Dudenhöffer: Experte oder Medienevent?

Ferdinand Dudenhöffer ist bei Automobilangelegenheiten ein gefragter Mann. In den Printmedien und im Fernsehen tritt er als Experte für alle Automobilfragen auf. Sei es E10 oder das Schlagloch auf der Landstraße, Dudenhöffer ist präsent und verbreitet seine Expertenmeinung.

Doch was macht diesen Mann zum Experten? Ferdinand Dudenhöffer wurde am 29. Juni 1951 in Karlsruhe geboren. Zur Zeit ist er Professor an der Universität Duisburg-Essen. Dudenhöffer studierte in den Jahren 1972 bis 1977 an der Universität Mannheim Volkswirtschaftslehre. Im Jahr 1983 promovierte er dort. In den Jahren 1985 bis 1987 arbeitete er bei der Adam Opel AG, in den Jahren 1987 bis 1990 leitete er die Abteilung Marktforschung und Marketingstrategie bei der Porsche AG. Von 1996 bis 2008 war er Professor an der FH Gelsenkirchen. Seit 2008 ist er Professor an der Universität Duisburg-Essen in Duisburg und leitet dort das Fachgebiet „Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft“.

Auf den Papier befähigt dies Herrn Dudenhöffer, zu allerlei Statements rund um das Thema „Auto“ abzugeben. Doch man fragt sich, ob er nun wirklich Ahnung vom Thema hat oder einfach einige vermeintliche automobile Bauernregeln unters Volk bringt? Schauen wir uns mal einige seine Aussagen in den letzten Jahren an, die man über Suchmaschinen im Internet der Reihe nach findet.

„VW schwimmt sich frei“ (SZ vom 23.07.2007). Dudenhöffer erachtet eine Porsche-Übernahme und Umgestaltung von Volkswagen durch den Porsche-Chef Wendelin Wiedeking für unvermeitlich. Wörtliche Aussage Herrn Dudenhöffers: „Mittlerweile ist aber ganz klar, dass VW mit der heutigen Struktur in fünf Jahren nicht mehr im Markt sein würde.“

Jetzt sind fast 5 Jahre vergangen. VW hat seine bisherige Struktur behalten, Porsche übernommen und schickt sich an, Weltmarktführer zu werden. 0:1 gegen Dudenhöffer.

„Was gegen die Abwrackprämie spricht“ (Stern vom 20.04.2009). Dudenhöffer glaubt, dass durch die Abwrackprämie ein massives Händlersterben einsetzen wird, da dann auf lange Zeit viel weniger Neufahrzeuge gekauft werden. „Am Ende bleibt nur verbrannte Erde.“ , sagt Ferdinand Dudenhöffer auf stern.de. Der Professor für Automobilwirtschaft meint, die Händler ließen sich vom Staat blenden. „Viele Verkäufer denken zu kurzfristig.“ Die große Ernüchterung werde spätestens in einem Jahr kommen.

Ich würde jetzt mal großzügig ein Unentschieden geben. Zwar ist im Jahr nach der Abwrackprämie der Neuwagenverkauf zurückgegangen (das konnte jedes Kind vorhersagen), aber der Markt und die Wirtschaft hat sich sehr schnell wieder erholt. Ein Massenhändlersterben ist nicht eingetreten. 1:2 gegen Dudenhöffer.

Aber warum dann vorher diese Aussage von Dudenhöffer: „Sinnvoller ist da noch die Idee einer Verschrottungsprämie. Das nimmt alte Autos aus dem Markt und stärkt das Neugeschäft.“ (Focus vom 19.11.2008).

Für den Widerspruch in seinen Aussagen: 1:3 gegen Dudenhöffer.

„GM und seine Töchter“ (Stern vom 18.02.2009). Dudenhöffer meint, dass Opel mit seinen Standorten in Deutschland keinen Gewinn erzielen kann. Dudenhöffer sieht das Problem nicht in der Größe: „Es wird sehr schwer sein, ist aber nicht unmöglich. Der Markt hat gezeigt, dass die Größe nicht wichtig, sondern wie flexibel ein Unternehmen produzieren kann.“ Porsche könne es, General Motors eben nicht.

Opel ist bisher tatsächlich nicht flexibel genug, um Gewinne zu erzielen. Auch gebe ich Dudenhöffer recht, dass die Größe eines Herstellers kein Kriterium für den Erfolg ist. Nur noch 2:3 gegen Dudenhöffer.

In diesen Zusammenhang ist seine Aussage zu Saab sehr aufschlussreich: Saab benötigt eine Größe (Stückzahl) von 300.000 bis 400.000 Fahrzeugen jährlich, um zu überleben (E24 vom 25.03.2011).

Seltsam, dass die Aussage Dudenhöffers im Stern offensichtlich nicht für Saab als einer der flexibelsten Produzenten weltweit gilt. Alleine dieser Widerspruch in seinen eigenen Aussagen ist verräterisch und zeugt neben den offensichtlich falschen Fakten auch von fehlender Objektivität. Schon der Spyker-Bericht 2010 zeigt, dass Saab gerade nicht solche utopischen Stückzahlen braucht. Mir ist auch nicht klar, wie Dudenhöffer auf die Zahl 400.000 kommt. Sergio Marchionne meint ja, man bräuchte 6 Millionen Fahrzeuge im Jahr! 2:4 gegen Dudenhöffer.

Und nochmals zu Saab: Dudenhöffer geht davon aus, dass Saab das Jahr 2009 nicht überlebt (stern am 20.02.2009). „Der Zusammenbruch von Saab wird erst der Anfang, das Jahr 2009 wird voraussichtlich das Verschwinden weiterer Automarken erleben. Das Ende von GM-Marken wie Pontiac und Saturn ist bereits angekündigt (…), sagt Dudenhöffer.

Das Jahr 2011 beweist das Gegenteil, weder Saab noch weitere Marken sind vom Markt verschwunden. 2:5 gegen Dudenhöffer.

„Saab hat überhaupt keine Chance (N24, 27.01.2010). Aussage von Dudenhöffer zur Übernahme durch Spyker.

Saab hat sehr wohl zumindest eine Chance, hat sie ein Jahr lang schon genutzt und scheint sie auch mit vielen neuartigen Produkten weiter wahrzunehmen. 2:6 gegen Dudenhöffer.

Man könnte die Auflistung noch weiterführten, die Tendenz ist aber eindeutig. Es kann sich ja jeder selber ein Bild von unserem Automobilpapst machen. Interessant noch dieser Artikel aus dem Manager-Magazin. Der Fairness halber aber auch noch dieser Link zu diesem Thema.

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2 Antworten zu Dudenhöffer: Experte oder Medienevent?

  1. Pingback: Der Rücktritt von JAJ | Tauentzien

  2. mk schreibt:

    Saab wurde 2012 abgewickelt:)

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