor dem Produktionsstillstand besser als der alte 9-5. Mit dem Sportkombi dürften die Verkaufszahlen weiter ansteigen.

Auch wären Ersatzmodelle auf Basis der Phoenix-Plattform frühestens in ca. 4 Jahren einsatzbereit. Diese Durststrecke wäre zu lang für Saab. Wir können also nur auf einen erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen mit GM und auf ein weiteres Interesse von Youngman und Pang Da trotz Ablauf der Verkaufsvereinbarung morgen am 15. November hoffen. Ein gutes Zeichen ist, das aus China weiter Gelder nach Trollhättan fließen, um die Rekonstruktion am Laufen zu halten. Auch werden die Gespräche laut Saab-Pressesprecher Eric Geers mit den chinesischen Partner über den 15. November hinaus fortgesetzt.

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