Testbericht Jaguar X-Type Estate 2.5 Executive – Teil 2

Fortsetzung von Testbericht Jaguar X-Type Estate 2.5 Executive – Teil 1. Weiter geht es mit dem Test des Fuhrparkzuwachses in der (weiteren) Familie. In Teil 1 habe ich bereits über die Ausstattung und die Fahreigenschaften des Jaguar X-Type Estate berichtet. In Teil 2 möchte ich mich heute etwas mit den inneren Werten des Jaguar beschäftigen. Da der Jaguar einige Paralellen zu Saab aufweist, gibt es immer wieder ein paar Querverweise zu den Saab Kombis.

Ich zäume das Pferd mal von hinten auf und fange mit dem Kofferraum an. Grund für den Umstieg vom sehr zuverlässigen S-Type auf den X-Type war nämlich u.a. der recht unpraktische und kleine (400 Liter!) Kofferraum des S-Type. Hier kann der X-Type Kombi mit 445 Litern und natürlich mit mehr Variabilität punkten.

Trotzdem: Gemeinsam ist dem X-Type und den Saab Kombis, dass sie zu den Lifestyle-Kombis gehören und damit nicht so sehr auf die Raumausnutzung achten. Auffällig wird dies vor allem beim Saab 9-5, der mit 416 Liter noch 3 Liter weniger zu bieten hat als der Saab 9-3 Sportkombi mit 419 Liter Kofferraumvolumen. Saab hat ja häufig beim 9-5 statt der DIN-Maße die amerikanischen SAE-Maße angegeben. Diese werden anders gemessen – zum Beispiel mit senkrecht stehenden Rücksitzen – und so kommt der 9-5 Sportkombi in den USA auf über 800 Liter Norm-Kofferraumvolumen.

Wie kommen die 416 Liter beim großen 9-5 Sportkombi zustande? Aufgrund der recht tiefliegenden Laderaumabdeckung (bzw. des recht hoch liegenden Kofferraumbodens) ist der nutzbare Kofferraum recht flach. Daher ergibt sich trotz annehmbarer Breite und Tiefe des Kofferraums eben ein recht geringes Volumen. Anders sieht es bei umgeklappten Rücksitzen aus. Hier kann der Saab 9-5 seine Größe und den zusätzlichen Platz auf den Rücksitzen ausspielen. Der 9-5 liegt dann mit 1.490 Liter Volumen vor dem X-Type Estate (1.415 Liter) und dem 9-3 Sportkombi (1.273 Liter).

Insgesamt hat beim Kofferraum trotzdem der Jaguar die Nase vorne. Denn normalerweise klappt man nicht die Rücksitze um. Mit geschlossener Laderaumabdeckung hat der Jaguar doch spürbar mehr Kofferraumvolumen als die Saab-Modelle. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Alle Fahrzeuge bieten ausreichend Kofferraum und sind praktisch genug, um auch einmal sperrige Sachen zu transportieren.

Praktisch noch beim Jaguar: Die geteilte Heckklappe. Je nach Bedarf kann entweder die gesamte Heckklappe geöffnet werden oder nur der Glasausschnitt.

Vom Kofferraum zum Innenraum: Auch der Innenraum entspricht noch dem klassischen Jaguar-Ideal. Alles ist sehr wohnlich mit Leder und Holz gehalten. Interessanterweise unterscheidet sich der Innenraum des X-Type kaum vom größeren Innenraum des S-Type. Lediglich einige Materialien wie zum Beispiel die Schalter am Lenkrad und das Material rund um den Navigationsbildschirm wirken von der Materialauswahl her etwas billiger als im S-Type. Die Verarbeitung ist dabei sehr gut. Optisch störend ist beim X-Type nur der Schlüssel, der leider aus dem Ford-Teileregal stammt. Gerade der dürre und Ford-typische Schlüsselbart stört mich schon etwas. Aber der ist ja meistens eingeklappt und man benutzt zunächst die Fernbedienung. Lustig ist noch eine X-Type Eigenheit: Die Tachoskalierung beginnt völlig unüblich mit 10 km/h und geht so weiter (30, 50, 70, 90, 110, usw.).

Die Jaguar-Sitze sind eher sportlich gehalten. Sie sind straff ausgelegt, was mir persönlich angenehmer als ein weicher Sessel ist. Leider werden die Sitze auf längeren Fahrten problematisch, da es am Langstreckenkomfort etwas fehlt. Nach einer längeren Fahrt melden sich bestimmte Körperteile recht deutlich zu Wort. Insgesamt sind die Sitze sicher gut und auf Augenhöhe mit den deutschen Konkurrenten. Aber an das Niveau von Saab-Sitzen reichen sie nicht ganz heran.

Die Rücksitze habe ich jetzt nicht ausführlich getestet. Die Rücksitzbank bietet jedoch recht wenig Beinfreiheit und der Einstieg ist etwas beengt. Hier hat Jaguar mehr Wert auf einen größeren Kofferraum gelegt. Dies geht dann eben zu Lasten der hinteren Mitfahrer. Trotzdem sitzt man zumindest bei einer kurzen Sitzprobe hinten recht bequem im X-Type auch wenn die Beinfreiheit nur den Klassenstandards entspricht und mit der im Saab 9-3II zu vergleichen ist.

Fazit: Der Jaguar X-Type Estate ist ein angenehmer und schöner Reisewagen, der auch seine praktischen Qualitäten hat. Technisch ist er mit dem etwas durstigen V6-Motor und der 5-Gang-Automatik etwas angestaubt. Aber alles passt zum klassischen Image und Design. Der Wagen ist sympathisch und bietet als Gebrauchtwagen ein äußerst günstiges Preis-/Leistungsverhältnis.

Jetzt stellt sich natürlich noch die Frage, warum wir uns dann für den Saab 9-5 entschieden haben. Uns gefallen beide Fahrzeuge sehr gut. Doch die Saab-Charakteristik gefällt uns etwas besser. Der 9-5 Aero fährt sich – naturgemäß – insgesamt sportlicher und etwas leichtfüßiger. Der Saab-Turbomotor ist spritziger (ca. 100 Nm mehr Drehmoment!), sportlicher und dazu noch deutlich verbrauchsärmer (1 bis 2 Liter auf 100 km). Der 9-5 bietet insgesamt mehr Platz als der Jaguar, vor allem auf den Rücksitzen. Und die Saab-Sitze sind wie immer ein Gedicht – die recht guten Jaguar-Sitze können da nicht ganz mithalten! Da der 9-5 und der X-Type gebraucht auch preislich in sehr ähnlichen Regionen liegen fiel die Wahl schließlich auf den Saab 9-5. Und gerade beim 9-5 Aero muss man zuschlagen. In unserer ausgesuchten Konfiguration (Alter/Preisspanne/Laufleistung) gab es in den einschlägigen Portalen nicht einmal 10 Fahrzeuge deutschlandweit. Dies ist bei Jaguar übrigens ähnlich. Bei einem guten Angebot muss man daher schnell zuschlagen und vielleicht auch eine weite Anfahrt in Kauf nehmen.

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